Muss ganz Venedig umgesiedelt werden? Studie zeigt düstere Prognose
Muss ganz Venedig umgesiedelt werden?

Große Teile der Lagunenstadt Venedig liegen nur knapp über dem Meeresspiegel – und könnten bei weiter steigendem Wasser immer häufiger überflutet werden. Ein Forschungsteam aus Italien um Piero Lionello von der Universität Salento zeigt jetzt: Reichen Schutzmaßnahmen nicht aus, könnte langfristig sogar eine Verlegung der Stadt nötig werden.

Besorgniserregende Zahlen

Die Zahlen sind beunruhigend: Mehr als die Hälfte Venedigs lag im Jahr 2020 nur zwischen 80 Zentimetern und 1,20 Metern über dem Meeresspiegel. Bis zum Jahr 2100 erwarten die Forscher einen Anstieg von 0,42 bis 0,81 Metern. Ohne Schutzmaßnahmen würde das bedeuten, dass bei Hochwasser „15 Prozent, 70 Prozent beziehungsweise 98 Prozent des Stadtzentrums“ überflutet wären.

Warum Venedig besonders gefährdet ist

Zum steigenden Meeresspiegel kommt ein zweites Problem: Der Untergrund der Stadt sinkt seit Jahrzehnten ab. Beides zusammen führt schon heute regelmäßig zu Überschwemmungen. In den vergangenen 23 Jahren stand laut der Studie 18 Mal mehr als 60 Prozent der Stadt unter Wasser.

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Zwar schützt seit 2022 das mobile Barriere-System „Mose“ vor Sturmfluten. Es schließt bei Bedarf die Zugänge zur Lagune. Doch die Forscher gehen davon aus, dass dieser Schutz mit weiter steigendem Meeresspiegel an Grenzen stößt. Häufigere Einsätze könnten Technik und Abläufe belasten, zudem drohen Folgen für Hafenbetrieb, Ökosysteme und Abwasser – bei Kosten in Milliardenhöhe.

Welche Lösungen diskutiert werden

Als nächste Schritte prüfen die Forscher mehrere Strategien. Ringdämme könnten das Stadtzentrum vom Meer abtrennen und so Gebäude und Wirtschaft schützen. Allerdings würde sich das typische Bild der Lagune deutlich verändern.

Eine andere Option wäre, die Lagune komplett zu schließen und in eine Art Küstensee umzuwandeln. Das würde das Stadtbild erhalten, hätte aber massive Folgen für das natürliche Ökosystem. In beiden Fällen wären zusätzliche technische Systeme nötig – ebenfalls mit hohen Kosten.

Wenn nur noch der Rückzug bleibt

Keine dieser Maßnahmen hält laut Studie unbegrenzt stand. Steigt der Meeresspiegel stark, bleibt als letzte Option nur ein radikaler Schritt: die Verlegung von Bewohnern und ausgewählten Denkmälern ins Landesinnere. Damit gingen „das historische Stadtbild, die lagunenbezogene Kultur“ und viele Lebensweisen verloren.

Ohne Eingreifen würde sich die Lagune langfristig ohnehin stark verändern – hin zu einem tieferen Meeresgebiet mit anderem Ökosystem. Die Forscher halten fest, dass eine Verlegung „im 22. Jahrhundert … unausweichlich werden“ könnte, falls Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichen.

Noch bleibt Zeit für Gegenmaßnahmen. Wie lange, hängt maßgeblich davon ab, wie stark der Meeresspiegel tatsächlich steigt.

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