Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Überlebenschance liegt bei nur 0,1 Prozent
Buckelwal in Ostsee: Überlebenschance nur 0,1 Prozent

Dramatischer Kampf um gestrandeten Buckelwal in der Ostsee

Seit Montag kämpft ein gestrandeter Buckelwal auf einer Sandbank in der Ostsee bei Timmendorfer Strand um sein Überleben. Zahlreiche Helfer versuchen verzweifelt, das majestätische Tier aus seiner tödlichen Falle zu befreien. Doch die Rettungsaktion entwickelt sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit, bei dem die Chancen für den Wal nach Einschätzung von Experten extrem gering sind.

Überlebenschance liegt bei nur 0,1 Prozent

Der bekannte Meeresbiologe und Tierschützer Robert Marc Lehmann (43), der über eine Million Abonnenten auf seinem YouTube-Kanal hat, bewertet die Situation als äußerst kritisch. „Die Chancen auf eine Rettung sind sehr, sehr, sehr, sehr gering“, erklärte Lehmann gegenüber Medien. Konkret beziffert der Experte die Überlebenschance des Wals auf gerade einmal 0,1 Prozent.

Lehmann wagte sich im Neoprenanzug ganz nah an das gestrandete Tier heran, um dessen Zustand persönlich zu begutachten. „Er hat einen guten Eindruck gemacht. Er wusste, dass ich da bin, dass ich ihn anschwimme und hat sofort vokalisiert, also wirklich so Ruflaute“, beschreibt der Meeresbiologe seine Begegnung. „Ich habe ihn einmal vorne kurz angetippt, da hat er sofort reagiert.“

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Salzarmes Ostseewasser als zusätzliche Gefahr

Ein besonderes Problem stellt das salzarme Wasser der Ostsee für den Buckelwal dar. Lehmann erklärt: „Wir haben nicht genug Salzgehalt für diese Wale, das Wasser schwemmt die Haut quasi auf. Es strömt in die Zellen, lässt sie so aufblähen.“ Diese Aufquellung führt zu der charakteristischen buckeligen Haut, die bei dem gestrandeten Tier bereits deutlich sichtbar ist.

Noch gefährlicher wird es, wenn die aufgequollene Haut aufbricht – was bei diesem Wal vermutlich bereits geschehen ist. In diesem Fall drohen Sekundärinfektionen durch Pilze und Bakterien, die den ohnehin geschwächten Organismus zusätzlich belasten würden.

Gestresstes Tier in ungünstiger Position

Der Wal liegt in einer denkbar ungünstigen Position: Der Kopf befindet sich im Flachwasser, während der Schwanz im Tiefwasser liegt. Trotz dieser schwierigen Situation zeigt das Tier noch Lebenszeichen. „Ich bin überrascht, wie fidel der ist. Der ist dick, der ist nicht abgemagert“, berichtet Lehmann. Der Wal habe sogar einige Schläge mit seiner Schwanzflosse gemacht.

Doch der Experte spürt auch die Angst des Tieres: „Aber es geht ihm schlecht. Er hat richtig Angst.“ Zusätzlich behindert ein Stück Fischernetz im Maul des Wals mögliche Bewegungen. Das Tier hatte sich ursprünglich in Netzen verheddert, bevor es auf der Sandbank strandete.

Rettungsversuche mit Bagger und Begleitbooten

Die Rettungskräfte setzen nun auf einen Bagger, der dem Wal eine Schwimm-Rinne graben soll. Lehmann hofft: „Ich hoffe, dass die Rinne tief genug ist, dass Material nachrutscht und der Wal motiviert wird, durch diesen Nachrutsch reinzuschwimmen.“

Für den Fall, dass der Wal tatsächlich freikommt, sind Boote bereit, das Tier zu begleiten. Diese sollen verhindern, dass der Wal die Orientierung verliert und erneut Richtung Land schwimmt. „Die Rettung ist, wenn der Wal gesund, fressend auf dem Weg in die Nordsee und dann in den Atlantik ist und ganz am Ende überlebt“, definiert Lehmann den Erfolg der Aktion.

Zeit wird knapp für den geschwächten Wal

Der Buckelwal hat seit vier Tagen nichts mehr gefressen, was seine Situation zusätzlich verschärft. „Er frisst nicht, also wird er irgendwann völlig dehydrieren, entkräften, aufgeben“, warnt der Meeresbiologe. Sollten alle Rettungsversuche scheitern, müsse das Tier möglicherweise erlöst werden.

Die dramatische Rettungsaktion an der Ostseeküste zeigt einmal mehr die Gefahren, denen Meeressäuger durch menschliche Einflüsse wie Fischernetze und veränderte Lebensbedingungen ausgesetzt sind. Ob der Buckelwal am Ende doch noch gerettet werden kann, bleibt ungewiss – die nächsten Stunden werden entscheidend sein.

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