Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern: Rückgrat der Region trotz Herausforderungen
Anlässlich des 35-jährigen Bestehens des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern haben Landwirte und Politiker in Linstow die immense Bedeutung der Agrarwirtschaft für das Bundesland hervorgehoben. Die Festveranstaltung wurde von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) eröffnet, die die Entwicklung der Branche seit der Wende würdigte.
„Die Wende stellte für alle einen gigantischen Umbruch dar, doch besonders für die Landwirtschaft“, erklärte Schwesig vor den versammelten Delegierten. „Heute sichert eine moderne Landwirtschaft in MV unsere Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln.“
Wirtschaftliche Schlüsselrolle mit bundesweiter Spitzenposition
Die Zahlen unterstreichen die herausragende Stellung der Landwirtschaft im Nordosten Deutschlands:
- Mit 3,4 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung liegt Mecklenburg-Vorpommern deutlich über dem Bundesdurchschnitt
- Rund 5.000 landwirtschaftliche Betriebe bieten etwa 25.000 Menschen Arbeit
- Kein anderes Bundesland weist einen höheren Anteil landwirtschaftlich genutzter Flächen auf
Agrarminister Till Backhaus (SPD), der seit 1998 im Amt ist und per Videobotschaft aus Bad Reichenhall gratulierte, betonte: „Die Landwirtschaft prägt unser Land wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Sie ist ein zentraler Pfeiler für lebendige ländliche Räume.“
Akute Belastungen durch internationale Krisen
Landesbauernpräsident Karsten Trunk nutzte den Bauerntag, um auf die aktuellen Herausforderungen hinzuweisen: „Internationale Konflikte treiben Energiepreise in die Höhe, Lieferketten geraten ins Wanken – und wir spüren die Folgen unmittelbar auf unseren Äckern.“
Besonders dramatisch stellt sich die Situation bei Düngemitteln dar:
- Die Preise haben sich teilweise verfünffacht
- Die Verteuerung trifft die Betriebe genau zur kritischen Frühjahrsbestellung
- Viele Landwirte stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand
Hintergrund dieser Entwicklung ist die Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges. Diese wichtige Schifffahrtsroute wird nicht nur für Öl- und Gastransporte genutzt, sondern auch für den weltweiten Düngemittelhandel. Die Unterbrechung hat zu erheblichen Engpässen und Preisexplosionen geführt.
Warnung vor Kürzungen bei EU-Fördermitteln
Neben Schwesig, Trunk und Backhaus nahm auch Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, an der Veranstaltung teil. Gemeinsam mit 133 Delegierten aus 15 Kreis- und Regionalverbänden warnten alle Redner eindringlich vor geplanten Kürzungen der EU-Agrarfördermittel, die die Existenz vieler Betriebe zusätzlich gefährden würden.
Im Rahmen des Bauerntages wurde der frühere Verbandspräsident Detlef Kurreck als Ehrenmitglied ausgezeichnet. Damit würdigte der 1991 gegründete Landesverband, der aktuell 1.800 Mitgliedsbetriebe vertritt, das jahrzehntelange Engagement des Diplom-Agraringenieurs für die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Landwirtschaft bleibt trotz aller Widrigkeiten eine tragende Säule des Bundeslandes, betonten die Teilnehmer unisono. Die Branche stehe zwar vor enormen Herausforderungen durch Klimawandel, internationale Konflikte und wirtschaftliche Belastungen, doch ihre Bedeutung für Ernährungssicherheit, Arbeitsplätze und ländliche Entwicklung sei unverändert hoch.



