Münchner Naturparadies Eggarten: 1850 geplante Wohnungen bedrohen einzigartiges Ökosystem
In München steht eine der bedeutendsten Naturschutzentscheidungen der letzten Jahre an: Soll das grüne Idyll Eggarten mit seinen 950 dokumentierten Bäumen einer Wohnbebauung mit knapp 1900 Wohneinheiten weichen? Die Büschl Unternehmensgruppe hat das Gelände der historischen Gartenkolonie erworben und plant dort umfangreiche Neubauten. Seit neun Jahren formiert sich dagegen der Protest unter dem Motto "Rettet den Eggarten".
Entscheidungstag im Planungsausschuss: Naturschutz contra Wohnungsnot
Am Mittwoch diskutieren die 22 Mitglieder des Planungsausschusses des Münchner Stadtrats über eine mögliche Flächennutzungsplanänderung für das als "Lost Place" bezeichnete Naturidyll im Münchner Norden. Der Eggarten, halb so groß wie die Theresienwiese, gilt als grüne Oase und Herzstück zweier Biotopverbundsachsen.
Martin Schreck von der Bürgerinitiative Eggarten warnt eindringlich: "Der Eggarten ist einzigartig. Politik und Gesellschaft unterschätzen noch, wie wichtig diese Baumkronenabdeckung und die Ökosystemleistungen grüner Oasen sind. Ich befürchte, wir schaffen hier eine Hitzeinsel, wenn alles abgeholzt wird. Jungbäume benötigen dreißig Jahre, eine ganze Generation, bis sie vergleichbare Vorteile bieten."
Lebensraum für seltene Arten: Vom Waldkauz bis zur Zauneidechse
Im Eggarten sind bis zu vierzig verschiedene Vogelarten heimisch, darunter ein brütender Waldkauz, der kürzlich in einer Baumhöhle entdeckt wurde. Das Gebiet bietet Lebensraum für Füchse, Fledermäuse, Zauneidechsen und Frösche. Heinz Sedlmeier (64), Chef der LBV-Kreisgruppe München, betont: "Es ist schon verrückt, dort hineinzubauen. Wenn ich ins Herz von zwei Biotopwanderachsen einen Betonklotz setze, dann ist das katastrophal."
Der Eggarten fungiert als grüner Kreuzungspunkt mehrerer Biotope: von der Allacher Heide im Westen über den Eggarten bis zu den Bahnbiotopen am Virginia Depot sowie von den Freiflächen um die drei Seen im Norden – Lerchenauer-, Fasanerie- und Feldmochinger See – hinunter zum Olympiapark.
Protestaktionen und politische Appelle
Die Bürgerinitiative hat heute Morgen von 8.30 bis 9.30 Uhr auf dem Marienplatz vor dem Rathaus demonstriert. Martin Schreck versorgte alle Fraktionsvorsitzenden, die 22 Ausschussmitglieder sowie die Bürgermeister Dominik Krause und Verena Dietl mit aktuellen Drohnenaufnahmen: "Bilder sagen mehr als tausend Worte. Der Eggarten sieht von oben aus wie ein Urwald. Wer heute für die Bebauung stimmt, weiß genau, was er zerstört."
Sedlmeier kritisiert die geplante Abstimmung durch den alten Stadtrat: "Diese Entscheidung ist eine entscheidende Weiche für die Zukunft Münchens. Ich hoffe, dass der kommissarisch agierende Oberbürgermeister Dominik Krause heute ein Machtwort spricht und die Eggarten-Entscheidung auf den neu konstituierenden Stadtrat verlagert!"
Alternative Lösungen für den Wohnungsbau
Die Naturschützer betonen, dass sie sozialen Wohnungsbau nicht grundsätzlich ablehnen. Sedlmeier verweist auf Alternativen: "Die Politik hat versprochen, zuerst Parkplätze zu überbauen und Gebäude aufzustocken. In München stehen eine Million Quadratmeter Gewerbefläche leer, die in Wohnungen umgewandelt werden könnte. Das sollte priorisiert werden, bevor man ins Grün betoniert."
Martin Schreck ergänzt: "Der Eggarten ist nicht nur mein Paradies. Er ist als Attraktion im Kulturgeschichtspfad Feldmoching-Hasenbergl gelistet. Wir wollen Wohnungsbau nicht verhindern – aber bitte nicht an dieser einzigartigen Stelle."
Die Entscheidung des Planungsausschusses wird zeigen, ob München den Schutz dieses ökologischen Juwels höher gewichtet als kurzfristige Wohnbauprojekte.



