Biotonnen-Debatte in Mecklenburgischer Seenplatte: Bürgerumfrage endet bald – KI-Alternative gescheitert
Biotonnen-Umfrage endet: KI-Alternative in Seenplatte gescheitert

Biotonnen-Zoff im Landkreis: Zwang oder gescheiterte KI-Revolution – Bürgerumfrage endet bald

In der Mecklenburgischen Seenplatte steht eine wichtige Entscheidung zur Abfallentsorgung bevor. Bevor die Kreistagsmitglieder über die flächendeckende Einführung brauner Biotonnen entscheiden, wollen sie zunächst die Meinung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger einholen. Die entsprechende Umfrage der Kreisverwaltung läuft noch bis zum 31. März und richtet sich an alle nicht in Neubrandenburg ansässigen Hauseigentümer.

Umfrage als Grundlage für künftige Biomüll-Entsorgung

Das Ergebnis der Bürgerbefragung soll maßgeblich in die laufenden Überlegungen zur künftigen Entsorgung von Biomüll einfließen. Bei der jüngsten Kreistagssitzung wurde das Thema kontrovers diskutiert. Die AfD-Fraktion versuchte, die flächendeckende Einführung der Biotonne zu verhindern und schlug stattdessen eine „zukunftsweisende“ Lösung vor: Mülltrennung durch Künstliche Intelligenz direkt bei den Entsorgungsunternehmen.

„Es gibt Maschinen, die Müll vollautomatisch trennen. Die Bürger bekommen das nicht hin. Das wissen wir von den gelben Tonnen“, erklärte Thomas Pfitzner aus Feldberg den entsprechenden Antrag seiner Fraktion. Doch dieser Vorschlag stieß auf wenig Zustimmung und wurde mit großer Mehrheit zurück in die Fachausschüsse verwiesen.

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Kritik an KI-Lösung und unterschiedliche Positionen

Die Idee der KI-gestützten Mülltrennung fand unter den Kreistagsmitgliedern kaum Befürworter. Tobias Hecht aus Stavenhagen (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte deutliche Bedenken: „Das würde die Bürger teuer zu stehen kommen. Hightech durch KI beim Entsorger wäre ein zweifelhaftes Vergnügen, eine spannende Innovation und eine experimentelle Investition“, kommentierte er ironisch.

Frank Benischke, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag, erinnerte daran, dass der Landkreis gesetzlich zur Mülltrennung verpflichtet ist. „Das ist kein Wunschkonzert, Ablehnung führt in eine Sackgasse“, betonte er. Gleichzeitig verwies er auf die unterschiedlichen Siedlungsstrukturen in der Region, die eine einheitliche Lösung erschweren.

Regionale Besonderheiten und praktische Bedenken

Toralf Schnur aus Waren, fraktionsloses Kreistagsmitglied, hob die regionalen Unterschiede hervor: „In dicht bevölkerten Gebieten wie dem Papenberg in Waren sind Biotonnen völlig logisch, in manchen dünn besiedelten Dörfern hingegen nicht fach- und sachgerecht“. Er warnte davor, dass Grundstücksbesitzer gezwungen werden könnten, ihre Komposthaufen durch Biotonnen zu ersetzen.

Maik Michalek aus Burg Stargard (BSW) warb für Geduld und die Abwartung des Umfrageergebnisses: „Wenn wir schon mal das Schweizer Modell machen, das ist revolutionär und gab es bei uns noch nicht so oft, sollten wir auf das Ergebnis warten, auch wenn uns das vielleicht nicht gefällt“.

Details der Bürgerumfrage und praktische Hinweise

Die Umfrage mit dem Titel „Ihre Meinung zählt“ umfasst acht Fragen. Eine davon lautet: „Welche Punkte bereiten Ihnen bei der Einführung einer Biotonne eventuell Sorgen?“ Zur Auswahl stehen Mehrfachantworten wie „Zusätzliche Kosten“, „Gerüche/Hygiene“, „Platzbedarf“ oder „Keine Bedenken“.

Die möglichen Kosten sind konkret beziffert: Sie liegen zwischen 117 Euro jährlich für eine 60-Liter-Tonne und 444 Euro für ein 240-Liter-Modell. Allerdings ergab eine stichprobenartige Umfrage des Nordkuriers, dass nicht alle Hauseigentümer in Demmin, Neustrelitz, Waren oder Feldberg den Fragebogen erhalten oder bemerkt haben.

Landkreis-Sprecher Marten Schröder rät Betroffenen, die kostenlose Abfall MSE-App zu nutzen, die über Google Play oder den Apple App Store verfügbar ist. Die App erinnerte am Dienstag ihre Nutzer: „Noch neun Tage für Ihre Meinung zur Biotonne“ und funktionierte dabei tadellos.

Die nächsten Sitzungen des Ausschusses für Wirtschaft und Kreisentwicklung sowie des Umweltausschusses finden am 5. Mai bzw. 20. Mai statt und sind öffentlich zugänglich. Bis dahin hofft die Kreisverwaltung auf eine rege Beteiligung an der Bürgerumfrage, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die künftige Biomüll-Entsorgung in der Mecklenburgischen Seenplatte zu erhalten.

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