Dürre-Alarm in Deutschland: Böden bereits so trocken wie im Hochsommer
Ein Traktor pflügt den trockenen Boden um. Insbesondere in tiefen Schichten wirkt sich die Dürre aus. Berlin – Die Böden in Deutschland trocknen aus. Fachleute schlagen Alarm. Denn es ist bereits jetzt so trocken, wie sonst erst im Hochsommer. Die Dürre hat Folgen für Landwirtschaft, Garten und Natur. Und wahrscheinlich auch für unseren Geldbeutel. Regen ist nicht in Sicht.
Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind am Dienstag nach einer kalten Nacht im Nordosten 14 bis 19 Grad drin, sonst sogar 18 bis 24 Grad. Zwar sind in Alpennähe und im Bergland „stellenweise Schauer und vereinzelte Gewitter nicht ganz ausgeschlossen“, sagt Meteorologe Dominik Jung (48). Aber sonst bleibt es auch die nächsten Tage größtenteils trocken.
Das ist die Ursache für die Dürre
Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt: „Die Trockenheit in Deutschland zieht sich mittlerweile über viele Monate.“ Im Dezember fielen mit 22 Litern pro Quadratmeter nur 40 Prozent des üblichen Niederschlags. Der Winter sei mit 135 Litern Regen pro Quadratmeter „klar unter dem langjährigen Mittel“ geblieben. Eine „festgefahrene Hochdruckwetterlage“ blockierte ab März dann über Wochen jede ergiebige Tiefdruckaktivität. „Und in der ersten Aprilhälfte fielen an vielen Messstationen weniger als sieben Millimeter Regen“, so Jung. Insgesamt waren das auch nur 41 Prozent der üblichen Menge.
Wo es am trockensten ist
Laut Dürremonitor vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ist die Lage in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns besonders dramatisch. Dort herrscht großflächig die höchste Dürre-Stufe. In Harzgerode (Sachsen-Anhalt) liegt die Bodenfeuchte laut Jung unter dem Wert, der sonst normalerweise für Mitte August üblich ist. Teilweise wird vor zunehmender Waldbrandgefahr gewarnt.
Im Osten Deutschlands seien vor allem die tieferen Bodenschichten bis rund 1,80 Meter, aus denen Bäume und Tiefwurzler ihr Wasser ziehen, flächendeckend ausgetrocknet. Der Starkregen vom 19. und 20. April habe die Lage nur punktuell entspannt und kurzfristige Erleichterung gegeben. Der Regen blieb weitgehend in den oberen 25 Zentimetern des Bodens hängen.
Auch in Bayern und Baden-Württemberg gibt es ausgedehnte Trocken-Gebiete. Eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz bewässerte im Februar ihren Wald als Gegenmaßnahme. Die Dürre fällt in eine Zeit, in der das Pflanzenwachstum beginne und Gärten und Felder eigentlich auf eine stabile Wasserversorgung angewiesen wären, „als gute Grundlage für den Sommer“, so eine Sprecherin des Helmholtz-Instituts.
Was die Trockenheit für Folgen hat
Wald
Helge May vom NABU warnt: „Die Trockenheitsschäden an Bäumen könnten sich verschärfen, bis zum Absterben. Insbesondere Fichten als Flachwurzlern geht es schnell an den Kragen, vor allem dort, wo sie gepflanzt wurden, aber nicht hingehören. Sollte ein Waldbrand entstehen, kann er sich bei der Dürre schneller ausbreiten. Wir müssen damit rechnen, dass Bäume auch in Städten schon im Sommer anfangen, ihre Blätter abzuwerfen, weil Feuchtigkeit über sie verloren geht.“
Garten
„Es kann im Sommer wieder zu Bewässerungsverboten für den Rasen kommen. Gärtner sollten Pflanzen wählen, die weniger Wasser brauchen“, so May. Eine höhere Wiese komme mit Schwankungen bei der Wasserversorgung besser zurecht.
Landwirtschaft
„Durch notwendige Bewässerung steigen die Kosten für die Produktion. Lebensmittel werden teurer“, sagt May.
So entwickelt sich das Wetter weiter
Landwirte, Gartenfachbetriebe und Hobbygärtner müssen mit Sorge die nächsten Tage beobachten, so Dominik Jung: „Es hat sich bereits wieder trockenes Hochdruckwetter eingestellt, nennenswerte Niederschläge sind auch mittelfristig nicht in Sicht. Die Dürresituation bleibt damit bundesweit angespannt.“



