Ein historischer Ort des Naturschutzes
Wer den Landschaftspflegehof Müritzhof besucht, taucht ein in die Geschichte des Naturschutzes. Bereits in den 1930er-Jahren gab es erste Initiativen zum Schutz der Vogelwelt am Ostufer der Müritz. Der außergewöhnliche Reichtum an Brutvögeln machte das Gebiet früh bekannt. Auf Betreiben des Wareners Karl Bartels wurde 1931 eine Vogelfreistätte ausgewiesen, doch Jäger verhinderten die offizielle Anerkennung. Erst 1949 entstand das 4832 Hektar große Naturschutzgebiet „Ostufer der Müritz“.
Von der Vogelfreistätte zur Lehrstätte
Die landwirtschaftliche Nutzung lief zunächst weiter, doch ab 1952 wurden Teile der Koppeln aus der Bewirtschaftung genommen, um den Rückgang der Brutvögel zu stoppen. Die einsetzende Verbuschung hatte jedoch den gegenteiligen Effekt – Brutgebiete gingen verloren. 1959 wurde die Beweidung wieder aufgenommen, und 1969 kamen skandinavische Fjällrinder zum Einsatz. Heute grasen mehr als 50 dieser seltenen Rinder am Ostufer. Mit dem Umbau der Müritzhof-Gebäude zur Zentralen Lehrstätte für Naturschutz der DDR erlangte der Ort überregionale Bedeutung. Am 19. September 1954 nahm die erste Schulungsstätte dieser Art in Deutschland ihren Betrieb auf.
Widerstandsfähige Tiere für die Landschaftspflege
Neben Fjällrindern (auch schwedische Bergkühe genannt) weiden auf den Flächen Gotlandschafe und Shetlandponys. Diese robusten Rassen eignen sich ideal, um die Hutweiden offen zu halten und die Verbuschung zu verhindern. Die 300 Hektar große Anlage liegt im Nordwesten des Müritz-Nationalparks und wird seit 1993 von der Lebenshilfswerk Waren gGmbH betrieben. Als Teil einer Werkstatt für behinderte Menschen verbindet der Hof Naturschutz mit sozialer Arbeit.
Ein Paradies für Kraniche und Besucher
Durch die gezielte Beweidung und mechanische Pflege bleiben Lebensräume für Bodenbrüter erhalten. Der Müritzhof ist einer der größten Kranichrastplätze im Binnenland Mecklenburg-Vorpommerns. Im Herbst versammeln sich bis zu zehntausend Kraniche, um sich auf den Flug in die Winterquartiere vorzubereiten. Besucher können an geführten Wanderungen teilnehmen, die etwa drei Kilometer lang sind und Einblicke in die Geschichte und Natur des Gebiets bieten. Im Gasthof des Hofes gibt es regionale Küche mit Wild- und Fischspezialitäten sowie einen vorzüglichen Müritz-Gin aus Wacholderbeeren.
Anreise und Tipps
Der Müritzhof ist nicht mit dem Auto erreichbar. Letzte Parkmöglichkeiten befinden sich an den Eingängen des Nationalparks in Federow und Waren. In der Nationalparkinformation in Federow können Fahrräder ausgeliehen werden; von dort sind es etwa 45 Minuten bis zum Hof. Fußwanderer sollten gegen 8 Uhr an den Eingängen starten, um die Führung zu erreichen. Alternativ kann eine Kutschfahrt telefonisch vereinbart werden. Einmal im Jahr laden das Nationalparkamt und der Landschaftspflegehof zum Arbeitseinsatz, um Wacholder zu schneiden – aus den Beeren wird der Müritz-Gin gebrannt.



