Zum Start der Team-Weltmeisterschaft in London gibt Tischtennis-Star Annett Kaufmann (19) im exklusiven Interview Einblicke in ihre Gedankenwelt. Die deutsche Spitzensportlerin spricht über die Medaillenchancen des Teams, ihre wachsende Bekanntheit, unangenehme Erfahrungen mit Morddrohungen und das Leben an der Seite ihres Freundes, einem Volleyball-Profi.
Der Sprung in die Themse als Belohnung?
Nach dem EM-Titel im Oktober 2025 sprang das gesamte Team aus Freude ins Meer. Nun steht die WM in London an. Auf die Frage, ob sie Badesachen dabeihat, antwortet Kaufmann schmunzelnd: „Ja, mein Bikini ist eingepackt. Für eine WM-Medaille würde ich sogar in die Themse springen, auch wenn das nicht mit dem Strand in Kroatien vergleichbar ist.“
Leben nach Olympia: Ruhm und Herausforderungen
Ihr sensationeller Aufstieg bei Olympia in Paris liegt fast zwei Jahre zurück. Wie hat sich ihr Leben seither verändert? „Es war großartig, viele neue Tischtennis-Fans zu gewinnen. Aber direkt nach Paris war es manchmal auch belastend. Ich sollte aus dem Urlaub für Auftritte eingeflogen werden, dabei wollte ich einfach nur die Seele baumeln lassen. Ich liebe die Kamera und würde gerne im Fernsehen arbeiten, aber im Urlaub existiert Tischtennis für mich nicht.“
Social Media: Zwischen Hobby und Geschäft
Mit 60.000 Followern auf Instagram betreibt Kaufmann ihren Account selbst. „Ich würde meinen Account niemandem anvertrauen, denn wer kennt mich besser als ich selbst? Meine Mama ist meine Managerin, sie weiß, was das Beste für mich ist. Klar kann man mit Instagram Geld verdienen, aber ich strebe nicht nach Influencer-Status.“ Anders als Sportlerinnen wie Alica Schmidt, die mit Social Media mehr verdienen als mit ihrem Sport, zieht Kaufmann klare Grenzen: „Ich würde mich niemals im Bikini posten. Dafür gibt es zu viele komische Menschen im Internet. Ich möchte als Tischtennisspielerin gesehen werden.“
Schattenseiten: Hass und Morddrohungen
Kaufmann hat bereits schlechte Erfahrungen gemacht, sogar Morddrohungen erhalten. „Das sind die Schattenseiten, die viele nicht sehen. Es gibt viel Hass und sexistische Kommentare. Aber ich verschwende meine Energie nicht dafür. Hass darf nicht normalisiert werden. Die Morddrohung habe ich ernst genommen, den User geblockt und gemeldet. Seither ist zum Glück Ruhe.“
Liebe und Karriere: Der Spagat mit dem Freund
Ihr Freund Fabian Anton spielt in der Volleyball-Bundesliga. Beide sind viel unterwegs. Wie funktioniert das? „Wir wohnen nur eine halbe Stunde voneinander entfernt, sehen uns aber meist nur am Wochenende. Er unterstützt mich bei meinen Spielen, und wir geben uns gegenseitig den nötigen Raum für die Karriere. Ich verstehe, dass er nicht immer dabei sein kann, auch wenn ich es mir wünschen würde.“
Familie: Fluch oder Segen?
Ihre Mutter war Skifahrerin, ihr Vater Eishockeyspieler, beide sind studierte Sportwissenschaftler und Trainer. „Sie sind der größte Glücksfall. Sie haben immer Verständnis und sagen, es ist mein Leben. Der Erfolg ist ihnen egal, solange es mir mental und physisch gut geht.“
Besonderheit: Rechtshänderin mit links
Kaufmann ist eigentlich Rechtshänderin, spielt aber mit links Tischtennis. „Ja, ich schreibe und werfe mit rechts, konnte in der Grundschule aber mit links fast genauso gut schreiben oder schneiden. Das ist wohl selten.“
WM-Ziele: Medaille und Teamgeist
Bei der Team-WM ist eine Medaille das große Ziel. „Wir sind stark aufgestellt und haben für jede Situation eine Lösung. Selbst gegen China sind wir nicht chancenlos. Unser Teamgeist ist besonders: Wir verstehen uns gut, machen Spieleabende und essen mindestens einmal täglich zusammen. Egal, wer spielt, wir glauben immer an den Sieg.“



