Die Icefall Doctors gelten als Eliteeinheit unter den Sherpas am Mount Everest. Wer von Nepal aus über die Südseite auf den höchsten Berg der Welt steigen möchte, ist auf ihre Arbeit angewiesen. Jedes Frühjahr legen sie Fixseile, an denen sich Bergsteiger einhängen können, bringen Aluminiumleitern über tiefe Gletscherspalten und sichern steile Eiswände. Ihr Ziel: den instabilen Khumbu-Eisbruch etwas sicherer zu machen. Diesen müssen alle Everest-Aspiranten überwinden, um weiterzukommen. Es ist ein extrem schwieriger Job. Über Wochen steigen die Männer immer wieder in den Eisbruch, der sich von etwa 5400 Metern bis auf fast 6000 Meter Höhe erstreckt.
Ein Serac blockiert die Route
In diesem Jahr stoßen jedoch selbst die erfahrenen Icefall Doctors an ihre Grenzen. Wie die BBC berichtet, blockiert ein großer Serac die Route durch den Khumbu-Eisbruch. Ein Serac ist ein gewaltiger Eisblock oder Eisturm, der durch Aufbrechen von Gletschereis entsteht. Der Serac am Khumbu-Eisbruch ist offenbar sehr instabil – so instabil, dass die Icefall Doctors fürchten, er könne jederzeit herabstürzen. Deshalb haben sie ihre Arbeiten vorerst eingestellt. Laut Berichten warten die Elite-Sherpas darauf, dass der Serac auf natürliche Weise abbricht oder abschmilzt. Der Block befindet sich direkt unter Lager 1 und ist rund 30 Meter hoch.
Verzögerungen und Staugefahr
Solange die Route blockiert ist, müssen Bergsteiger, die sich bereits in der Region aufhalten, warten. Die BBC zitiert die Bergsteigerin Purnima Shrestha, die zum sechsten Mal den Mount Everest besteigen will: „Normalerweise steigen wir während der Akklimatisierungsphase zwischen Lager 1, Lager 2 und Lager 3 hin und her. Verzögerungen bei der Öffnung der Route haben in diesem Jahr die Sorge vor möglichen Staus am Gipfel verstärkt.“ Die Akklimatisierung verzögert sich, während immer mehr Bergsteiger eintreffen. Sobald der Serac verschwunden oder passierbar ist, könnte es zu Staus auf der Route kommen. Dann wären Bergsteiger wie an einer Schnur aufgereiht unter dem Gipfel und müssten warten, bis sie weitergehen können.
Gefährliche Arbeit der Icefall Doctors
Ang Sarki Sherpa arbeitet seit Jahren als Icefall Doctor. Er sagte der BBC, er erwarte, dass der Serac schmelzen werde, da sein unterer Teil schwach sei. Andere Optionen sehe er nicht. Bislang hätten er und seine Kollegen noch keine sichere Möglichkeit gefunden, die Stelle zu umgehen. Schon im Vorjahr gab es ähnliche Probleme, der Saisonstart hatte sich verzögert. Wie gefährlich die Arbeit im Eisbruch ist, zeigte sich Mitte April: Drei Sherpas wurden nach einem Serac-Einsturz von einer Eislawine begraben und starben. Die Angst ist groß, dass sich eine solche Katastrophe wiederholen könnte. Die Icefall Doctors riskieren ihr Leben, um Bergsteigern die Besteigung des Mount Everests zu ermöglichen.



