„Och, horch' doch mal, wie schön!“: Das ganze Dorf lauscht dem Storchen-Vorspiel
Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren lebe ich nun schon in einem kleinen Dorf in der Uckermark. Als Kind, das in einem Plattenbau aufgewachsen ist, haben mich die Natur und die Ruhe des flachen Landes von Anfang an tief beeindruckt. In diesen Tagen wird die beschauliche Idylle jedoch auf ganz besondere Weise durchdringend unterbrochen – durch ein lautes, rhythmisches Geklapper, das von hoch oben in den Bäumen erklingt.
Ton an! Im Video erhalten Sie einen lebhaften Eindruck von diesem außergewöhnlichen Naturschauspiel.
Sie ahnen es vermutlich bereits: Unsere beiden Klapperstörche veranstalten zurzeit einen beachtlichen Lärm. Es ist kaum zu fassen, welche Kraft in den Kehlen dieser eleganten, schlanken Vögel steckt. „Aber warum klappern die beiden eigentlich so unermüdlich?“, fragte ich gestern Abend beim gemeinsamen Abendessen meine Familie.
Weil das so ist? Eine einfache Antwort genügt nicht
„Weil das so ist, daher stammt doch auch ihr Name“, lautete die zunächst etwas lapidare Antwort. Doch damit wollte ich mich nicht zufriedengeben und beschloss, der Sache genauer auf den Grund zu gehen.
In der Fachliteratur fand ich die Bestätigung: Der Weißstorch kann, wie die meisten seiner Verwandten, außer Zischlauten und dem charakteristischen Schnabelklappern keine weiteren Töne von sich geben. Sein Stimmapparat ist nur sehr schwach ausgeprägt. „Das Klappern dient einerseits der Verständigung untereinander, beispielsweise zur Begrüßung des Partners am Nest und als Teil des Balzrituals, das dem Vorspiel für die Paarung dient. Andererseits dient es der Verteidigung gegen Eindringlinge. Der Ton entsteht, wenn beide Schnabelhälften schnell aufeinandergeschlagen werden. Selbst die Jungvögel fangen bereits im Nest mit dem Klappern an, es ist ihnen angeboren“, erfuhr ich auf der Internetseite von „Storchennest“ Fohrde.
Immer noch derselbe alte Storch?
Diese Erkenntnis fand ich äußerst spannend. Somit werden wir alle aktuell Zeugen davon, wie unser alter Storch – der schon seit vielen Jahren hierher zurückkehrt – sich um seine Partnerin bemüht. Ob es sich bei den beiden noch um dieselben Vögel handelt wie zu meinem Einzug? Das wage ich zu bezweifeln, obwohl Experten zufolge Weißstörche in freier Wildbahn bis zu fünfunddreißig Jahre alt werden können. Und anders als beim Menschen soll die Fortpflanzungsfähigkeit bis zum natürlichen Lebensende erhalten bleiben. Respekt, liebes Storchenpaar, Respekt!
Und selbst wenn es in dieser Brutsaison keinen Nachwuchs mehr geben sollte – dann habt ihr beim Balzen wenigstens euren Spaß gehabt, gut hörbar für das gesamte Dorf. Die Dorfbewohner lauschen diesem natürlichen Konzert mit einer Mischung aus Faszination und amüsiertem Schmunzeln, während die Störche hoch oben in den Bäumen an der Kirche ihr beeindruckendes Schauspiel aufführen.



