Skispringer Philipp Raimund sagt Start bei Windchaos in Oslo ab
Der deutsche Olympiasieger Philipp Raimund hat beim Weltcup der Skispringer im norwegischen Oslo für Aufsehen gesorgt, indem er seinen Sprung im ersten Durchgang verweigerte. Die Entscheidung des 25-Jährigen fiel nach Beobachtung der gefährlichen Windbedingungen, unter denen sein Teamkollege Felix Hoffmann nur mit Mühe unversehrt landete.
»Ich mache diesen Scheiß hier nicht mit«
Raimund begründete seine Entscheidung in einem ARD-Interview deutlich: »Ich habe gemerkt, es wird immer noch wilder, immer noch unabsehbarer.« Bereits vor seinem geplanten Start teilte er dem slowenischen Konkurrenten Domen Prevc mit: »Domen, du bist einen Sprung eher dran, ich springe nicht. Ich mache diesen Scheiß hier nicht mit.«
Der Athlet betonte seine freiwillige Teilnahme am Sport: »Ich bin freiwillig hier, ich will Spaß am Skispringen haben und muss mir dann nicht noch Sorgen machen, ob ich heil unten ankomme.« In einem späteren Interview mit dem norwegischen Rundfunk NRK fügte er hinzu, dass er bei seiner Entscheidung auch an seine Freundin und Familie dachte: »Mein erster Gedanke war: Was würde sie dazu sagen? Mir kam sofort in den Sinn, dass sie immer sagt, das Wichtigste sei meine Sicherheit.«
Breite Anerkennung für Raimunds Entscheidung
Die Reaktionen aus der Skisprung-Community fielen überwiegend respektvoll aus. Der norwegische Athlet Kristoffer Eriksen Sundal lobte Raimunds Risikobewusstsein: »Das zeigt, dass er ständig Risikobewertungen vornimmt. Niemand verzichtet gerne auf ein Weltcupspringen, das zeugt von Reife.«
Skisprung-Legende Sven Hannawald unterstützte die Entscheidung in der ARD: »Ich gebe ihm vollkommen recht. Heute ist es völlig wild. Da kannst du auch Lotto spielen.« Auch Bundestrainer Stefan Horngacher zeigte Verständnis: »Es war seine Entscheidung. Er ist selber runtergegangen. Das finde ich voll in Ordnung. Es ist viel schwerer runterzugehen, als runterzuspringen.«
Kritik an der Durchführung des Wettbewerbs
Während Renndirektor Sandro Pertile die Entscheidung der Jury verteidigte, den ersten Durchgang trotz der Bedingungen durchzuziehen, äußerte der österreichische Bundestrainer Andreas Widhölzl deutliche Kritik. Im österreichischen »Standard« wurde er zitiert: »Da muss ich auch mal die Fis kritisieren, weil sie mit aller Gewalt einen Durchgang durchdrücken wollte, damit das Ergebnis dasteht und eigentlich auf die Sicherheit der Athleten ein bissl geschissen wird.«
Der Wettbewerb wurde nach dem ersten Durchgang abgebrochen. Den Sieg sicherte sich erstmals in seiner Karriere der Japaner Tomofumi Naito vor dem Slowenen Anze Lanisek und dem Finnen Antti Aalto. Karl Geiger belegte als bester Deutscher den elften Platz, Andreas Wellinger wurde Zwölfter.
Die Diskussion um Sicherheitsstandards im Skispringen wird durch Raimunds mutige Entscheidung neu entfacht und zeigt die wachsende Sensibilität für Athletenschutz unter extremen Wetterbedingungen.



