Georg Zimmermann hat beim Radklassiker Eschborn-Frankfurt einen überraschenden Sieg gefeiert und damit die deutsche Durststrecke bei dem Traditionsrennen beendet. Der 28-Jährige vom Team Lotto Intermarché setzte sich in einem packenden Finale im Sprint einer größeren Gruppe durch und verwies den britischen Topfavoriten Thomas Pidcock auf den zweiten Platz. Dritter wurde Pidcocks Landsmann Ben Tulett.
„Der größte Sieg meiner Karriere“
Nach dem Zieleinlauf knutschte Zimmermann zunächst seine Freundin, setzte sich dann erschöpft auf den Boden und ließ den Triumph sacken. „Ich habe immer gehofft, dass ich in dem wunderschönen Trikot mal ein Rennen gewinnen kann. Und das ist ja das Nonplusultra, in Frankfurt in dem Trikot zu gewinnen“, sagte der deutsche Meister. Gegenüber dem Hessischen Rundfunk erklärte er: „Das ist das Schönste, was ich in meiner Karriere erleben durfte bisher. Das ist der größte Sieg meiner Karriere. Ich bin einfach nur unfassbar stolz und erschöpft und glücklich – alles zusammen.“
Lokalmatador Rutsch wird Bergkönig
Der Klassiker über 211 Kilometer und mehr als 3.300 Höhenmeter entwickelte sich zu einem erwartet schwierigen Rennen. Eine fünfköpfige Spitzengruppe um Lokalmatador Jonas Rutsch, Zimmermanns Teamkollegen, setzte sich früh ab. Rutsch sicherte sich die meisten Bergpunkte und krönte sich zum Bergkönig. „Es sei von Beginn an der Plan gewesen, in die Spitzengruppe zu kommen. Das ist aufgegangen, und das mit der Bergwertung kam dann tatsächlich erst im Rennen“, so Rutsch. Das Quintett hatte zeitweise mehr als sechs Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld.
Letzter Mammolshainer Stich bringt Vorentscheidung
Das Feld erhöhte jedoch das Tempo und stellte die Ausreißer rund 65 Kilometer vor dem Ziel. Die Vorentscheidung fiel an der letzten Auffahrt des Mammolshainer Stichs, wo sich eine zwölfköpfige Spitzengruppe absetzte – darunter die deutschen Profis Florian Stork, Felix Engelhardt und Georg Zimmermann. Zimmermann versteckte sich in der Gruppe und sparte Kräfte für das Finale, das er mit einem langen Sprint für sich entschied.
Degenkolb ohne Chance, macht aber weiter
John Degenkolb hatte mit der Entscheidung nichts zu tun. Der 37-Jährige, der nach einer verletzungsbedingten Pause im Vorjahr wieder am Start stand, verlor früh den Anschluss, geschwächt von einer Erkältung. Vor dem Rennen gab er bekannt, seine Karriere im Team Picnic–PostNL im kommenden Jahr fortzusetzen. Degenkolb hatte den Klassiker 2011 gewonnen.
Verschärftes Streckenprofil
Das seit 1962 bestehende Traditionsrennen, früher als „Rund um den Henninger-Turm“ bekannt, präsentierte sich in diesem Jahr anspruchsvoller. Neben der leicht verlängerten Distanz kam der Burgweg in Schmitten-Niederreifenberg hinzu – rund 500 Meter lang mit einer durchschnittlichen Steigung von etwa elf Prozent, der dreimal befahren wurde. Dies erschwerte den Sprintern das Rennen und erwies sich für Zimmermann als Glücksfall.



