Triple-Chance mit Lüneburg: Erfolgscoach Hübner prägt Volleyball mit Ruhe und Menschlichkeit
Stefan Hübner ist kein Vulkan am Spielfeldrand, sondern der kühle Kopf, der die SVG Lüneburg zu einem der erfolgreichsten Volleyball-Clubs Deutschlands gemacht hat. Der 50-jährige Trainer hat in dieser Saison sogar die historische Chance auf das Triple – und wird dennoch als möglicher Bundestrainer gehandelt. Doch Hübner sieht sich genau am richtigen Platz: in der Kleinstadt Lüneburg in Niedersachsen.
Nordische Gelassenheit als Erfolgsrezept
„Ich bin kein Roboter, um Gottes willen“, betont Hübner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Seine nordisch-nüchterne Art sollte nicht als Mangel an Emotionalität verstanden werden. Vielmehr lebt er seinen Spielern vor, wie man in hitzigen Momenten einen klaren Kopf bewahrt. „Ich glaube, dass man Dinge vorleben muss. Ich kann ja nicht eine Auszeit nehmen und dann losbrüllen: 'Leute, wir müssen ruhig bleiben!'“
Diese Philosophie hat den ehemaligen Nationalspieler zum begehrtesten Coach im deutschen Volleyball gemacht. Seit seiner ersten Spielzeit 2014/2015 hat er die Lüneburger kontinuierlich verbessert und professionalisiert. Nach zwölf Jahren Aufbauarbeit endete die Hauptrunde der Bundesliga erstmals auf Platz eins – vor Serienmeister Berlin Volleys.
Historische Titelchancen in drei Wettbewerben
Die aktuellen Erfolge sind beeindruckend:
- Ende Februar besiegten die Lüneburger im Pokalfinale endlich den langjährigen Final-Fluch gegen Friedrichshafen und holten den ersten großen Titel der Clubgeschichte.
- Im CEV-Cup steht das Team nach einem 3:1 im Hinspiel gegen Greenyard VC Maaseik kurz vor dem Finaleinzug – zum zweiten Mal nach 2024.
- In der Bundesliga starten die Niedersachsen als Titelfavorit in die Playoffs, nachdem sie die Hauptrunde auf dem ersten Platz beendet haben.
„So eine Mentalität zu gewinnen und diesen letzten Schritt zu gehen, das ist etwas, was man erfahren und lernen muss“, erklärt Hübner den Entwicklungsprozess seines Teams.
Menschlichkeit jenseits des Spielfelds
Kapitän Jesse Elser, der im Sommer extra wegen Hübner nach Lüneburg zurückkehrte, beschreibt das besondere Verhältnis: „Er kümmert sich um uns und sorgt dafür, dass es uns auch abseits des Spielfelds gut geht, damit wir auf dem Spielfeld unsere Leistung bringen können.“
Die Gespräche mit dem Trainer gehen oft über Volleyball hinaus: „Es geht einfach ums Grillen oder um unsere Katzen oder darum, dass er sich nach meiner Familie erkundigt.“ Hübner selbst sieht es als Erfolgsrezept, wenn „die Spieler fast das Gefühl haben, sie stehen mit ihren besten Kumpels auf dem Feld“.
Transfer-Händchen und Teamgefüge
Besonders bemerkenswert ist diese Atmosphäre angesichts der großen Fluktuation im Kader, die fast jeden Sommer stattfindet. Geschäftsführer Andreas Bahlburg sagte einmal bewundernd: „Da sind wir seit Jahren immer wieder positiv überrascht, was er aus dem Karton zaubert.“
Hübner bescheinigt sich selbst „ein sehr gutes Gespür für Menschen zu haben, was eine Gruppe braucht, welche Bausteine, wie was zusammenpasst“. Er überlegt genau, wo er mehr pushen muss und wo sich die Spieler untereinander selbst motivieren – eine Balance, die von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein kann.
Bundestrainer-Frage und Zukunft in Lüneburg
Trotz internationaler Begehrlichkeit hat sich Hübner für eine langfristige Verlängerung in Lüneburg bis 2030 entschieden. Bei der Bundestrainer-Frage habe er mit der Familie beraten und innegehalten: „Das ist sicherlich eine ganz tolle, reizvolle Aufgabe, aber am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, dass nach wie vor für uns alles hier sehr gut passt.“
Sein Blick in die Zukunft bleibt offen: „Mal gucken, was irgendwann später ist. Also ich würde da niemals nie sagen zu irgendwas, aber aktuell ist es hier sehr, sehr reizvoll.“ Mit dieser Haltung und seinem Erfolgsrezept aus Ruhe, Menschlichkeit und taktischem Geschick könnte Stefan Hübner die SVG Lüneburg noch weiter an die Spitze des deutschen Volleyballs führen.



