Historische Chance für Francesco Friedrich bei Lochners Abschiedsrennen
Für Johannes Lochner steht das letzte Rennen seiner Karriere an, während Francesco Friedrich in doppelter Hinsicht grübelt. Kann der langjährige Dominator im Viererbob einen goldenen Olympia-Schlusspunkt setzen und als erster Bobpilot fünf Goldmedaillen bei Olympischen Winterspielen gewinnen?
Friedrichs ungewisse Zukunft und Lochners letzter Tanz
Francesco Friedrich peilt im Viererbob von Cortina d'Ampezzo seine fünfte Goldmedaille bei Olympia an. Nach Silber im Zweierbob setzt er nun alles auf die Königsklasse. Doch ein möglicher Triumph wirft Fragen über seine weitere Karriere auf. Erst nach den Spielen will Friedrich im Familienrat über seine Zukunft entscheiden. „Wir wissen auch noch nicht, ob es bei uns weitergeht“, erklärte der Sachse.
Der einstige Dominator grübelt nicht nur über die kommenden Jahre, sondern auch über die aktuelle Dominanz seines Dauerrivalen Johannes Lochner. Im Zweierbob betrug Friedrichs Rückstand 1,34 Sekunden – der größte Abstand seit 46 Jahren. Seit Wochen vermutet Friedrich einen Materialvorsprung bei seinem nun mit Gold dekorierten Konkurrenten. „Die haben was gefunden. Die fahren dadurch entspannt, locker“, sagte Friedrich.
Lochners gelassene Reaktion und Bahngeheimnisse
Johannes Lochner konterte mit einem entspannten Lächeln: „Das mag er gerne glauben.“ Der 35-jährige Bayer verwies eher auf seine Fahrkünste im neu gebauten Cortina Sliding Centre. „Man darf halt hier keinen Fehler machen, weil die Bahn oben so flach ist“, meinte Lochner, für den am Sonntag der letzte Wettbewerb seiner Karriere ansteht.
Friedrich beschreibt die Bahn als „speziell“ mit eigenem Charakter. „Wenn du hier und da und dort und in jeder Kurve überall ein bisschen besser fährst und zum Schluss auch das Material besser abgestimmt ist, dann bist du einfach schneller“, analysierte der Rekordweltmeister.
Neue Karten im Viererbob und Materialfragen
In der Königsklasse an diesem Wochenende werden die Karten neu gemischt. Die ersten Trainingsläufe zeigten, dass der Italiener Patrick Baumgartner, der Schweizer Michael Vogt und der Österreicher Markus Treichl alle vorn mit dabei waren. Im dritten Lauf am Donnerstag war Friedrich erstmals schneller als Lochner.
„Bis jetzt können wir uns noch gar nichts ausrechnen“, meinte Friedrich und betonte: „Wir wissen, dass wir im Vierer gut sind.“ Der mit Crew 630 Kilogramm schwere Schlitten drückt sich ganz anders ins Eis. „Kleine Details, die dich im Zweier unglaublich schnell machen, werden im Vierer nicht so sein“, erklärte Friedrich.
Margis als wilder Faktor und persönliche Rivalitäten
Mit Silber vor wenigen Tagen hatte Friedrich mit dem Thüringer André Lange gleichgezogen. Nur dessen Anschieber Kevin Kuske hat noch eine Silbermedaille mehr. Doch Lochner kann diesen Plan durchkreuzen – er hat im Vierer Friedrichs ehemaligen Anschieber Thorsten Margis im Schlitten sitzen.
Margis hatte vor zwei Jahren seine Karriere beendet, gab dann ein Comeback bei Lochner – zum Unmut seines Ex-Chefs. „Wir wollen Gold holen und Olympiasieger werden – nichts anderes!“, tönte Margis. Friedrich reagierte angefressen, war Margis doch eine Vertrauensperson. „Er hat viel Knowhow. Er wusste schon am meisten, wo der Hase langläuft“, sagte Friedrich einst.
Auslaufende Verträge und sportliche Perspektiven
Erst nach den sportlichen Herausforderungen bei Olympia wird sich Friedrich mit seiner Zukunft auseinandersetzen. Die Sponsorenverträge laufen aus, viele Details sind zu beachten. Sein Topsprinter Simon Wulff kommt nach seinem positiven Dopingbefund im Dezember vergangenen Jahres im September zurück. Lochners Anschieber Georg Fleischhauer, einst von Heimtrainer Gerd Leopold gescoutet, ist nach Olympia ebenfalls auf dem Markt.
Das letzte Duell zwischen Friedrich und Lochner verspricht nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern markiert auch einen Wendepunkt im deutschen Bobsport. Während Lochner seinen Abschied vorbereitet, steht Friedrich vor der Entscheidung, ob er seine historische Chance nutzen und in die Geschichtsbücher eingehen kann.



