Hohe Dieselpreise: Kommt jetzt der Durchbruch für Elektro-Lkw in Deutschland?
Elektro-Lkw werden als klimafreundlichere Alternative zu Diesel-Lastwagen gehandelt. Allerdings hemmen hohe Anschaffungskosten und ein mangelndes Netz an Ladepunkten deren flächendeckenden Einsatz. Wie Speditionen in Deutschland mit diesen Herausforderungen umgehen und ob die aktuell drastisch gestiegenen Dieselpreise eine Wende einleiten könnten, zeigt ein Blick in die Praxis.
Erfahrungen einer Spedition in Zwickau
Bei der WP Spedition in Zwickau gehören seit einigen Jahren Elektro-Lkw zum Fuhrpark. Kraftfahrer Uwe Lenk schwärmt von seinem elektrischen 40-Tonner: „Es ist ein ganz anderes Fahren. Das Schalten fällt weg, er fährt viel leiser und hat viel mehr Kraft. Du gibst Gas und bis zu 800 PS sind sofort da.“ Die Spedition betreibt insgesamt neun reine Elektro-Lkw von rund 350 Lastwagen. Fuhrparkleiter Mike Henniger erklärt, dass trotz etwa doppelt so hohem Anschaffungspreis die Fahrzeuge wirtschaftlich sind, dank eigener Ladesäulen und der Mautbefreiung.
Neuzulassungen und Marktanteile
Alternative Antriebe legen auch bei Lkw zu, doch der Diesel dominiert weiterhin. Im Jahr 2025 war laut Kraftfahrt-Bundesamt jeder achte neue Lastwagen kein herkömmlicher Diesel, sondern lief mit Strom, Wasserstoff, Gas oder als Hybrid. Dabei waren batterieelektrische Lkw mit fast 27.300 Neuzulassungen führend. Allerdings hinkt der Güterverkehr bei der Mobilitätswende hinterher: Bei Pkw machen alternative Antriebe bereits 59 Prozent der Neuzulassungen aus, bei schweren Lkw liegt der Anteil unter einem Prozent.
Herausforderungen im Fernverkehr
Dirk Engelhardt, Vorsitzender des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, betont das Potenzial von E-Lkw im Regionalverkehr. Im nationalen und internationalen Fernverkehr seien jedoch geringere Reichweiten und fehlende Lademöglichkeiten problematisch. Für einen Umstieg brauche es flächendeckend mehr Ladepunkte im Megawatt-Bereich. Zudem sei der Strom im öffentlichen Ladenetz mit 50 bis 80 Cent pro Kilowattstunde oft zu teuer, um sich zu rechnen.
Politische Ziele und Ladeinfrastruktur
Die Bundesregierung will die E-Mobilität im schweren Güterverkehr forcieren, auch aus Klimaschutzgründen, da dieser etwa ein Drittel der CO2-Emissionen im Verkehrssektor verursacht. Geplant ist ein Schnellladenetz für Lkw an Fernverkehrsstrecken mit 350 Standorten entlang der Autobahnen. Aktuell gibt es jedoch nur 69 öffentlich zugängliche Standorte mit 270 Ladepunkten. Engelhardt moniert, dass Deutschland und die EU hier eigenen Zielen meilenweit hinterherhinken. Sein Verband schätzt den Bedarf auf 40.000 bis 50.000 Ladepunkte im Megawatt-Bereich für eine volle Elektrifizierung.
Wirtschaftlichkeit und Praxisbeispiele
Fuhrparkleiter Henniger rechnet vor: Im operativen Betrieb seien E-Lkw deutlich günstiger, besonders bei hohen Dieselpreisen. Die Kraftstoffkosten seiner Dieselflotte lagen im Schnitt bei etwa 37 Euro pro 100 Kilometer, bei Elektro-Lkw bei gut 25 Euro. Zudem sparen sie Mautkosten. Dem stehen höhere Anschaffungskosten gegenüber. „Wenn die E-Lkw viel Strecke machen, sind sie wirtschaftlich einem Diesel mindestens ebenbürtig“, so sein Fazit. Ähnliche Erfahrungen macht die Spedition Nanno Janssen in Ostfriesland, die bereits 58 von 90 Lkw auf Elektro umgestellt hat. Juniorchef Nanno Janssen ist überzeugt: „Elektro-Lkw sind die nachhaltigste Variante von Güterverkehr auf der Straße.“
Praktische Umsetzung im Alltag
In der Praxis erreichen E-Lkw laut Fahrern wie Uwe Lenk und Michael Grimm 400 bis 500 Kilometer pro Akkuladung. Das Laden dauert je nach Ladesäule eine bis zweieinhalb Stunden. Optimal ist das Laden im eigenen Depot oder beim Kunden. Bei Lücken im öffentlichen Netz weichen sie auf Ladestationen für Pkw aus, was jedoch oft umständlich ist, da Anhänger abgekoppelt werden müssen. Trotz Vorbehalten bei einigen Kollegen betont Lenk: „Wer es einmal ausprobiert, wird sicher anders denken.“
Insgesamt zeigt sich: Elektro-Lkw bieten Potenzial für eine klimafreundlichere und wirtschaftliche Alternative, doch der Erfolg hängt maßgeblich vom Ausbau der Ladeinfrastruktur und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen ab.



