Vom Rennen auf die Straße: Wie Porsche und Opel die Formel E für Alltags-E-Autos nutzen
Der Motorsport in der Formel E hilft Herstellern wie Porsche und Opel, Technologien für Serien-Elektroautos zu entwickeln. Die Rennserie soll dazu beitragen, potenziellen Kunden die sogenannte Lade-Angst zu nehmen. Auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet präsentierte die Formel E kürzlich erstmals ihre neuen Rennwagen der Gen4-Generation für die kommende Saison. Neben etablierten Teilnehmern wie Porsche und Jaguar war auch der Neuling Opel mit von der Partie. Die polierten PS-Geschosse standen in der Boxengasse Seite an Seite mit einer edlen Parade mediterraner Köstlichkeiten. Flotte Musik und Aufbruchstimmung prägten das Event.
Porsche spart, aber nicht bei der Formel E
Doch während die beeindruckenden Testrunden gedreht und das Buffet geplündert waren, verkündete der deutsche Sportwagen-Gigant Porsche eine schlechte Nachricht für die Belegschaft: Aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens wird es für das Geschäftsjahr 2025 keine freiwillige Sonderzahlung geben. Das ist ein harter Schlag für die Mitarbeiter, denn Boni waren bislang üblich. Für 2023 gab es üppige 9.690 Euro, für 2024 immerhin noch 5.250 Euro. Nun folgt eine Nullrunde. Die Verkaufszahlen sinken: von über 310.000 verkauften Sportwagen im Jahr 2024 auf knapp 280.000 in 2025. Der neue CEO Michael Leiters regiert daher mit dem Rotstift. Dennoch spart sich Porsche die Formel E nicht. Warum? Die Elektrifizierung ist Teil der Firmenstrategie, und wir lernen durch den Sport – der ebenso die DNA ausmacht – stetig für die Straße hinzu, sagt Porsches Motorsportchef Thomas Laudenbach, der bei der Präsentation vor Ort war.
Technologietransfer von der Rennstrecke auf die Straße
Porsche setzt – wie auch die anderen in der Formel E aktiven Automobilkonzerne – auf das, was in der Szene race to road genannt wird: von der Strecke auf die Straße. Hier in der Formel E werden die auch für Straßenfahrzeuge wichtigen Technologien entwickelt und vorangetrieben, erklärt Florian Modlinger, Porsches Gesamt-Projektleiter Formel E. Das betrifft das schnelle Laden, das Bremsen und das Managen von Energie. Was in der Formel E entwickelt wird, soll die E-Autos für den Straßenverkehr besser und nachgefragter machen – nicht nur im Edel-Segment, sondern auch bei einem Volumen-Hersteller wie Opel. Die Rüsselsheimer steigen ab der kommenden Saison in die Formel E ein und lassen sich das Engagement für die nächsten vier Jahre über 120 Millionen Euro kosten.
Opel setzt auf E-Mobilität für die nächste Generation
Warum dieser teure Einstieg? Auch Opel setzt darauf, dass E-Autos die Zukunft sind. Meine Tochter hat nun auch den Führerschein, sie will nur E-Autos fahren, sagt Opels CEO Florian Huettl. Es geht darum, die nachfolgenden Generationen vom Verbrenner ins E-Auto zu bekommen. Ein zentraler Punkt ist das Laden. Die berühmte Lade-Angst ist für viele immer noch ein Hemmnis. Hier hat der Technologietransfer von der Formel E in den Alltag bereits klare Verbesserungen erwirkt. Beispiel: Buchse und Stecker von Porsches Formel-E-Boliden und den elektrischen Porsche-Sportwagen gleichen einander. In der Formel E lädt Porsche mit 600 kW Ladeleistung binnen 30 Sekunden zehn Prozent Energie nach. Porsche wirbt damit, dass deshalb nun auch der Cayenne Electric in weniger als 16 Minuten seine Batterie von zehn auf 80 Prozent aufladen kann.
Mehr Energie-Rückgewinnung durch optimierte Bremsen
Zudem helfen Formel-E-Tüftler, die Bremsen für Porsches E-Autos zu verbessern. Im klassischen Alltagsverkehr erfolgen daher nun etwa 97 Prozent aller Bremsvorgänge rein elektrisch, die mechanische Radbremse muss nahezu nicht unterstützt werden. Ein zentrales Element in der E-Technologie ist die Energie-Rückgewinnung, die sogenannte Rekuperationsleistung. Sie deckt den Großteil der Bremsmanöver ab. Insgesamt soll die Akzeptanz von E-Autos gesteigert werden. Schneller laden, Energie gewinnen und Energie sparen – all das ist elementar für die Akzeptanz der E-Mobilität. Die Rennstrecken der Formel E sind daher auch die Teststrecken für die Optimierung der Straßenfahrzeuge. In der Formel E starten deshalb Marken wie Porsche, Jaguar, Citroën, Cupra und Opel. Alle wollen siegen, aber alle müssen Autos verkaufen – E-Autos.



