Tracy Austin: Die erste Teenie-Sensation des Tennis und ihr früher Niedergang
Tracy Austin revolutionierte als Teenager die Tenniswelt und schrieb Geschichte, bevor gesundheitliche Probleme ihre außergewöhnliche Karriere abrupt beendeten. Die US-Amerikanerin war das erste Wunderkind ihres Sports, das in jungen Jahren an die absolute Weltspitze aufstieg, doch bereits mit neunzehn Jahren hatte sie ihren Zenit überschritten.
Frühe Triumphe und historische Rekorde
Ihre bemerkenswerte Laufbahn begann früh: Bereits mit vierzehn Jahren gewann Austin ihr erstes Profi-Turnier. Der historische Höhepunkt folgte im August 1979, als sie mit sechzehn Jahren und neun Monaten die US Open gewann und damit bis heute als jüngste Siegerin in die Annalen des Tennissports einging. Nur wenige Monate später, im April 1980, krönte sich die damals Siebzehnjährige zur Nummer eins der Weltrangliste und sicherte sich zudem die WTA Finals.
Austins Spiel charakterisierte sich durch eine einzigartige Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit, außergewöhnlicher Schlagpräzision und beeindruckender Court-Beherrschung. Mit ihren charakteristischen Zöpfen und der Zahnspange eroberte sie Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger die Tenniswelt im Sturm. Sie war die Vorreiterin einer ganzen Generation von Teenager-Sensationen, darunter später Steffi Graf, Monica Seles und die Williams-Schwestern.
Familientradition und steiler Aufstieg
Geboren am 12. Dezember 1962 in Rolling Hills, Kalifornien, wuchs Tracy Austin als jüngstes von fünf Kindern einer tennisbegeisterten Familie auf. Alle ihre vier Geschwister wurden ebenfalls Tennisprofis, doch keiner erreichte die phänomenalen Erfolge des Nesthäkchens Tracy. Ihr Profidebüt gab sie Anfang 1977 in Portland, wo sie das Turnier gewann, das Preisgeld jedoch aufgrund ihres Alters noch nicht annehmen durfte.
Kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag wurde Austin vollwertige Profispielerin und setzte bereits im Oktober 1978 in Filderstadt bei Stuttgart ein weiteres Ausrufezeichen. Bemerkenswert: Sie gewann das Turnier viermal und erhielt jeweils einen Porsche als Siegertrophäe, bevor sie überhaupt einen Führerschein besaß. Weitere Turniersiege in Tokio und Washington folgten, jeweils mit Finalsiegen über die damalige Topspielerin Martina Navratilova.
Gesundheitliche Probleme und Karriereknick
Der zweite Triumph bei den US Open 1981, erneut gegen Navratilova, sollte Austins letzter großer Wurf bleiben. Chronische Verletzungsprobleme an Rücken und Ischias beeinträchtigten zunehmend ihre Leistungsfähigkeit. Ab 1983 erreichte sie bei Grand-Slam-Turnieren keine Halbfinals mehr und gewann kein weiteres Turnier.
1984, gerade zweiundzwanzig Jahre alt geworden, zog sich Austin von den großen Tennisbühnen weitgehend zurück. Ein schwerer, fast tödlicher Autounfall im Jahr 1989, in den sie unverschuldet geriet, beendete ihre Karriere endgültig. Trotz ihres frühen Abschwungs wurde Austin 1992 als bis heute jüngstes Mitglied in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.
Die denkwürdige Begegnung mit Steffi Graf
Eine besonders interessante Episode aus deutscher Perspektive war Austins Begegnung mit der damals dreizehnjährigen Steffi Graf 1982 in Filderstadt. Austin gewann das Match klar mit 6:4, 6:0 und äußerte sich anschließend wenig beeindruckt: Sie behauptete, in den USA gebe es "Hunderte" Spielerinnen wie Graf.
Dieses vernichtende Urteil motivierte Graf nachhaltig. Die Gelegenheit zur Revanche ergab sich erst 1994, als Graf bereits zur Tennis-Ikone aufgestiegen war und Austin ihren letzten Comeback-Versuch unternahm. In der zweiten Runde von Indian Wells siegte Graf mit einem vernichtenden 6:0, 6:0. Austin amüsierte sich später über ihre Fehleinschätzung: "Steffi hat es mir längst verziehen. Sie ist eine der Größten unseres Sports geworden."
Leben nach der aktiven Karriere
Trotz ihres frühen Karriereendes blieb Austin der Tenniswelt erhalten. In den USA wurde sie eine profilierte TV-Expertin und kommentierte für Sender wie NBC die großen Turniere. Literarische Bekanntheit erlangte sie durch David Foster Wallace, der sie 1992 in seinem Essay "How Tracy Austin Broke My Heart" ins Zentrum stellte und dabei ihre Autobiografie kritisierte.
Die heute dreiundsechzigjährige Austin hat mittlerweile ihre eigene tennisbegeisterte Familie gegründet. Mit ihrem Ehemann Scott Holt hat sie drei Kinder, darunter den siebenundzwanzigjährigen Sohn Brandon Holt, der aktuell auf Platz 230 der ATP-Weltrangliste steht. Tracy Austins Geschichte bleibt als beeindruckendes, wenn auch tragisch kurzes Kapitel der Tennisgeschichte in Erinnerung - das Drama eines Wunderkinds, dessen Körper der außergewöhnlichen Karriere nicht gewachsen war.



