Atommüll-Bergung aus Asse um Jahre verschoben - Start erst nach 2039 möglich
Die gesetzlich vorgeschriebene Rückholung des radioaktiven Abfalls aus der maroden Schachtanlage Asse in Niedersachsen wird sich um mehrere Jahre verzögern. Nach aktuellen Planungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kann mit den vorbereitenden Maßnahmen für die Bergung frühestens 2039 begonnen werden.
Gesetzlicher Auftrag mit ungewissem Zeitplan
Eigentlich gibt es einen klaren gesetzlichen Auftrag: Die sogenannte Lex Asse verpflichtet dazu, das instabile Bergwerk unverzüglich zu räumen und stillzulegen. In der Schachtanlage im Landkreis Wolfenbüttel lagern in 13 Kammern etwa 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die in den 1960er und 1970er Jahren dort eingelagert wurden. Da seit Jahren Wasser in das Salzbergwerk eindringt und die Stabilität gefährdet, besteht dringender Handlungsbedarf.
„Mit dem jetzigen Kenntnisstand lässt sich der Rückholbeginn 2033 nicht mehr darstellen“, teilte die BGE mit Sitz im niedersächsischen Peine in einer aktuellen Stellungnahme mit. Die Betreibergesellschaft geht nun davon aus, dass die Einsatzbereitschaft der notwendigen Schachtförderanlage erst 2039 hergestellt sein kann. Bisher hatte die BGE in ihrem Rückholplan von 2020 den Beginn der Bergung für das Jahr 2033 anvisiert.
Verzögerung um mindestens sechs Jahre
Die Verschiebung um mindestens sechs Jahre bedeutet eine erhebliche Verzögerung des gesamten Projekts. „Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten im Gesamtsystem, dass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden kann“, hatte bereits im März eine BGE-Sprecherin erklärt. Umplanungen im Ablauf seien ein wesentlicher Grund dafür, dass aktuell kein verbindlicher Gesamtplan vorgelegt werden könne.
Erst wenn der neue Schacht Asse 5 mit der entsprechenden Förderanlage fertiggestellt sei, könnten überhaupt die vorbereitenden Maßnahmen für die eigentliche Rückholung beginnen. Diese technischen und logistischen Herausforderungen führen zu der erneuten Terminverschiebung.
Politische Kritik an der Verzögerung
Die Berichte über den geplatzten Starttermin haben bereits politische Reaktionen ausgelöst. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) zeigte sich verärgert über die Entwicklung: „Ich bin empört, dass die vom Bundestag beschlossene Räumung der Asse auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll“, hieß es in einer Stellungnahme des Ministers.
Meyer kritisierte insbesondere, dass stattdessen die Flutung des Bergwerks vorbereitet werde. Die Bundesregierung solle dafür sorgen, dass sich die BGE an das Asse-Gesetz halte und die Räumung des „absaufenden Bergwerks“ endlich angehe. Diese deutlichen Worte unterstreichen die politische Dimension des Themas.
Finanzielle und technische Herausforderungen
Die Rückholung des Atommülls stellt nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. In ihrem Plan von 2020 hatte die BGE mit Kosten von mehr als drei Milliarden Euro bis zum Start der Rückholung kalkuliert. Wie sich dieser Betrag angesichts der neuen Zeitplanung verändert, bleibt zunächst unklar.
Die technischen Anforderungen sind enorm:
- Bau eines neuen Schachtes (Asse 5) mit spezieller Förderanlage
- Entwicklung sicherer Bergungsmethoden für die 126.000 Fässer
- Sicherstellung des Strahlenschutzes während der gesamten Operation
- Logistische Planung für Transport und Zwischenlagerung
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung betont, dass trotz der Verzögerung die Sicherheit der Bergung oberste Priorität habe. Alle Maßnahmen müssten mit größter Sorgfalt geplant und umgesetzt werden, um Risiken für Mensch und Umwelt zu minimieren.
Die Asse bleibt damit eines der drängendsten Umweltprobleme Deutschlands, dessen Lösung sich nun weiter in die Zukunft verschoben hat. Die betroffenen Regionen in Niedersachsen müssen noch viele Jahre mit der unsicheren Situation leben, während die Verantwortlichen nach technisch machbaren und finanziell vertretbaren Lösungen suchen.



