Rodel-Ikone Georg Hackl beendet Karriere nach 45 Jahren
Die deutsche Rodel-Legende Georg Hackl hat nach 45 Jahren im Sport seine aktive Laufbahn beendet. In einem ausführlichen Interview sprach der dreifache Olympiasieger nicht nur über seinen Abschied, sondern übte auch scharfe Kritik an der deutschen Infrastrukturpolitik.
Schwere Verletzung bei Olympischen Spielen
Georg Hackl berichtet von anhaltenden gesundheitlichen Problemen nach einem Sturz während der Olympischen Spiele in Cortina d'Ampezzo. "Ich habe einfach immer noch starke Schmerzen, weil der Nerv brutal gedehnt und gewaltig in Mitleidenschaft gezogen wurde", erklärt der ehemalige Cheftrainer des österreichischen Rodelteams. Die Verletzung führte zu Gefühlsstörungen, tauben Fingerspitzen und einem pelzigen Gefühl in Hand und Unterarm.
Der Unfall ereignete sich, als Hackl versuchte, eine kritische Stelle der Rodelbahn zu erreichen, um die Fahrtechnik der Athleten besser beobachten zu können. "Da musste ich reinklettern, bin hängengeblieben und ging dann mit dem zweiten Schritt ins Leere", schildert er den Vorfall. Kollegen hätten ihn schließlich aus der misslichen Lage befreit.
Lob für Italien, Kritik für Deutschland
Während Hackl die italienische Regierung für den schnellen Bau der Olympiabahn in Cortina lobt - "innerhalb eines Jahres eine Bahn hinzubauen, das ist sensationell" - fällt sein Urteil über Deutschland deutlich härter aus.
"Das ist Führungsstärke, die ich in Deutschland so sehr vermisse", stellt Hackl fest und wird deutlich politischer: "Früher haben wir Deutschen die Italiener belächelt – heute sind wir die Bananenrepublik, die nichts mehr auf die Reihe kriegt."
Der Sportler zählt mehrere Beispiele auf:
- Den nicht fertiggestellten Stuttgarter Bahnhof
- Den viel zu spät eröffneten Berliner Flughafen
- Die immer noch nicht reparierte Brücke in Dresden
- Die seit fünf Jahren geschlossene Rodelbahn am Königssee
"Da muss man nicht die ganze Bahn neu bauen, da geht es um ein, zwei Kurven, die durch die Überschwemmung in Mitleidenschaft gezogen wurden – und nach fünf Jahren rodeln wir immer noch nicht!", empört sich Hackl.
Internationale Reaktionen und Vergleich
Laut Hackl schütteln internationale Trainerkollegen nur noch den Kopf über die deutschen Verhältnisse. "Die lachen uns mittlerweile aus", berichtet er. Zum Vergleich nennt er Innsbruck, wo nach einem misslungenen Bahnumbau sofort Korrekturen eingeleitet wurden und bereits im nächsten Jahr wieder Rodelbetrieb geplant ist.
"Wann am Königssee wieder gerodelt wird, steht noch völlig in den Sternen - weil Deutschland nichts mehr kann", resümiert Hackl seine Kritik.
Abschied vom aktiven Sport
Am Wochenende beendete Georg Hackl offiziell seine 45-jährige Karriere beim Weltcup in Altenberg. "Ich gehe da mit großer Zufriedenheit und Dankbarkeit raus", erklärt der ehemalige Bundeswehrangehörige. Besonders dankt er seinen Sponsoren und der Bundeswehr als langjährigem Arbeitgeber.
Durch seine Schulterverletzung konnte Hackl den letzten Weltcup erstmals im Zielbereich verfolgen. "Jetzt war ich da, wo die Musik spielt und hab' die ganze Show mitbekommen", beschreibt er das neue Erlebnis. "Es war keine große Abschiedsfeier, aber vom Gefühl her einfach sehr, sehr gut."
Zukunft als Pensionär
Für die Zukunft plant Hackl zunächst eine Phase der Ruhe. "Ich bin jetzt Pensionist, werde das ohne große Pläne richtig frei angehen", erklärt er. Ein konkretes Vorhaben hat er dennoch: "Nur den Ski-Amadé-Superskipass will ich im Winter endlich mal ausnutzen, von Schladming bis rüber ins Alpbachtal."
Obwohl er Angebote aus anderen Nationen erhalten habe, will sich Hackl zunächst zur Ruhe setzen. "Aber wenn irgendwann am Königssee wieder gerodelt wird, werde ich ein Auge darauf haben, dass der Nachwuchs mit vernünftigen Schlitten versorgt ist", verspricht er.
Blick auf die aktuelle Rodel-Generation
Zu seinen ehemaligen Trainingspartnern Felix Loch sowie Tobias Arlt und Tobias Wendl hat Hackl eine klare Einschätzung: "Ich habe nicht gehört, dass einer von denen aufhört." Ironisch fügt er hinzu: "Als die Jungs jung waren, hieß es: 'So lang wie der Hackl machen wir das nicht!' Und jetzt hören die alle noch nicht auf, weil die genau wissen, wie toll das ist."
Zur legendären Wok-WM, bei der Hackl als "Wokl-Schorsch" mehrere Titel gewann, kann er wenig Aktuelles berichten: "Weiß gar nicht, ob es die noch gibt. Wenn, dann geht es sehr leise ab, denn als Stefan Raab das gemacht hat, hat das ja jeder mitgekriegt."



