Innovative Wasserstoffspeicherung: Pilotanlage bei Rostock setzt auf Backpulver
Die Energiewende steht vor der Herausforderung, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne effizient zu speichern und zu transportieren. Wasserstoff gilt dabei als vielversprechender Energieträger, doch seine Handhabung ist komplex. Das Unternehmen Akros Energy erprobt nun in einer Pilotanlage nahe Rostock eine neuartige Methode: Wasserstoff wird chemisch an ein Salz gebunden, das sich wie Backpulver verhält. Dies soll die Logistik erheblich vereinfachen.
Von der Idee zur industriellen Anwendung
Bereits im Labormaßstab hat Akros Energy die Technologie erfolgreich getestet. Nun geht es um den nächsten Schritt: die Umsetzung im industriellen Maßstab. Geschäftsführer Johannes Emigholz erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Jetzt zeigen wir, dass es wirklich im industriellen Maßstab geht.“ Die Anlage ist auf dem Gelände des Unternehmens H2apex in Laage bei Rostock installiert und soll in den kommenden Wochen den Betrieb aufnehmen.
So funktioniert die Technologie
Das Herzstück der Pilotanlage ist ein Umwandlungssystem, das in einem Standard-Container integriert ist. Zum Einsatz kommt Kaliumbikarbonat, ein Salz, das in der Industrie unter anderem als Backpulver bekannt ist. Dieses wird als wässrige Lösung in ein Stahlrohr geleitet, in dem sich ein Katalysator befindet. Dort wird der Wasserstoff zugeführt, und durch eine chemische Reaktion entsteht Kaliumformiat – ein neues Salz, das sich einfach transportieren und lagern lässt. Optional kann das Wasser entzogen werden, um Gewicht zu sparen. Eine Kristallisationsanlage dafür ist ebenfalls geplant.
Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden
Bislang wird Wasserstoff meist unter hohem Druck oder als Ammoniak transportiert. Beide Methoden haben Nachteile: Drucktanks sind aufwendig, und Ammoniak ist bei Unfällen umweltschädlich. Emigholz betont: „Wenn ein Schiff mit Kaliumformiat untergeht, passiert nichts.“ Zudem benötigt die Salztechnologie keine teuren Terminals, sondern nur das kompakte Umwandlungssystem. Dies ermöglicht einen kostengünstigen Transport per Bagger und Schüttgutfrachter.
Branchenverband bestätigt Potenzial
Der Branchenverband „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ bescheinigt der Technologie Einzigartigkeit. Ein Sprecher erklärte: „Die Technologie von Akros bietet die Chance, Wasserstoff chemisch gebunden an Salz unkompliziert zu transportieren und damit Wasserstoffimporte über große Distanzen zu ermöglichen.“ Andere Optionen wie Poren- und Kavernenspeicher oder Ammoniak-Infrastruktur werden ebenfalls verfolgt, doch das Salzverfahren punktet mit Sicherheit und Einfachheit.
Förderung und Projektpartner
Die Pilotanlage ist Teil des Projekts Formaport, das vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert und mit EU-Mitteln kofinanziert wird. Projektpartner sind neben Akros Energy das Leibniz-Institut für Katalyse (Likat) in Rostock, der Anlagenbauer Tab sowie die Hochschule Wismar. Die feierliche Eröffnung fand am Dienstag statt.
Mit dieser Innovation könnte der Transport von grünem Wasserstoff aus sonnenreichen Regionen nach Europa deutlich einfacher und sicherer werden – ein wichtiger Schritt für die Energiewende.



