Der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) stellt die Finanzierung der umstrittenen Golfserie LIV Tour zum Ende der Saison 2026 ein. Dies berichten das „Wall Street Journal“ und der TV-Sender CNBC unter Berufung auf informierte Kreise. Durch den Wegfall des Geldgebers sei die Zukunft der hochdotierten Turnierserie ernsthaft infrage gestellt. LIV Golf selbst wollte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Berichten äußern.
Strategische Neuausrichtung des Fonds
Spekulationen um einen Rückzug des saudischen Staatsfonds aus der LIV Tour hatten bereits in den vergangenen Wochen zugenommen. Die Liga, die mit enormen finanziellen Mitteln viele der weltbesten Spieler wie Bryson DeChambeau und Phil Mickelson von der etablierten PGA Tour abgeworben hatte, steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Laut CNBC werde die Organisation „strategische Alternativen prüfen“, um den Spielbetrieb fortzusetzen. Einige Turniere wurden bereits verschoben: Das für Juni geplante Event in New Orleans wurde abgesagt, die Organisatoren hoffen jedoch auf eine Nachholung noch in diesem Jahr. Das nächste Turnier ist vom 7. bis 10. Mai im Trump National Golf Club in einem Vorort von Washington geplant. Das letzte Event der Saison soll vom 20. bis 23. August in Indianapolis stattfinden.
Rückzug aus weiteren Sportinvestitionen
In den vergangenen Jahren hatte Saudi-Arabien massiv in verschiedene Sportarten und Events investiert, was Kritikern zufolge dem Zweck des „Sportwashings“ diente – also der Verbesserung des internationalen Images des Königreichs. Der Höhepunkt dieser Strategie war der Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2034. Doch nun scheint eine Kehrtwende einzutreten. Neben dem Ausstieg aus der LIV Tour verkaufte der PIF kürzlich auch einen Anteil am saudischen Fußball-Rekordmeister Al-Hilal. Zudem wurde eine geplante Sportevent-Kooperation mit dem früheren Football-Star Tom Brady abgesagt.
Diese Entscheidungen sind Teil einer neuen strategischen Ausrichtung des Investmentfonds, die Mitte April offiziell verkündet wurde. Demnach will der Fonds künftig weniger riskante Unternehmungen eingehen und sich verstärkt auf traditionelle Investments konzentrieren. Hintergrund sind auch wirtschaftliche Zwänge: Saudi-Arabien muss sparen, da die Einnahmen aus Ölverkäufen zurückgegangen sind und der Krieg der USA und Israels gegen Iran zu höheren Verteidigungsausgaben geführt hat. Zudem wurde die Unterstützung für das 500-Milliarden-Euro-Bauprojekt Neom eingestellt.
Kein vollständiger Rückzug aus dem Sport
Trotz der Rückzüge bleibt Saudi-Arabien im Sport weiterhin präsent. Der PIF hält weiterhin Anteile am Premier-League-Club Newcastle United, und es wird weiterhin ein Formel-1-Rennen im Land ausgetragen. Auch die Investments in Boxen, MMA und E-Sport sollen fortgesetzt werden. Der Schritt markiert jedoch eine deutliche Abkehr von der bisherigen Strategie, mit hohen Summen in internationale Sportereignisse zu investieren. Die Zukunft der LIV Tour bleibt ungewiss, und die Golfwelt beobachtet die Entwicklungen mit Spannung.



