Eispanzer gegen Spätfrost: Brandenburger Landwirte schützen Heidelbeer-Ernte mit Beregnung
Eispanzer gegen Spätfrost: Landwirte schützen Heidelbeeren

Eispanzer gegen Spätfrost: Brandenburger Landwirte schützen Heidelbeer-Ernte mit Beregnung

In den kalten Aprilnächten stehen Brandenburger Obstbauern auf ihren Feldern, um ihre wertvollen Heidelbeer-Pflanzen vor Frostschäden zu bewahren. Mit aufwendiger Frostschutzberegnung versuchen sie, die empfindlichen Blüten zu schützen – ein teures Verfahren, das längst nicht alle Betriebe leisten können.

Nächtlicher Einsatz für die Ernte

Landwirt Malte Voigts aus Kremmen im Landkreis Oberhavel berichtet von seinen nächtlichen Einsätzen: „Sobald Temperaturen um null Grad angekündigt sind, müssen wir nachts raus“. Auf einem Teil seiner 25 Hektar großen Heidelbeer-Felder setzt er auf Frostschutzberegnung, um die Obstblüten vor Schäden zu bewahren. Diese sensible Phase hält für Obstbauern mit Plantagen bis in den Mai an, wenn späte Nachtfröste drohen.

Wie der Eispanzer funktioniert

Die Methode ist physikalisch clever: Zwischen den Heidelbeer-Kulturen verlaufen Wasserleitungen für die Beregnungsanlagen. Die Sträucher werden damit berieselt, sodass sich um die Blüten ein isolierender Eispanzer bildet. Dabei entsteht sogenannte Erstarrungswärme, die Blüten und Knospen vor dem Erfrieren schützt. Wichtig ist laut Voigts, die Beregnung erst abzuschalten, wenn der Eispanzer vollständig geschmolzen ist – auch bei Sonne und Plusgraden. Neben seinem Betrieb in Kremmen setzt auch ein Betrieb in Klaistow bei Beelitz auf diese Methode.

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Teure Investition mit hohen Hürden

Doch die Frostschutzberegnung bleibt eine Ausnahme. Klaus Hentschel, Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, erklärt: „Man braucht als erstes sehr viel Wasser in kurzer Zeit“. Die Investitionen für notwendige Wasserbecken und Beregnungsanlagen können nicht jeder Betrieb aufbringen, da es ein zusätzliches System neben der üblichen Tröpfchenbewässerung darstellt. Zudem sind die bürokratischen Hürden hoch, etwa bei Genehmigungen für das Bohren von Brunnen.

Spätfröste werden häufiger

Die Herausforderungen für die Obstbauern könnten sich noch verschärfen. Laut Gartenbauverband treten Spätfröste inzwischen häufiger auf: „Früher gab es alle 5 bis 6 Jahre Spätfröste. Jetzt muss man jedes zweite Jahr damit rechnen“, so Hentschel. Die Folgen können verheerend sein – im April 2024 sorgte Frost für große Ernteeinbußen bei Äpfeln in Brandenburg mit Millionenschäden.

Unsicherheit bis zur Ernte

Ob die diesjährige Heidelbeer-Ernte gesichert ist, bleibt ungewiss. Erst Anfang Juni wird sich zeigen, ob viele Blüten geschädigt wurden. Kulturheidelbeeren werden meist ab Juli geerntet. Die Frucht war 2024 mit einer Anbaufläche von 3.500 Hektar die bedeutendste Strauchbeerenart in Deutschland – die Fläche wächst seit Jahren kontinuierlich.

Weitere Wetterrisiken drohen

Die Landwirte müssen sich neben Spätfrösten bis Mai auf weitere Wetter-Risiken einstellen. Hagel stellt eine zusätzliche Bedrohung dar, die Schutzmaßnahmen wie Hagelschutznetze für Obstplantagen erfordert. „Das ist das nächste Problem, wo weiter investiert werden muss“, betont Hentschel. Für viele Betriebe bedeutet dies eine doppelte finanzielle Belastung in unsicheren Zeiten.

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