Nandus in Norddeutschland: Eine tierische Überraschung aus Südamerika
Wer durch die norddeutsche Landschaft fährt, rechnet normalerweise nicht mit exotischen Tieren. Doch im Biosphärenreservat Schaalsee und den angrenzenden Regionen sind Begegnungen mit Nandus längst keine Seltenheit mehr. Diese flugunfähigen Straußenvögel, die ursprünglich aus den Pampas Argentiniens stammen, haben sich hier eine neue Heimat geschaffen.
Wie die südamerikanischen Vögel nach Deutschland kamen
Die Geschichte der deutschen Nandus begann um die Jahrtausendwende. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) entkamen die Tiere aus einem Gehege bei Groß Grönau. Obwohl die Winter in Norddeutschland eigentlich zu kalt für die wärmeliebenden Vögel sein sollten, überlebten sie nicht nur, sondern vermehrten sich auch erfolgreich.
Heute erstreckt sich ihr Lebensraum über Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins, besonders rund um den Ratzeburger See und den Schaalsee. Diese Region entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze beherbergt die einzige wildlebende Nandu-Population Europas.
Ein umstrittener Neubürger
Die imposanten Vögel, die bis zu 1,40 Meter groß werden können, sind bei Naturfreunden zwar beliebt, aber nicht unumstritten. Als nichtheimische Art gelten Nandus in Deutschland als invasiv und könnten Ökosysteme verändern sowie heimische Arten bedrängen.
Landwirte beklagen konkrete Schäden: Die Vögel fressen Raps und zertrampeln Felder, was zu wirtschaftlichen Verlusten führt. Aus diesem Grund versuchen Behörden, die Tiere zu vergrämen. Seit 2020 ist sogar die Bejagung der Nandus erlaubt.
Zwischen Jagd und Schutz
Das jährlich zweimal durchgeführte Nandu-Monitoring zeigt einen deutlichen Rückgang der Population. Während 2018 noch über 500 Tiere gezählt wurden, sind es aktuell nur noch 39. Dieser drastische Rückgang führt bei Experten zu der Frage, ob die Bejagung weiterhin notwendig ist.
Denn ganz verschwinden sollen die Nandus nicht. In ihren südamerikanischen Herkunftsländern sind sie bedroht und stehen unter Artenschutz. Auch in Deutschland genießen sie Schutz durch das Bundesnaturschutzgesetz. Der Bestand wird wissenschaftlich überwacht, um ein ökologisches Gleichgewicht zu wahren.
Eine besondere tierische Attraktion
Für Autofahrer auf den Straßen Richtung Lübeck oder Hamburg bleibt der Anblick eines Nandus am Straßenrand dennoch ein besonderes Erlebnis. Statt der gewohnten Hasen oder Füße steht plötzlich ein stattlicher Straußenvogel an der Feldkante – ein ungewöhnliches Bild in der norddeutschen Landschaft.
Die Geschichte der deutschen Nandus zeigt, wie sich Tierpopulationen entwickeln können, wenn sie in neue Lebensräume gelangen. Sie steht exemplarisch für die Herausforderungen im Umgang mit invasiven Arten und den schwierigen Balanceakt zwischen Artenschutz und ökologischer Verträglichkeit.



