Koala-Spürhund Bear geht in Rente: Vom Problemhund zum Lebensretter von über 100 Tieren
Verkohlte Erde und giftiger Rauch hängen in der Luft des australischen Eukalyptuswaldes. Ein Hund stoppt zwischen skelettartigen Baumstämmen, senkt seine Nase und legt sich an den Fuß eines Baumes. Dieses Signal bedeutet: Hier oben lebt noch jemand. Sein Name ist Bear, und dieser Meisterschnüffler für verletzte Koalas hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Mit elf Jahren tritt der vierbeinige Held nun in den wohlverdienten Ruhestand.
Vom schwer vermittelbaren Problemhund zum gefeierten Lebensretter
Einst galt der blauäugige Australian Koolie als schwer vermittelbar. Seine grenzenlose Energie und sein unstillbarer Spieltrieb machten ihn für normale Haushalte ungeeignet. Zu wild, zu besessen von Bällen, zu ungestüm erschien er vielen. Doch genau diese Eigenschaften erwiesen sich als perfekte Voraussetzung für seine spätere Karriere.
„Oft sind die schwierigsten Haustiere die besten Spürhunde, und Bear ist ein Paradebeispiel dafür. Seine Energie und seine Ballbesessenheit machten ihn zum idealen Kandidaten“, erklärt Josey Sharrad, Programmleiterin der Tierschutzorganisation IFAW.
Als einer der ersten Hunde Australiens lernte Bear, lebende Beuteltiere am charakteristischen Fellgeruch zu erschnüffeln. Während Menschen die Tiere in den hohen Baumkronen kaum sichten können, ist seine Nase dem menschlichen Geruchssinn um Längen überlegen. Seine Belohnung nach jedem erfolgreichen Fund? Ein Ball – sein absolutes Lieblingsspielzeug.
Der Schwarze Sommer: Bears größter und wichtigster Einsatz
Von August 2019 bis März 2020 stand Australien in Flammen. Über 19 Millionen Hektar Land brannten nieder, unzählige Tiere kamen ums Leben. Mindestens 60.000 Koalas starben, wurden verletzt oder aus ihrem Lebensraum vertrieben. Bilder von Tieren mit angesengtem Fell und verbrannten Pfoten gingen um die Welt.
In dieser dramatischen Situation begann der Sondereinsatz des Spürhundes. Ausgestattet mit speziellen Schutzstiefeln lief Bear über die noch heiße, verbrannte Erde. Er suchte, schnüffelte und rettete. Die Beuteltiere waren den Flammen hilflos ausgeliefert: langsam, hoch oben in den Eukalyptusbäumen, genau dort, wo das Feuer am heftigsten tobte. Geschwächt saßen sie fest, ohne Zugang zu Futter oder Wasser.
Der Vierbeiner fand sie. In seiner gesamten Laufbahn spürte er über 100 hilfsbedürftige Tiere auf – jeder einzelne Fund ein wichtiger Beitrag zum Schutz der bedrohten Art. Selbst Hollywoodstars wie Tom Hanks und Leonardo DiCaprio feierten den talentierten Lebensretter in sozialen Netzwerken.
„Da wurde uns klar, dass wir es nicht einfach nur mit einem Hund zu tun hatten, sondern mit einem wahren Helden“, erinnert sich Josey Sharrad an den ersten Einsatz im Brandgebiet.
Mehr als nur ein Spürhund: Ein Botschafter für den Artenschutz
„Bear war ein großer Teil unseres Lebens und ein unermüdlicher Botschafter für Koalas über ein Jahrzehnt hinweg“, sagt Romane Cristescu von der University of the Sunshine Coast, eine seiner früheren Hundeführerinnen. Dieser besondere Hund habe Herzen auf der ganzen Welt berührt und viele Türen geöffnet, um kritische Gespräche über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf bedrohte Koalas führen zu können.
Der Retter erhielt zahlreiche Auszeichnungen, ihm sind eine Dokumentation („Bear - Koala Hero“) und ein Kinderbuch gewidmet. „Mit seinem fröhlichen und liebenswerten Wesen hat er vielen Menschen in den schwersten Momenten ihres Lebens Trost gespendet“, würdigt IFAW den vierbeinigen Helden.
Verdientes Ruheglück an der Sunshine Coast
„Jetzt hat er seine Stiefel zum letzten Mal ausgezogen“, schrieb IFAW. Der Vierbeiner lebt nun bei einer seiner früheren Hundeführerinnen, Riana Gardiner, an der Sunshine Coast nördlich von Brisbane. Noch immer verbringt er viel Zeit draußen, besonders am Strand.
Nach zehn Jahren im Einsatz für die Beuteltiere darf er sich jetzt in Ruhe den Bauch kraulen lassen und seinem Lieblingsspiel nachgehen – dem Apportieren. Natürlich mit einem Ball.
„Aber sein Vermächtnis wird in der nächsten Generation von Spürhunden weiterleben, die in seine berühmten Pfotenabdrücke treten“, sagt Josey Sharrad. Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre mit diesem außergewöhnlichen Hund – einem echten Helden auf vier Pfoten, der zeigte, dass selbst sogenannte Problemhunde Großes leisten können.



