Felix Neureuther (42) blickt auf ein schmerzhaftes Jahr zurück. Der ehemalige Skirennläufer gesteht, dass er 2017/18 zu weit gegangen ist – mit Folgen, die ihm eine Lehre erteilten. Im Podcast „Pizza & Pommes“ spricht er offen über seinen unbändigen Ehrgeiz und die Momente, in denen er die Kontrolle verlor.
Bis zur Ohnmacht: Neureuthers extremes Limit
Schon als Kind wollte Neureuther auf der Piste immer Höchstleistungen bringen. Der Sohn der verstorbenen Rosi Mittermaier (†72) und Christian Neureuther (76) beschreibt im Gespräch sein extremes Durchhaltevermögen: „Es gibt Menschen, die sich bis zur Erschöpfung verausgaben können. Andere schaffen es bis zur Übelkeit. Und dann gibt es solche, die sich bis zur Ohnmacht treiben. Ich bin dieser Typ: Ich kann mich verausgaben, bis mir schwarz vor Augen wird.“ Auch heute, als vierfacher Vater, kann er noch immer an diese Grenze gehen: „Es kommt selten vor, aber wenn es sein muss, kann ich mir die Lichter so ausschießen, dass es brutaler nicht mehr geht.“
Selbstüberschätzung: „Mein Knie explodierte“
Grundsätzlich habe er gelernt, seine Grenzen zu kennen – doch das sei ein Prozess gewesen. Neureuther warnt vor Selbstüberschätzung: Wenn man sich unbesiegbar und unzerstörbar fühle, ignoriere man schnell die eigenen Belastungsgrenzen. Das erlebte er in der Olympia-Saison 2017/2018: „Da war ich in so guter Form, dass ich im Training extrem schnell unterwegs war – was ich eigentlich nie war.“ Die Folge: Er reizte die Grenzen so weit aus, dass „plötzlich mein Knie explodierte“. Damit meint er seinen Kreuzbandriss im linken Knie, der eine Operation erforderte und ihn die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang kostete.
Eingeständnis: „Ich hab’s völlig übertrieben“
Heute gibt Neureuther zu: „Ich hab’s einfach völlig übertrieben.“ Sein vorzeitiges Olympia-Aus war ein Denkzettel: „Das ist eine Justierung, die du brauchst, damit du nicht übers Ziel hinausschießt.“ Seine letzten Rennen fuhr er im März 2019 beim Ski Alpin Weltcup in Soldeu (Andorra). Am 17. März 2019 gab er sein Karriereende bekannt. Neureuther betont, wie wichtig es sei, auf den eigenen Körper zu hören – eine Lektion, die er teuer bezahlt hat.



