Koala-Spürhund Bear beendet Heldenkarriere: Elf Jahre im Einsatz für bedrohte Beuteltiere
Die Erde ist verkohlt, durch die Luft des australischen Eukalyptuswaldes wabert noch der strenge Geruch von giftigem Rauch. Irgendwo zwischen den skelettartigen Stämmen bleibt ein Hund stehen, senkt die Nase – und legt sich an den Fuß eines Baumes. Das ist das Signal: Hier oben lebt noch jemand. Der Hund heißt Bear und hat als Meisterschnüffler für verletzte Koalas weltweit Schlagzeilen gemacht. Jetzt geht die Fellnase mit elf Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.
Vom schwer vermittelbaren Hund zum gefeierten Lebensretter
Bear, ein blauäugiger Australian Koolie, war einer der ersten Hunde in Australien, der von der Tierschutzorganisation IFAW (International Fund for Animal Welfare) und einem Team der University of the Sunshine Coast darauf trainiert wurde, lebende Koalas am Geruch ihres Fells aufzuspüren. Für Menschen ist eine Sichtung äußerst schwierig, weil die Beutelsäuger so hoch in den Bäumen leben.
Dabei galt Bear einst wegen seiner schier grenzenlosen Energie und seines ausgeprägten Spieltriebs als schwer vermittelbar. „Oft sind die schwierigsten Haustiere die besten Spürhunde, und Bear ist ein Paradebeispiel dafür“, erläutert Josey Sharrad, Programmleiterin von IFAW. „Seine Energie und seine Ballbesessenheit machten ihn zum perfekten Kandidaten.“
Einsatz während der verheerenden Buschfeuer
Besonders während der katastrophalen Buschfeuer von August 2019 bis März 2020 – dem sogenannten „Schwarzen Sommer“ – machte Bear mit seinem fabelhaften Riecher für Beuteltiere in Not weltweit Schlagzeilen. Mehr als 19 Millionen Hektar Land standen in Flammen, darunter viele Wälder. Unzählige Tiere kamen ums Leben.
Mindestens 60.000 der nur in Australien heimischen Koalas wurden nach Schätzungen der Umweltorganisation WWF getötet, verletzt, vertrieben oder traumatisiert. Bilder von Tieren mit angesengtem Fell und verbrannten Pfoten gingen um die Welt und lösten internationale Betroffenheit aus.
In dieser dramatischen Situation begann der Sondereinsatz von Bear und seinen Spürhund-Kollegen. Koalas sind den Flammen besonders schutzlos ausgeliefert: Sie bewegen sich langsam und leben überwiegend in den Kronen von Eukalyptusbäumen – genau dort, wo Feuer schnell und mit großer Intensität wüten. Selbst wenn sie überleben, leiden viele unter schweren Verbrennungen und Rauchvergiftungen.
Mehr als 100 Koalas gerettet
In seiner gesamten Laufbahn spürte Bear laut IFAW mehr als 100 hilfsbedürftige Koalas auf. Sein Geruchssinn ist um ein Vielfaches feiner als der des Menschen, was ihn zum idealen Suchtier machte. Für jeden erfolgreichen Fund gab es als Belohnung sein absolutes Lieblingsspielzeug – einen Ball.
„Bear war ein großer Teil unseres Lebens und ein unermüdlicher Botschafter für Koalas über ein Jahrzehnt hinweg“, sagt Romane Cristescu von der University of the Sunshine Coast, eine seiner früheren Hundeführerinnen. „Dieser ganz besondere Hund habe Herzen auf der ganzen Welt zum Schmelzen gebracht und viele Türen geöffnet, damit wir kritische und schwierige Gespräche über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die bedrohten Koalas führen konnten.“
Seine Tapferkeit brachte ihm verschiedene Auszeichnungen ein, ihm sind eine Dokumentation („Bear - Koala Hero“) und ein Kinderbuch gewidmet. Sogar Hollywoodstars wie Tom Hanks und Leonardo DiCaprio feierten den talentierten Vierbeiner in sozialen Netzwerken.
Schutzausrüstung und besondere Fähigkeiten
Auch Bear musste während seiner Einsätze spezielle Vorkehrungen treffen. Auf der verbrannten Erde trug er Schutzstiefel, um seine Pfoten zu schützen. „Jetzt hat er seine Stiefel zum letzten Mal ausgezogen“, schrieb IFAW. „Aber sein Vermächtnis wird in der nächsten Generation von Spürhunden weiterleben, die in seine berühmten Pfotenabdrücke treten“, betonte Josey Sharrad.
In der Forschung gelten Hunde schon lange als besonders geeignet für die Suche nach Wildtieren:
- Ihr Geruchssinn ist um ein Vielfaches feiner als der des Menschen
- Sie können gezielt auf bestimmte Duftstoffe trainiert werden
- Sie können große Gebiete systematisch absuchen
Neben Hunden werden auch andere Tierarten für spezielle Aufgaben trainiert. Ratten etwa kommen in der Minensuche oder beim Aufspüren von Krankheiten zum Einsatz, weil sie leicht, schnell und gut trainierbar sind. Delfine werden von Militärs genutzt, um unter Wasser Objekte – darunter ebenfalls Minen – zu lokalisieren. Dennoch gelten Hunde weltweit als die vielseitigsten Detektoren.
Wohlverdienter Ruhestand an der Sunshine Coast
Bear lebt nun mit einer seiner früheren Hundeführerinnen, Riana Gardiner, an der Sunshine Coast nördlich von Brisbane. Noch immer verbringe er viel Zeit draußen, speziell am Strand, berichtete eine IFAW-Sprecherin.
Nach zehn Jahren im Koala-Einsatz darf er sich jetzt in Ruhe den Bauch kraulen lassen und seinem Lieblingsspiel nachgehen – dem Apportieren. „Mit seinem fröhlichen und liebenswerten Wesen hat er vielen Menschen in den schwersten Momenten ihres Lebens Trost gespendet“, würdigte IFAW den Retter auf vier Pfoten. Was bleibe, sei die tiefe Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre mit diesem außergewöhnlichen Hund.
Als Bear erstmals das Brandgebiet betrat, habe niemand geahnt, was er leisten würde – bis er alle Erwartungen übertraf, erinnert sich Sharrad. „Da wurde uns klar, dass wir es nicht einfach nur mit einem Hund zu tun hatten, sondern mit einem wahren Helden.“



