Olympia-Debakel: Deutsche Kombinierer vergeben Medaille nach Sturz im Langlauf
Ein emotionaler Moment des Scheiterns: Vinzenz Geiger schleuderte seinen Stock wütend von sich, bevor er sich in die tröstenden Arme von Teamkollege Johannes Rydzek fallen ließ. Das Olympia-Debakel der deutschen Nordischen Kombinierer war damit besiegelt. Trotz hervorragender Ausgangsposition nach dem Skispringen blieben Rydzek und Geiger im abschließenden Teamsprint ohne Medaille und fielen von der Spitzenposition auf enttäuschende Rang fünf zurück.
Vom Gold-Kurs zum Absturz
Die beiden Oberstdorfer hatten nach dem Springen tatsächlich auf Gold-Kurs gelegen. Im dichten Schneetreiben von Predazzo sprang Rydzek am Vormittag 123 Meter weit, Geiger landete nach 122,5 Metern. Deutschland ging damit mit einem Vorsprung von 13 Sekunden ins entscheidende Langlaufrennen. Im Teamsprint laufen zwei Athleten pro Mannschaft im Wechsel, jeder absolviert fünf Runden über jeweils 1,5 Kilometer.
Bis zur achten Runde gehörte Deutschland zur Spitzengruppe. Dann kam der entscheidende Wendepunkt: Geiger stürzte gleich zweimal, kollidierte mit einem Konkurrenten und verlor wertvolle Sekunden. Am Ende fehlten dem deutschen Team 1:06,1 Minuten auf Gold und etwa 43 Sekunden auf Bronze.
Enttäuschung nach vielversprechendem Start
„Ich glaube, dass wir das Springen gewinnen, damit hat niemand gerechnet“, hatte Geiger noch optimistisch an der Schanze erklärt. „Es ist noch nichts gewonnen. Es wird ein langes, hartes Rennen“, ergänzte der 28-Jährige damals. „Der Johannes und ich werden alles reinhauen, was wir haben.“
Rydzek berichtete von einem motivierenden Gespräch vor dem letzten Auftritt: „Man habe sich zusammengesetzt und gesagt: Das ist nicht das, was in uns steckt. Das wollen wir heute zeigen. Einfach an uns glauben, an unser Können glauben.“ Mut gemacht habe auch die überraschende Bronzemedaille seiner Schwester Coletta Rydzek mit Laura Gimmler tags zuvor im Langlauf.
Persönliche Bilanz und ungewisse Zukunft
Für Johannes Rydzek, der bereits 2010 in Vancouver dabei war, dürften dies die letzten Winterspiele gewesen sein. Seine Bilanz bleibt bei vier Olympia-Medaillen: zweimal Gold sowie je einmal Silber und Bronze. Vinzenz Geiger kann auf drei Edelmetall-Platzierungen bei Olympischen Spielen zurückblicken.
Ob noch weitere Medaillen dazukommen können, liegt nicht allein in den Händen der Athleten. Noch ist unklar, ob die Nordische Kombination auch in vier Jahren in Frankreich noch zum Olympia-Programm gehören wird. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry machte sich im Val di Fiemme selbst ein Bild von der traditionsreichen Sportart.
Der Deutsche Olympische Sportbund will sich für den Verbleib der Disziplin bei Winterspielen einsetzen. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees soll im Sommer fallen. Dabei geht es auch um die Frage, ob künftig Kombiniererinnen ins Programm aufgenommen werden. Ein Verbleib der Kombination ohne Frauen gilt als ausgeschlossen.
Sieger und Bilanz
Der Sieg ging an die Norweger Andreas Skoglund und Jens Luraas Oftebro. Silber holten sich die Finnen Eero Hirvonen und Ilkka Herola, Bronze sicherten sich die Österreicher Stefan Rettenegger und Johannes Lamparter.
Für den Deutschen Skiverband bedeutet dieses Ergebnis die schlechteste Bilanz in dieser Disziplin seit 1998. Ein bitteres Ende für eine Mannschaft, die nach dem Springen noch alle Chancen auf Edelmetall hatte.



