DDR-Retro-Mixer RG28: Kult-Comeback bei Jugendlichen
DDR-Retro-Mixer RG28: Kult-Comeback bei Jugend

Ostalgie pur: Der DDR-Mixer RG28 feiert ein überraschendes Comeback – und das nicht nur bei Menschen mit DDR-Vergangenheit. Immer mehr junge Erwachsene entdecken das robuste Küchengerät für sich. In Mario Schuberts Geschäft „VEB Orange“ in Berlin-Prenzlauer Berg ist der RG28 der Renner. „Es vergeht keine Woche, in der nicht jemand kommt und nach dem RG28 sucht“, berichtet Schubert. Besonders begehrt ist die orangefarbene Variante.

Warum der RG28 heute Kultstatus genießt

Der RG28 wurde in den 1980er Jahren im VEB Elektrogerätewerk Suhl in Thüringen produziert. 1977 entstanden 450.000 Exemplare. Der damalige Preis von 98 Ostmark war beachtlich. Das Gerät überzeugt durch seine außergewöhnliche Langlebigkeit. „Viele neue Mixer qualmen nach zwei Minuten. Beim RG28 wissen die Leute, dass er auch die nächsten 40 Jahre funktioniert“, erklärt Schubert. Diese Robustheit verleiht dem Mixer in sozialen Medien Kultstatus. Auf TikTok und Instagram teilen Nutzer Erinnerungen und loben die Lebensdauer. „Fast 50 Jahre und kein bisschen leiser“, heißt es dort – eine Anspielung auf das Lied von Curd Jürgens.

Stiftung Warentest adelt den RG28

Im Jahr 2020 verlieh die Stiftung Warentest dem Handmixer im Belastungstest das Prädikat „Held der Arbeit“, da er länger durchhielt als zwei aktuelle Modelle. Das Gerät ist robust und vielseitig: Mit Aufsätzen kann man mahlen, mixen, reiben, Dosen öffnen und sogar Messer schärfen.

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Preise und Verfügbarkeit

Da die Produktion 1990 eingestellt wurde, sind neue Geräte nicht mehr erhältlich. Schubert kauft gebrauchte Exemplare, reinigt und repariert sie. Je nach Zustand, Zubehör und Farbe kosten sie zwischen 20 und 80 Euro. Unbenutzt im Originalkarton werden bis zu 200 Euro verlangt. Auf Kleinanzeigen liegen die Preise zwischen 30 und 150 Euro. Die Zahl der Anzeigen stieg im vergangenen Jahr um 13 Prozent, die Suchanfragen legten zwischen August und September um 31 Prozent zu – mit über 3.000 Anfragen pro Monat.

Gründe für das Revival

Gordon von Godin, Direktor des DDR-Museums Berlin, erklärt: „Küchengeräte wie der RG28 haben erst seit wenigen Jahren Kultstatus.“ Die Nostalgie, oft als Ostalgie bezeichnet, habe in den letzten 10 bis 15 Jahren stark zugenommen. „Die Werte steigen mitunter sehr“, beobachtet er. Die besondere Stärke des RG28 liege in seiner Langlebigkeit. Zudem seien viele DDR-Alltagsgegenstände heute selten – wie die Schwalbe KR51, die als Design-Kultobjekt bis zu 5.000 Euro erzielt.

DDR-Design als Gegenmodell zur Wegwerfgesellschaft

Marion Godau, Professorin für Design und Kunstgeschichte an der FH Potsdam, betont: „Das Design sollte ein sichtbares Zeichen für die Ideale der sozialistischen Gesellschaft sein.“ Langlebige und funktionsfähige Produkte sollten ein kollektives Bewusstsein unterstützen. Bei jüngeren Generationen wachse das Interesse an „dem Land, das es nicht mehr gibt“. Das DDR-Design werde als Gegenmodell zur Wegwerfgesellschaft und zur Klimakrise verstanden. Auf YouTube zeigen zahlreiche Videos, wie der Kultmixer gereinigt und repariert wird – manche fertigen fehlende Ersatzteile sogar im 3D-Drucker an.

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