Craig Venter, der Pionier der Genomforschung, ist tot. Der Wissenschaftler, der sich mit der Elite der Genforscher anlegte und von Kollegen als „Darth Venter“ bezeichnet wurde, starb im Alter von 79 Jahren. Venter selbst nannte sich einen „Schulversager“ – doch vor allem war er eines: ein genialer Wissenschaftler, der die Biologie revolutionierte.
Der Mann, der das Leben nachbaute
Venter wurde 1946 in Salt Lake City geboren. Er galt als schwieriger Schüler und brach die Schule ab. Erst nach einem Einsatz im Vietnamkrieg entdeckte er seine Leidenschaft für die Wissenschaft. Er studierte Medizin und Biochemie und begann, an der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zu arbeiten.
Der Wettlauf um das Genom
In den 1990er Jahren lieferte sich Venter ein erbittertes Rennen mit dem öffentlichen Humangenomprojekt. Während die staatlich finanzierte Forschung langsam vorankam, setzte Venter auf eine radikale Methode: Er nutzte die Shotgun-Sequenzierung, um das Erbgut schneller zu entschlüsseln. 1995 gelang ihm die erste vollständige Sequenz eines Bakteriums, 2001 veröffentlichte er das menschliche Genom – zeitgleich mit dem öffentlichen Projekt.
Künstliches Leben
Venter gab sich nicht mit der Entschlüsselung zufrieden. 2010 schuf er mit seinem Team die erste synthetische Zelle: Sie bauten das Genom eines Bakteriums im Labor nach und setzten es in eine leere Zellhülle ein. Das künstliche Leben, genannt „Mycoplasma mycoides JCVI-syn1.0“, konnte sich vermehren. Venter sprach von einer „Revolution für die Medizin“ und eröffnete neue Perspektiven für die Biotechnologie.
Kontroversen und Kritik
Venter war ein umstrittener Forscher. Kritiker warfen ihm vor, zu sehr auf Profit und Publicity aus zu sein. Er gründete mehrere Firmen, darunter Celera Genomics, und meldete Patente auf Genabschnitte an. In der Wissenschaft wurde er teils bewundert, teils verachtet. Sein Spitzname „Darth Venter“ spiegelte die Ambivalenz wider.
Trotz aller Kontroversen: Venters Arbeit hat die Genforschung nachhaltig geprägt. Er zeigte, dass es möglich ist, das Leben nicht nur zu verstehen, sondern es auch nachzubauen. Die ethischen Fragen, die er aufwarf, beschäftigen die Wissenschaft bis heute.
Craig Venter starb am 29. April 2026. Die Wissenschaft verliert einen ihrer visionärsten und streitbarsten Köpfe.



