Franziska Preuß kämpft mit Nerven: Letztes Schießen wird zum Stolperstein bei Olympia
Preuß rätselt über letztes Schießen: Nervenprobleme bei Olympia

Franziska Preuß kämpft mit Nerven: Letztes Schießen wird zum Stolperstein bei Olympia

Im italienischen Antholz sucht Franziska Preuß weiterhin nach Erklärungen für ihr wiederholtes Scheitern in den entscheidenden Momenten. Bei den Olympischen Winterspielen verpasste Deutschlands beste Biathletin erneut eine Einzelmedaille, weil sie im finalen Stehendschießen des Verfolgungsrennens zwei Fehler beging. „Es wackelt nur noch“, beschrieb die 31-Jährige ihren Zustand: „Ich bin dann so angespannt und bekomme nicht mehr den Fokus auf das Wesentliche. Dann geht einfach nichts mehr.“

Emotionale Enttäuschung nach verpasstem Karrierehöhepunkt

Eigentlich wollte Preuß in Südtirol ihre Karriere mit einem emotionalen Höhepunkt krönen und endlich ihre erste olympische Einzelmedaille gewinnen. Doch dieser Plan scheitert an einer unerklärlichen Nervenschwäche. Nach dem Rennen brach die Sportlerin mehrfach in Tränen aus. „Dass das letzte Schießen so scheiße läuft, das tut richtig weh“, gestand sie offen. Bereits im Sprintrennen und beim Olympia-Auftakt in der Mixed-Staffel hatte sie sich im Stehendschießen Strafrunden eingehandelt.

Nur dank starker Teamkollegen reichte es in der Mixed-Staffel zu Bronze – der einzige Lichtblick in ansonsten enttäuschenden Winterspielen für Deutschlands Sportlerin des Jahres. „Ich bin einfach nur enttäuscht, dass ich es nicht durchziehen kann“, resümierte Preuß ihre Leistung.

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Statistische Einbrüche und fehlende Entlastung

Ein Blick in die Statistiken zeigt deutliche Verschlechterungen: Während Preuß in der Vorsaison beim Gewinn des Gesamtweltcups noch 88 Prozent ihrer Stehendschüsse traf, sind es in dieser Saison nur noch 79 Prozent. Insgesamt kommt sie auf 191 Treffer bei 223 Schüssen (86 Prozent Trefferquote). Zum Vergleich: Vanessa Voigt als beste Schützin im Weltcup erreicht 94 Prozent, während die französische Konkurrentin Lou Jeanmonnot und Verfolgungs-Olympiasiegerin Lisa Vittozzi aus Italien jeweils bei 91 Prozent liegen.

Das deutsche Biathlon-Team holte erstmals in sechs Einzelrennen zum Olympia-Start keine einzige Medaille. Der Druck ist enorm, zumal Preuß weiterhin die Einzige ist, die aus eigener Kraft Medaillen gewinnen könnte. Es mangelt an Entlastung durch Teamkollegen, was die Situation zusätzlich erschwert.

Positiver Blick nach vorn trotz Rückschlägen

„Leider entscheiden 30 Sekunden über Freude oder Enttäuschung“, schrieb Preuß gut sechs Stunden nach dem bitteren Zieleinlauf bei Instagram. Doch die Enttäuschung treibt sie weiter an: „Ja, diese letzten, entscheidenden 30 Sekunden ärgern mich immer noch, aber genau sie treiben mich an. Ich stecke den Kopf nicht in den Sand, ich arbeite weiter.“

Spätestens am Saisonende plant sie ihre Karriere zu beenden, möglicherweise ist aber schon der olympische Massenstart am kommenden Samstag ihr letzter Auftritt. Eine weitere Medaillenchance bietet sich am Mittwoch mit der Frauen-Staffel, bei der Preuß im Weltcup regelmäßig als Schlussläuferin fungiert.

Unterstützung aus dem Team und von Partner Schempp

Sportdirektor Felix Bitterling zeigt Verständnis für die Situation: „Sie hat es viele, viele Jahre geschafft, genau in diesen Situationen zu bestehen.“ Aktuelle Probleme seien kein Grund, an ihr zu zweifeln. „Das, was wir im Training sehen, ist, dass sie diesen Bock jederzeit umstoßen kann“, betonte Bitterling. Das Trainerteam sei „wirklich positiv mit Blick auf die zweite Woche, dass wir da eine andere Franzi sehen in dieser Situation“.

Grund für die Schwäche in entscheidenden Momenten sei „eine gewisse Unsicherheit“, analysierte Bitterling. Es handle sich nicht um technische Probleme, sondern um „extreme Drucksituationen“, die bei Olympia-Medaille-Rennen besonders intensiv seien.

Simon Schempp, seit über zehn Jahren der Partner an Preuß' Seite, steht ihr in dieser schwierigen Phase bei. Der Ex-Weltmeister und Staffel-Olympiasieger sagte: „Sie ist nach wie vor hungrig. Ich wünsche ihr einen Wettkampf mit 100 Prozent Trefferleistung, dann geht auch mehr.“

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Bis zum letzten Gang an den Schießstand zeigte Preuß in Antholz weiterhin Weltklasseleistungen. Auch ihre Laufform stimmt und würde für vordere Platzierungen ausreichen. Doch die Nervenstärke im entscheidenden Moment bleibt die große Herausforderung in den letzten Wettkämpfen ihrer Karriere.