Sonja Henie: Die eisige Königin zwischen Ruhm und Kontroversen
Sonja Henie: Eiskunstlauf-Ikone zwischen Ruhm und Kontroverse

Sonja Henie: Die eisige Königin zwischen Ruhm und Kontroversen

Sonja Henie war nicht nur die erfolgreichste Eiskunstläuferin der Geschichte, sondern auch eine schillernde Hollywood-Diva. Mit drei Olympiasiegen, zehn Weltmeistertiteln und sechs Europameisterschaften setzte sie Maßstäbe, die bis heute unerreicht sind. Ihr Ruf als eiskaltes Biest ist jedoch eng mit dem überholten Frauenbild ihrer Zeit verbunden.

Vom "Fräulein Hoppla" zur unangefochtenen Königin

Geboren am 8. April 1912 in Norwegen, bekam Henie das sportliche Talent quasi in die Wiege gelegt. Ihr Vater Wilhelm war Bahnrad-Weltmeister und erfolgreicher Eisschnellläufer. Bereits mit elf Jahren gab Henie 1924 in Chamonix ihr Olympia-Debüt, wo sie sich noch unsicher zeigte und den Spitznamen "Fräulein Hoppla" erhielt. In Berlin wurde sie später liebevoll "Häseken" genannt, nachdem sie bei einem Auftritt eine Hasenpfote als Glücksbringer trug.

Doch aus dem "Häseken" wurde schnell eine ernstzunehmende Konkurrentin: Nach WM-Silber 1926 stand sie bei den folgenden zehn Weltmeisterschaften immer auf dem obersten Podest. 1928 wurde sie mit 15 Jahren und 315 Tagen die jüngste Winter-Olympiasiegerin in einer Einzeldisziplin – ein Rekord, der erst 1998 gebrochen wurde.

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Drei Olympiasiege und die dunkle Seite des Ruhms

Weitere Triumphe folgten 1932 in Lake Placid und 1936 bei den von den Nazis inszenierten Spielen in Garmisch-Partenkirchen. Mit ihrem dritten Olympiasieg am 15. Februar 1936 – heute vor 90 Jahren – ist sie bis heute die einzige Eiskunstläuferin mit drei Olympiasiegen in der Damenkonkurrenz. Nur Katarina Witt holte später mehr als einmal Olympia-Gold in Folge.

Doch dieser Triumph hatte einen bitteren Beigeschmack: Adolf Hitler persönlich hing der blonden Norwegerin, die perfekt in sein arisches Rassenideal passte, die Goldmedaille um den Hals. Henie ließ viel Nähe zum Nazi-Regime zu, was ihr viele Norweger lange übelnahmen. Hitler lud sie sogar mit ihren Eltern zum Essen auf den Berghof ein und überreichte ihr ein signiertes Foto.

Hollywood-Star und geschäftstüchtige Geschäftsfrau

Der dritte Olympiasieg war für Henie nicht der Höhepunkt, sondern der Startschuss für ihre zweite Karriere. Nur wenige Monate nach Garmisch unterschrieb sie einen lukrativen Vertrag bei 20th Century Fox und erwies sich als äußerst geschäftstüchtig. Sie bestand darauf, bereits in ihrem ersten Film mit ihrem Namen über dem Titel genannt zu werden, und erhielt eine Gage von 125.000 Dollar.

Von 1937 bis 1948 entstanden zwölf erfolgreiche Eisrevue-Filme, alle von Henie selbst choreografiert und mit ihr in der Hauptrolle. Ihr Erfolg war durchschlagend, und sie verdiente Millionen. Henie war ihrer Zeit voraus: Bereits als Teenager revolutionierte sie den Eiskunstlauf und schlug – eigentlich verboten bei Amateurstatus – finanzielles Kapital aus ihrem Können.

Ein zwiespältiges Erbe

Das emanzipierte Selbstbewusstsein, mit dem Henie durchs Leben ging, handelte ihr in der altmodischen Männerwelt einen zwiespältigen Ruf ein. Nach ihrem Tod am 12. Oktober 1969 sorgte ihre Biografie "Queen of Ice, Queen of Shadows" für Aufsehen, in der sie als von Geld und Sex besessen porträtiert wurde.

Ansgar Molzberger zeichnete im Deutschlandfunk ein differenzierteres Bild: "Beim Mann hätte man gesagt, er hat seine Karriere vorangetrieben. Im Frauenbild der damaligen Zeit wird dann gesagt, das ist aber mit Ellbogen und rücksichtslos." Henie habe ein Vermögen von etwa 50 Millionen Dollar angehäuft – etwas, das man nicht erreicht, indem man immer zu allen lieb und brav ist.

Am 12. Oktober 1969 endete das Leben der Olympia-Legende im Alter von nur 57 Jahren: Henie war an Leukämie erkrankt und starb in einem Flugzeug, das sie in ein Krankenhaus in ihre norwegische Heimat bringen sollte. Sie und ihr Ehemann, der Kunsthändler Niels Onstad, sind in Oslo begraben, in der Nähe des Henie Onstad Kunstsenter – einem kurz vor ihrem Tod gegründeten Kunstmuseum von internationalem Rang.

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