Wolf dringt bis an Ortsrand vor und reißt tragendes Schaf
In der Nähe von Stolpe hat ein Wolf ein tragendes Schaf der Schäferei Stranz aus Gramelow angegriffen und lebendig angefressen. Der Vorfall ereignete sich direkt an der Landesstraße 331 kurz vor der Kreuzung zur Bundesstraße 198, wo sich die etwa 500 Tiere umfassende Herde auf einer Weide befand. Roland Stranz, der den Familienbetrieb seit drei Jahrzehnten führt, entdeckte gemeinsam mit seiner Tochter Franziska am Morgen nach dem Angriff das schwer verletzte Tier.
Schaf erlitt qualvollen Tod trotz möglichem Stromschlag des Wolfs
Das Mutterschaf wies einen Kehlbiss und angefressene Hinterkeulen auf, lebte jedoch noch, als es gefunden wurde. „So etwas zu finden, tut einem in der Seele weh, das Tier hatte Schmerzen. Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn einem als Tierhalter das passiert“, beschreibt Roland Stranz die emotionsgeladene Situation. Auffällig waren Blut- und Fellreste direkt neben dem elektrischen Weideschutzzaun, was die Familie zu der Vermutung führt, der Wolf könnte beim Fressen einen Stromschlag erhalten haben und deshalb von dem Schaf abgelassen haben.
Dies würde erklären, warum kein weiteres Tier verletzt oder getötet wurde. Das angeschlagene Schaf hatte sich noch auf eine Anhöhe geschleppt, wo es von Vater und Tochter Stranz entdeckt wurde. Eine sofort alarmierte Tierärztin musste das Tier von seinen Qualen erlösen, auch die Polizei nahm den Vorfall auf.
Familienbetrieb fürchtet Folgen für tragende Herde
Die circa 500 Schafe wurden nach dem schockierenden Ereignis umgehend auf eine andere Weidefläche gebracht. „Die Schafe waren ängstlich und haben den Kontakt zu uns Menschen gesucht“, schildert Roland Stranz das Verhalten der gestressten Herde. Besondere Sorge bereitet dem erfahrenen Schäfer die bevorstehende zweite Lammzeit. Es bestehe die Gefahr, dass die durch den Wolfsangriff gestressten tragenden Tiere verlammen – also ihre Lämmer vorzeitig oder tot zur Welt bringen.
Franziska Stranz, die vor fünf Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen ist und sich um die Direktvermarktung kümmert, betont: „Für uns sind das Lebewesen, keine Produkte.“ Der Vorfall hat die gesamte Familie zutiefst getroffen, zumal es der erste Wolfsangriff auf die Tiere der Schäferei Stranz war.
Nähe zu Bushaltestelle und Radweg bereitet zusätzliche Sorgen
Was die Situation zusätzlich verkompliziert, ist die unmittelbare Nähe des Tatorts zu einer Bushaltestelle, an der auch Schulkinder ein- und aussteigen. „Der Wolf hat keine Scheu vor Menschen“, stellt Roland Stranz fest und deutet damit auf ein grundlegendes Problem der Wolfspräsenz in besiedelten Gebieten.
Die Schäferei betreibt eine Hüte- und Wanderschäferei mit Hütehunden, lehnt jedoch die Anschaffung von Herdenschutzhunden ab. „Ein Herdenschutzhund bewacht seine Herde und kann dabei sehr aggressiv werden“, erklärt Stranz. Diese Verantwortung möchte er nicht übernehmen, besonders wenn seine Herde, wie in diesem Fall, direkt neben einem viel genutzten Geh- und Radweg weidet.
Eine Rissgutachterin hat den Vorfall bereits begutachtet, ein offizieller Bescheid, der den Wolf als Verursacher bestätigt, steht jedoch noch aus. Die Familie Stranz bewirtschaftet insgesamt etwa 800 Merino-Landschafe, die nach Möglichkeit nicht dauerhaft im Stall leben sollen. „Ein Schaf ernährt sich draußen, das kann nicht nur im Stall leben“, verdeutlicht Roland Stranz das Dilemma zwischen artgerechter Haltung und notwendigem Schutz vor Wolfsangriffen.



