Deutsche Sportlegende zeigt sich alarmiert über Entwicklung
Die deutsche Box-Ikone Henry Maske hat beim Deutschen SportFilmFest in Oberhausen deutliche Worte gefunden. Anlässlich der Präsentation der Dokumentation „Henry Maske – mein Weg“ im Ebertbad sprach der 62-Jährige offen über seine Besorgnis angesichts der aktuellen Lage des deutschen Leistungssports. „Das macht mir Angst!“, bekannte Maske schonungslos und verwies auf zwei jüngste Großereignisse, die seiner Meinung nach symptomatisch für die Probleme stehen.
Leichtathletik-WM in Tokio als „trauriger“ Moment
Besonders schmerzhaft sei für Maske die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2025 in Tokio gewesen. „Das war doch wirklich traurig“, erklärte der Olympiasieger von 1988. Er betonte die besondere Bedeutung der Leichtathletik als Breitensportart, aus der traditionell viele Spitzenathleten hervorgegangen seien. „Früher waren wir immer dabei, und heute ist kaum noch jemand da.“ Deutschland landete im Medaillenspiegel lediglich auf Rang elf, die einzige Goldmedaille sicherte sich der in den USA trainierende Zehnkämpfer Leo Neugebauer. „Unsere vermeintlichen Asse haben es auch nicht mehr gepackt. Ich dachte: ‚Das gibt es doch gar nicht.‘“, so Maske weiter.
Olympische Winterspiele verdeutlichen den Abstand
Doch nicht nur im Sommersport sieht Maske erheblichen Nachholbedarf. Auch die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina hätten den Rückstand zur Weltspitze deutlich gemacht. „Wenn die Biathleten nicht mehr dabei sind, dann ist das beängstigend.“ Die deutschen Skijäger holten lediglich eine Bronzemedaille in der Mixed-Staffel – das schlechteste Ergebnis in der olympischen Geschichte des deutschen Wintersports. Für Maske ist diese Entwicklung „ein Abbild der Gesellschaft“, das ihn zutiefst beunruhige.
Strukturelle Probleme in der Sportförderung
Verantwortlich für den Leistungsabfall macht Henry Maske vor allem die deutsche Sportförderung und die seit der Wiedervereinigung etablierten Strukturen. „Da läuft nicht nur ein bisschen nicht richtig, sondern ganz viel falsch. Das ist beängstigend.“ Der ehemalige Profiboxer, der zwischen 1989 und 1996 ungeschlagener Weltmeister im Halbschwergewicht war, fordert damit eine grundlegende Überprüfung und Anpassung der Förderinstrumente, um Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit im Sport langfristig zu sichern.



