FPV-Drohnen: Neue Bedrohung durch Terrorgruppen in Mali und Libanon
FPV-Drohnen: Terrorgruppen nutzen neue Technik

Moderne Kriegsführung hat eine neue Dimension erreicht: FPV-Drohnen, die im Ukrainekrieg als Gamechanger galten, werden nun vermehrt von nichtstaatlichen Akteuren eingesetzt. Im Libanon und in Mali töten verkabelte Drohnen erfahrene Soldaten. Die günstigen Waffen fallen zunehmend Terrorgruppen in die Hände und könnten zu einem globalen Problem werden, berichtet Oliver Imhof.

Angriffe in Mali und der Sahelzone

Ein Quadrokopter nähert sich einer Militärbasis in der Wüste: Links und rechts ragen rotierende Flügel ins Bild, unten sind Mauern, Fahrzeuge und vereinzelt Personen zu erkennen. Der Flieger hält auf eine Gruppe zu, zieht hoch, dreht ab. Panik bricht aus, die Menschen laufen auseinander. Im zweiten Anlauf führt der Pilot die Attacke aus und stürzt das Gerät auf einen Soldaten. Die Übertragung endet. Solche Szenen sind Alltag in der Ukraine. Die neuen Aufnahmen, veröffentlicht auf X, stammen jedoch laut Urheber aus Mali und zeigen einen Angriff auf russische Kämpfer des dortigen Afrikakorps.

In der Region sind die Tuareg-Rebellen der Azawad Liberation Front (ALF) zusammen mit den Dschihadisten der Gruppe Jama'at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) auf dem Vormarsch gegen die von Russland unterstützte Regierung. Den Aufständischen gelangen zuletzt Angriffe rund um Bamako, Berichten zufolge gab es sogar Kämpfe innerhalb der Hauptstadt. Die Angreifer nutzten dabei in großem Stil Drohnen, vor allem gegen Militärfahrzeuge und Stützpunkte. So kompensieren die eher leicht bewaffneten Rebellen ihre technologische Unterlegenheit.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Professionelle Aufnahmen und Spekulationen

Die Aufnahmen wirken teils so professionell, dass russische Militärblogger Spekulationen über ukrainische Unterstützung für die Rebellen äußerten. Der Umgang der ALF mit den Drohnen wirkt derart geübt, dass ausländische Hilfe wahrscheinlich ist. Bereits 2014 gab es Berichte über Hilfe aus Kyjiw in der Sahel-Zone. Belege gibt es jedoch nicht, und die Berichte wurden aus Kyjiw umgehend dementiert.

Technologische Entwicklung: Von Kyjiw über Nahost bis in die Sahara

FPV-Drohnen sind eine Innovation aus dem Ukrainekrieg. Der Pilot steuert das Gerät aus der Egoperspektive (First Person View) mit einer 3D-Brille, im Gegensatz zu früheren Modellen, die am Bildschirm gelenkt wurden. In der Regel wird die Verbindung per Radiosignal gehalten, doch beide Kriegsparteien lernten, die Drohnen elektronisch zu stören. Die Russen begannen deshalb, ihre Drohnen mit kilometerlangen Glasfaserkabeln zu steuern, was die Ukrainer umgehend kopierten.

Diese Technologie verbreitet sich nun rasant. Im Libanon setzt die Hisbollah ähnliche Drohnen gegen israelische Stellungen ein. In Mali nutzen Rebellen und Dschihadisten die Waffen, um Regierungstruppen und russische Söldner anzugreifen. Die günstigen Drohnen, die oft nur wenige hundert Euro kosten, ermöglichen es auch kleinen Gruppen, präzise Angriffe durchzuführen.

Globale Gefahr und Gegenmaßnahmen

Experten warnen vor einer weiteren Eskalation. Die Verbreitung von FPV-Drohnen an nichtstaatliche Akteure könnte zu einer neuen Ära der asymmetrischen Kriegsführung führen. Bisherige Gegenmaßnahmen wie elektronische Störsender werden durch die Verwendung von Glasfaserkabeln umgangen. Militärs weltweit suchen nach neuen Abwehrtechniken, doch die Entwicklung ist teuer und aufwendig.

Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, die Proliferation dieser Waffen zu kontrollieren. Der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie effektiv FPV-Drohnen sein können. Nun müssen Strategien gefunden werden, um zu verhindern, dass sie in die Hände von Terroristen gelangen und zu einer globalen Bedrohung werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration