NSA nutzt angeblich umstrittene Hacking-KI Claude Mythos trotz Trump-Verbots
NSA nutzt angeblich Hacking-KI Claude Mythos trotz Verbot

NSA soll umstrittene Hacking-KI nutzen trotz Verbot durch Trump

Seit Monaten schwelt ein Konflikt zwischen der US-Regierung und dem KI-Unternehmen Anthropic über den militärischen Einsatz von künstlicher Intelligenz. Jetzt berichtet das Onlinemagazin »Axios« unter Berufung auf zwei anonyme Quellen, dass die National Security Agency (NSA) dennoch Zugang zur umstrittenen KI Claude Mythos Preview habe. Weder Anthropic noch die NSA oder das US-Verteidigungsministerium haben sich bislang zu diesen Vorwürfen geäußert.

Präsidenten-Verbot ignoriert?

Sollte sich der Bericht bestätigen, wäre dies ein bemerkenswerter Vorgang. Nicht nur, weil der NSA damit ein potenziell äußerst gefährliches Hacking-Werkzeug zur Verfügung stünde, sondern weil der Geheimdienst damit eine direkte Anordnung von US-Präsident Donald Trump missachten würde. Trump hatte im Februar im Streit über den militärischen Einsatz von KI alle Bundesbehörden angewiesen, die Nutzung von Anthropic-Produkten sofort einzustellen.

Der Hintergrund des Konflikts: Anthropic besteht darauf, dass seine KI nicht für Massenüberwachung in den USA und nicht in vollständig autonomen Waffen eingesetzt wird. Das Pentagon hingegen will sich diesen Einschränkungen nicht beugen und die KI-Modelle auch für alle Zwecke nutzen, die die US-Regierung als legal erachtet. Als Anthropic sich weigerte nachzugeben, bezeichnete Trump das Unternehmen als »linksradikal und woke«.

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Gefährliches Potenzial der KI

Claude Mythos Preview soll laut Anthropic bereits »Tausende Sicherheitslücken mit hohem Schweregrad entdeckt« haben – und zwar »in allen gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern«. Was zunächst nach einer guten Nachricht klingt, wird potenziell problematisch, weil die KI auch passende Schadsoftware schreiben könnte, gegen die es noch keine Verteidigung gibt. Experten diskutieren daher, ob diese KI zur ernsthaften Gefahr für das gesamte Internet werden könnte.

Wohl aus diesem Grund hat Anthropic den Nutzerkreis zunächst stark eingeschränkt. Das Unternehmen nennt zwölf Partnerunternehmen, die im Rahmen des Projekts »Glasswing« bereits Zugang zu Claude Mythos Preview haben. Darunter sind Tech-Giganten wie Apple, Google, Microsoft und Nvidia, aber auch Finanzinstitute wie JPMorganChase und die Linux Foundation. Sie alle sollen die KI primär zur Absicherung ihrer eigenen Dienste nutzen.

Rechtliche Auseinandersetzungen und Annäherungen

Das US-Verteidigungsministerium hatte nicht nur die eigenen Verträge mit Anthropic beendet, sondern den Dienst zudem als Lieferkettenrisiko eingestuft. Damit hätten theoretisch alle Zulieferer des Pentagons die Zusammenarbeit mit der Firma einstellen müssen. Anthropic reagierte umgehend mit einer Klage und hatte Erfolg: Ende März stoppte eine Richterin die Sperre.

Inzwischen scheinen sich die Fronten jedoch etwas zu entspannen. Bereits in der vergangenen Woche berichtete »Bloomberg« über Vorbereitungen der US-Regierung, Mythos bei verschiedenen Behörden einzuführen. Am vergangenen Freitag traf sich Anthropic-Chef Dario Amodei schließlich mit Regierungsvertretern, um eine mögliche Zusammenarbeit sowie gemeinsame Ansätze zur Bewältigung der Herausforderungen durch die KI-Modelle von Anthropic zu besprechen. Über den genauen Inhalt des als »produktiv« bezeichneten Treffens ist jedoch wenig bekannt geworden.

Zusätzlich sollen laut Anthropic etwa 40 weitere Unternehmen, die am »Aufbau oder der Wartung kritischer Softwareinfrastruktur« beteiligt sind, Mythos nutzen können. Namen werden hier nicht genannt, aber wenn die Berichte von »Axios« zutreffen, könnte das US-Verteidigungsministerium zu dieser Gruppe gehören. Die Entwicklung zeigt, wie sehr sich die Grenzen zwischen ziviler und militärischer KI-Nutzung in den USA derzeit verschieben.

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