EU-Subventionen für die Herrscherfamilie von Abu Dhabi
Die Herrscherfamilie von Abu Dhabi, die Al Nahyans, soll über ihre landwirtschaftlichen Flächen in Europa EU-Agrarsubventionen in Millionenhöhe erhalten haben. Dies geht aus einer gemeinsamen Recherche der Klimaschutzorganisation DeSmog, der spanischen Zeitung El Diario und des rumänischen Nachrichtenportals G4Media hervor, die der britische Guardian veröffentlichte.
Familie Al Nahyan: Zweitreichste Familie der Welt
Die Familie Al Nahyan besitzt nach Schätzungen ein Vermögen von über 320 Milliarden US-Dollar, das hauptsächlich aus den Ölreserven der Vereinigten Arabischen Emirate stammt. Über ein Netzwerk von Unternehmen und Tochtergesellschaften, darunter der Staatsfonds ADQ, kontrolliert sie Ackerflächen in Rumänien, Italien und Spanien. Laut der Recherche erhielten diese Gesellschaften zwischen 2019 und 2024 mehr als 71 Millionen Euro an EU-Subventionen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).
Recherche: 110 Zahlungen an ein Firmennetzwerk
Die Organisation DeSmog wertete gemeinsam mit den Medienpartnern Daten von Tausenden Begünstigten der Agrarsubventionen aus. Dabei identifizierten sie 110 Zahlungen an ein Netzwerk von Unternehmen, die von der Familie Al Nahyan kontrolliert werden. Die höchste Summe ging an einen rumänischen Agrarkonzern, der den größten Bauernhof Europas betreibt. Auf Anfragen des Guardian reagierten die meisten Beteiligten nicht; der ADQ lehnte eine Stellungnahme ab.
Kritik an Subventionspraxis und EU-Reform
Kritiker bemängeln, dass vor allem große Betriebe von den Subventionen profitieren. Die EU-Kommission hat 2025 einen Vorschlag für die Jahre 2028 bis 2034 vorgelegt, der eine Obergrenze von 100.000 Euro pro Landwirt und Jahr vorsieht. Der Grünen-Europaparlamentarier Thomas Waitz aus Österreich nannte die Subventionen für die reiche Herrscherfamilie einen „Skandal“. Er betonte, dass 99 Prozent der Landwirte weniger als 100.000 Euro pro Jahr erhielten. Das Agrarbudget sei nicht für „fossile Brennstoffindustrie-Dynastien und Ultrareiche“ gedacht, sondern solle echte europäische Bauern stärken.



