Emotionaler Moment im All: Artemis-Astronauten benennen Mondkrater nach verstorbener Ehefrau
Ein bewegender Moment, der selbst erfahrene Raumfahrer tief berührte: Mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernt wurde es plötzlich ganz still in der Orion-Raumkapsel. Die Astronauten der Artemis-2-Mission benannten einen Mondkrater nach Carroll Taylor Wiseman, der verstorbenen Ehefrau ihres Kommandeurs Reid Wiseman.
Ein stiller Gruß ins All
„Es ist ein heller Punkt auf dem Mond“, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen mit brechender Stimme während der Live-Übertragung. „Und wir würden ihn gerne Carroll nennen.“ Dieser Satz löste pure Emotionen aus: Kommandeur Wiseman kämpfte sichtlich mit den Tränen, auch seine Crew konnte die Gefühle kaum zurückhalten. Die vier Astronauten umarmten sich in der Schwerelosigkeit, während im Kontrollzentrum in Houston eine Schweigeminute abgehalten wurde.
Dieser Moment zeigt eindrucksvoll: Auch im All bleibt das Herz ganz nah bei den Menschen, die man liebt.
Persönliche Geschichte hinter der Widmung
Carroll Taylor Wiseman starb im Jahr 2020 im Alter von nur 46 Jahren an Krebs. Kommandeur Reid Wiseman, 50 Jahre alt, zieht seitdem seine beiden Töchter als alleinerziehender Vater groß. „Das war ein ganz besonderer Moment“, kommentierte der ehemalige britische ESA-Astronaut Tim Peake gegenüber der BBC. „Sie waren gerade als die am weitesten von der Erde entfernten Menschen bekanntgegeben worden und durften die Krater benennen.“
Peake betonte die enge Verbundenheit der Astronauten-Community: „Wir sind eine sehr eng verbundene Gemeinschaft, eine kleine Familie in der Astronauten-Welt. Wir kennen uns, wir kennen die Familien der anderen, deshalb weiß ich, wie berührt sie und alle in der Missionskontrolle von diesem Moment sein werden.“
Weitere Widmungen und historischer Rekord
Für einen weiteren neu entdeckten Krater schlug das Team den Namen Integrity (Integrität) vor – so nennen die vier Astronauten auch ihre Raumkapsel. Aus dem Kontrollzentrum in Houston kam die Bestätigung, dass die Vorschläge erfolgreich übermittelt wurden: „Integrity- und Carroll-Krater, laut und deutlich. Danke“, sagte die Ingenieurin und Astronautin Jenni Gibbons.
Die Crew der Artemis 2 schrieb an diesem Tag gleich doppelt Geschichte: Um 19.57 Uhr deutscher Zeit waren die US-Astronauten Victor Glover, Christina Koch und Reid Wiseman sowie ihr kanadischer Kollege Jeremy Hansen mehr als 400.171 Kilometer von der Erde entfernt – damit wurde der Rekord der Apollo-13-Mission aus dem Jahr 1970 gebrochen. Noch nie zuvor waren Menschen so weit von der Erde entfernt!
Das Kontrollzentrum gratulierte den vier Raumfahrern zu ihrem historischen Rekord. Astronaut Jeremy Hansen forderte daraufhin „diese Generation und die nächste heraus, sicherzustellen, dass dieser Rekord nicht lange hält“. Mit ihrer Mission wollten die Astronauten auch ihre Vorgänger der bemannten Raumfahrt ehren. Hansen schwärmte: „Es ist einfach überwältigend, was man derzeit mit bloßem Auge vom Mond aus sehen kann. Unglaublich!“
Die Artemis-2-Mission demonstriert damit nicht nur technische Höchstleistungen, sondern auch die menschliche Seite der Raumfahrt – eine berührende Verbindung von persönlichem Gedenken und historischem Fortschritt im Weltraum.



