E-Auto oder Verbrenner: Die Kostenfrage im Detail
Die aktuellen Spritpreise in Deutschland erreichen neue Höchststände. Der ADAC meldete am 6. April Durchschnittspreise von 2,169 Euro für Super E10 und 2,421 Euro für Diesel. Diese Entwicklung veranlasst viele Autofahrer, über einen Umstieg auf ein Elektroauto nachzudenken. Doch die Antwort auf die Frage, ob sich ein E-Auto finanziell lohnt, ist komplexer als erwartet.
Die Grundrechnung: Benziner als Vergleichsbasis
Für eine einfache Vergleichsrechnung dient ein Benziner mit einem Verbrauch von 6,5 Litern Super E10 auf 100 Kilometer. Bei einem Literpreis von 2,169 Euro ergeben sich Kosten von 14,10 Euro pro 100 Kilometer. Beim Elektroauto liegt der durchschnittliche Verbrauch bei etwa 18 kWh pro 100 Kilometer. Entscheidend ist jedoch der Strompreis, der je nach Ladeort stark variiert.
Öffentliches Laden: Teils teurer als Benzin
An öffentlichen Schnellladestationen können die Kosten überraschend hoch sein. IONITY verlangt aktuell 69 Cent pro kWh, während Aral pulse beim DC-Laden über 50 kW sogar 79 Cent pro kWh berechnet, wenn spontan ohne günstigen Tarif geladen wird. Damit kostet das E-Auto ohne weitere Verluste bereits 12,42 Euro pro 100 Kilometer bei IONITY und 14,22 Euro bei Aral pulse. Hinzu kommen potenzielle Ladeverluste, die die Kosten auf 13 bis über 16 Euro pro 100 Kilometer steigern können.
Der ADAC weist in einer Studie ausdrücklich darauf hin, dass die höheren Stromkosten beim öffentlichen DC-Laden durch Effizienzvorteile oft nicht ausgeglichen werden. Wer also häufig an teuren Schnellladern lädt, fährt teilweise fast so teuer wie mit einem Benziner – oder sogar teurer.
Heimisches Laden: Deutliche Kostenvorteile
Ganz anders sieht die Situation beim Laden zuhause aus. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt laut Verivox aktuell bei 31,24 Cent pro kWh. Damit kostet das E-Auto rechnerisch nur 5,62 Euro pro 100 Kilometer. Selbst mit typischen Ladeverlusten an der Wallbox bleiben die Kosten bei etwa 5,90 bis 6,19 Euro. Das ist weniger als die Hälfte der Benzinkosten in dieser Beispielrechnung.
Sogar das Laden an einer normalen Steckdose ist meist günstiger als der Verbrenner, obwohl hier mehr Energie verloren geht. Nach ADAC-Angaben liegen die Kosten dann bei rund 6,19 bis 7,31 Euro pro 100 Kilometer. Damit bleibt das E-Auto auch an der Steckdose eine kostengünstige Alternative, wenn auch weniger effizient als an der Wallbox.
Solarstrom: Der größte Kostenvorteil
Besonders groß wird der Kostenvorteil mit einer eigenen Solaranlage. Das Bundeswirtschaftsministerium beziffert die Stromgestehungskosten großer PV-Dachanlagen auf 8,4 bis 9,3 Cent pro kWh. Damit kostet der Verbrauch beim E-Auto auf 100 Kilometer nur noch etwa 1,76 bis 2,00 Euro, inklusive typischer Wallbox-Verluste. Im Vergleich zu einem Benziner mit mehr als 14 Euro pro 100 Kilometer ergibt sich ein massiver Unterschied.
Anschaffungskosten und Förderungen
Seit Anfang 2026 gibt es in Deutschland wieder eine staatliche E-Auto-Prämie. Die entsprechende Antragsplattform soll zwar erst im Mai verfügbar sein, die Förderung gilt jedoch rückwirkend zum 1. Januar 2026. Die Bundesregierung spricht von mindestens 3.000 und bis zu 6.000 Euro Zuschuss, wobei das Bundesumweltministerium eine soziale Staffelung nach Einkommen und Kindern erklärt.
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die Auswirkungen auf den Kaufpreis: Laut aktueller Citroën-Preisliste kostet der C3 mit Benzinmotor ab 16.290 Euro, der elektrische ë-C3 ab 20.140 Euro. Der Unterschied liegt also zunächst bei 3.850 Euro. Mit 3.000 Euro Förderung bleibt davon nur ein kleiner Rest. Bei 6.000 Euro Förderung wäre der elektrische C3 in diesem Beispiel sogar günstiger als der Benziner. Zusätzlich bieten einige Hersteller eigene Aktionen an, wie Dacia beim Spring mit einem separaten Elektrobonus.
Weitere Kostenfaktoren
Bei der Kfz-Steuer bleibt das E-Auto im Vorteil, da die Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge verlängert wurde. Bei der Versicherung sieht die Situation weniger eindeutig aus: Verivox meldet, dass E-Autos Anfang 2026 bei rund der Hälfte der verglichenen Vollkaskotarife teurer waren als vergleichbare Verbrenner.
Fazit: Wer zuhause lädt, spart in der Regel deutlich. Mit Solarstrom vom eigenen Dach wird der Kostenvorteil besonders groß. Wer jedoch fast ausschließlich spontan an teuren Schnellladern lädt, sollte sich nicht täuschen lassen: In diesem Fall kann das Fahren mit Strom plötzlich fast genauso teuer sein wie das Tanken von Benzin.



