Historischer Moment für die Raumfahrt: Artemis 2 erfolgreich gestartet
Nach zahlreichen Verzögerungen und technischen Herausforderungen hat die NASA einen entscheidenden Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte erreicht. Die bemannte Mondmission Artemis 2 ist am 2. April 2026 um 18:35 Uhr Ortszeit (00:35 Uhr MESZ) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet. Damit sind erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert wieder Menschen auf dem Weg zum Mond.
Ein neues Kapitel der Monderkundung beginnt
Vier Astronauten befinden sich an Bord der Orion-Kapsel, die von der gewaltigen Space Launch System-Rakete ins All befördert wurde. Die Besatzung besteht aus den US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman sowie dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen. Für drei von ihnen ist dies bereits der zweite Flug ins All, während Hansen sein Weltraumdebüt feiert.
„Der heutige Start ist ein entscheidender Moment für unsere Nation und für alle, die an Erforschung glauben“, erklärte NASA-Chef Jared Isaacman nach dem erfolgreichen Start. „Artemis 2 ist der Beginn unserer Rückkehr zum Mond, nicht nur zum Besuchen, sondern irgendwann auch zum Bleiben in unserer Mond-Station.“
Technische Herausforderungen und historische Bedeutung
Der Start der krisengeplagten Mission war zuvor mehrfach verschoben worden, doch die technischen Probleme konnten schließlich gelöst werden. Kurz nach dem Abheben kam es zwar zu einem vorübergehenden Kommunikationsabbruch zwischen der Orion-Kapsel und dem Kontrollzentrum auf der Erde, doch dieses Problem konnte schnell behoben werden.
Die historische Bedeutung dieses Moments wurde von zahlreichen Persönlichkeiten betont. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst sprach von einem „historischen Tag“, während sein Kollege Matthias Maurer von einem „ganz neuen Kapitel für die Raumfahrt“ sprach. US-Präsident Donald Trump kommentierte auf seiner Plattform Truth Social: „Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen.“ Nach dem Start gratulierte er der NASA und den „mutigen“ Astronauten und bezeichnete den Start als „ganz schön beeindruckend“.
Die Mission im Detail
Die Artemis 2-Mission baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission Artemis 1 aus dem Jahr 2022 auf. Während ihrer etwa zehntägigen Reise werden die Astronauten:
- Mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen
- Eine Flugbahn in Form einer Acht um Erde und Mond folgen
- Sich bis zu 370.000 Kilometer von der Erde entfernen
- Sich etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden
- Erde und Mond gleichzeitig sehen können – weiter von der Erde entfernt als je zuvor Menschen
Die Orion-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch, doch zu Testzwecken werden die Astronauten regelmäßig manuell steuern. Ihre Aufgaben umfassen:
- Überwachung aller Systeme und der eigenen Gesundheit
- Durchführung wissenschaftlicher Forschungen
- Anfertigung von Fotos und Analysen von Erde und Mond
- Durchführung zahlreicher Tests mit Sensoren und Messungen
Historische Premieren und internationale Zusammenarbeit
Diese Mission markiert mehrere historische Premieren: Christina Koch ist die erste Frau an Bord einer NASA-Mondmission, Victor Glover der erste nicht-weiße Mensch und Jeremy Hansen der erste Kanadier auf dem Weg zum Mond.
Das milliardenschwere Artemis-Programm – benannt nach der griechischen Mondgöttin Artemis, der Zwillingsschwester des Gottes Apollo – wurde 2017 verkündet und umfasst eine breite internationale Zusammenarbeit. Die europäische Raumfahrtbehörde ESA ist wesentlich beteiligt und steuert ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die Orion-Kapsel bei.
„Wir stehen an der Schwelle einer historischen Rückkehr“, sagte ESA-Chef Josef Aschbacher bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral. „Die NASA wird wieder Geschichte schreiben. Das ist sehr aufregend für uns alle.“
Zukunftspläne und geopolitische Bedeutung
Ursprünglich sah das Artemis-Programm eine bemannte Mondlandung (Artemis 3) bis 2024 vor, doch es kam zu mehrfachen Verschiebungen. NASA-Chef Isaacman hat die Pläne kürzlich komplett überarbeitet:
- Artemis 3 soll bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen
- Stattdessen soll die Orion-Kapsel sich mit einem oder zwei Mondlandern im Weltraum zusammendocken
- Für 2028 sind möglicherweise zwei Mondlandungsversuche (Artemis 4 und Artemis 5) geplant
- Eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond wird angestrebt
Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum Mond die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Ein neuer Wettlauf der Raumfahrtnationen ist im Gange, mit China als größtem Konkurrenten, das bis 2030 Menschen auf den Mond bringen will, und Russland, das mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst sieht in der Mission mehr als nur technischen Fortschritt: „Die Faszination, dass man auch den nächsten Generationen zeigen kann: Wir können nicht nur Kriege führen hier auf der Erde, sondern wir können auch wieder was richtig Großartiges zusammen machen.“ Er glaubt an eine europäische Forschungsstation auf dem Mond und bezeichnet unseren Erdtrabanten als „achten Kontinent“, den es zu erforschen gilt.
Mit Artemis 2 beginnt eine neue Ära der Monderkundung – nicht als kurzer Besuch, sondern als Grundlage für eine dauerhafte Präsenz auf unserem nächsten kosmischen Nachbarn.



