Wal-Rettungsversuch vor Poel: Geduldige Bergung des gestrandeten Buckelwals
Der Rettungsversuch für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel nimmt weiterhin viel Zeit in Anspruch. Seit nunmehr drei Tagen arbeitet eine private Initiative unermüdlich daran, das beeindruckende Meeressäugetier lebend zurück in die offenen Gewässer zu bringen. Walter Gunz, Mitgründer von Mediamarkt und einer der Hauptfinanziers der Aktion, zeigt sich vorsichtig optimistisch. „Es läuft eigentlich soweit ganz gut“, erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind ja am Beginn des Prozesses.“ Ursprüngliche Hoffnungen auf einen zügigen Transport des Wals in die Nordsee bis Freitag haben sich jedoch zerschlagen.
Behutsame Vorbereitungen und technische Herausforderungen
Am Samstag waren erneut zahlreiche Helfer vor Ort im Einsatz. Eine schwimmende Arbeitsplattform näherte sich dem Wal behutsam an, hielt aber noch respektvollen Abstand. Der Greifarm eines Baggers bewegte sich kontrolliert, und ein großer Schlauch wurde ins Wasser gelassen. Dabei waren deutliche Geräusche und aufgewirbeltes Wasser zu beobachten. Es handelte sich offenbar um probeweise Spülungen, wie der beauftragte Tauchunternehmer Fred Babbel bereits am Freitag angekündigt hatte. Diese Maßnahmen dienen dazu, Sand im Bereich des Wals wegzuspülen, um das Tier später mit speziellen Luftkissen anheben zu können. Babbel betonte, dass zunächst in größerer Entfernung getestet werden sollte, um die Reaktion des sensiblen Wals nicht zu überfordern. „Wenn das alles gut läuft, werden wir uns dann dichter nähern.“
Geplante Bergungsmethode und aktuelle Beobachtungen
Der ausgeklügelte Rettungsplan sieht vor, unter den Wal eine robuste Plane zu führen, die zwischen mehreren Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigt ist. Mit diesem System soll der Buckelwal aus dem flachen Küstenbereich geborgen und anschließend sicher in Richtung Nordsee transportiert werden. Ein Schlepper wird die Pontons an einer langen Leine ziehen. Messungen des zuständigen Umweltministeriums ergaben, dass der gestrandete Wal beeindruckende 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch ist.
Am Samstag verhielt sich der Wal deutlich ruhiger als noch am Freitag, als er bei der Annäherung eines Tauchers plötzlich heftig mit seinen Flossen ausschlug. Das Tier blieb weitgehend regungslos, zeigte nur gelegentlich leichtes Buckeln und stieß in regelmäßigen Abständen charakteristische Wasserfontänen aus. Helfer überprüften erneut das Maul des Wals, um mögliche Reste eines Netzes zu entfernen.
Abstimmungen mit Behörden und Sonderregelungen
Die Initiatoren der Rettungsaktion, Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, halten sich mit detaillierten Informationen zum Fortschritt der Arbeiten bewusst zurück. „Glauben Sie mir, wir müssen unserem Team im Moment den Rücken freihalten, damit die in Ruhe arbeiten können“, betonte Walter-Mommert. Sie verwies auf komplexe Abstimmungen mit den zuständigen Behörden, die intern für erheblichen Aufwand sorgen. So muss beispielsweise die Anwendung von Tüchern mit Zinksalbe zur Behandlung von Hautproblemen des Wals täglich neu beantragt und genehmigt werden.
Eine Sprecherin des Schweriner Umweltministeriums bestätigte die Bemühungen um schnelle Verfahren. So erhielt die von der Initiative aus Hawaii hinzugezogene Tierärztin Jenna Wallace eine vorübergehende Berufserlaubnis – eine Sonderregelung für ausländische Tierärzte, da sie normalerweise keine deutsche Zulassung besitzt.
Fachliche Einschätzungen und öffentliches Interesse
Wissenschaftler, Behördenvertreter und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen sind sich nach gründlicher Prüfung einig, dass der Wal dringend Ruhe benötigt. Weitere Eingriffe könnten dem bereits geschwächten und orientierungslosen Tier erheblichen Schaden zufügen. Viele Fachleute bezweifeln, dass der Buckelwal die anstrengende Heimreise überhaupt überstehen würde.
Rund um die Bucht herrscht dennoch reges Treiben. Schlauchboote, Paddleboards, Segel- und Motorboote sind auf dem Wasser unterwegs, und einige Schaulustige sind extra angereist, um den gestrandeten Wal zu sehen. Selbst auf der Arbeitsplattform wurde für die Helfer eine mobile Toilette installiert – ein praktisches Detail für die langwierige Rettungsmission.



