Wolf greift trächtiges Schaf an: Schäferfamilie Stranz in Gramelow schockiert
Ein Wolf hat sich bis an den Ortsrand von Stolpe gewagt und dort ein tragendes Schaf der Schäferei Stranz aus Gramelow angegriffen. Roland Stranz, der den Familienbetrieb seit drei Jahrzehnten führt, entdeckte das verletzte Tier gemeinsam mit seiner Tochter Franziska am Morgen nach dem Vorfall. Das Schaf wies einen Kehlbiss auf und hatte eine angefressene hintere Keule, lebte jedoch noch. "So etwas zu finden, tut einem in der Seele weh, das Tier hatte Schmerzen. Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn einem als Tierhalter das passiert", schildert der erfahrene Schäfer die emotionale Belastung.
Stromzaun als möglicher Schutz: Wolf könnte Stromschlag erhalten haben
Die Auffindesituation deutet darauf hin, dass der Wolf beim Überspringen des Weideschutzzauns oder während des Fressens einen Stromschlag erhalten haben könnte. Zahlreiche Blut- und Fellreste direkt neben dem elektrischen Zaun lassen diese Vermutung zu. Nur so sei zu erklären, dass der Räuber von dem Schaf abließ und keine weiteren Tiere der etwa 500-köpfigen Herde verletzt oder getötet wurden. Das angeschlagene Mutterschaf hatte sich noch auf eine nahegelegene Anhöhe geschleppt, wo es von Vater und Tochter Stranz entdeckt wurde. Eine herbeigerufene Tierärztin musste das Tier von seinen Qualen erlösen, auch die Polizei nahm den Vorfall auf.
Bedenkliche Nähe zu belebten Orten: Bushaltestelle in unmittelbarer Reichweite
Besonders beunruhigend für die Familie Stranz ist die unmittelbare Nähe des Angriffsorts zu einer frequentierten Bushaltestelle, an der regelmäßig Schulkinder ein- und aussteigen. "Der Wolf hat keine Scheu vor Menschen", betont Roland Stranz und verweist auf die potenzielle Gefahr für die Bevölkerung. Die Schafe waren nach dem traumatischen Ereignis ängstlich und suchten vermehrt den Kontakt zu ihren menschlichen Betreuern. Die gesamte Herde wurde vorsorglich auf eine andere Weidefläche verbracht, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden.
Folgeschäden befürchtet: Stress könnte bei trächtigen Schafen zu Verlammungen führen
Der Schäfer äußert ernste Bedenken hinsichtlich möglicher Folgeschäden für die Herde. Die hochtragenden Tiere stehen unter enormem Stress, was bei den Mutterschafen zu Verlammungen führen könnte. Die zweite Lammzeit steht unmittelbar bevor, was die Situation zusätzlich verschärft. Eine offizielle Bestätigung, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelte, steht noch aus, doch eine Rissgutachterin hat den Vorfall bereits dokumentiert und untersucht.
Familienbetrieb mit Tradition: Direktvermarktung und artgerechte Haltung
Die Schäferei Stranz in Gramelow bewirtschaftet etwa 800 Tiere der Rasse Merino-Landschaf und betreibt eine traditionelle Hüte- und Wanderschäferei. Franziska Stranz, die vor fünf Jahren in den Betrieb eingestiegen ist, kümmert sich um die Direktvermarktung der Erzeugnisse. "Für uns sind das Lebewesen, keine Produkte", unterstreicht sie die emotionale Bindung zu den Tieren. Die Familie setzt auf Hütehunde, die die Herde führen, lehnt jedoch den Einsatz von Herdenschutzhunden ab, da diese bei der Bewachung aggressiv werden könnten – ein Risiko, das Roland Stranz nicht eingehen möchte, insbesondere wenn die Herde in der Nähe von Geh- und Radwegen weidet.
Herausforderungen für die Weidehaltung: Balance zwischen Naturschutz und Tierwohl
Der Vorfall bei Stolpe wirft grundsätzliche Fragen zum Herdenschutz und zum Zusammenleben von Wolf und Weidetierhaltung in der Region auf. Roland Stranz betont, dass Schafe artgerecht draußen leben müssen und nicht dauerhaft im Stall gehalten werden können. Die hochtragenden Tiere wurden während der kalten Wochen zwar in den warmen Stall gebracht, doch eine dauerhafte Stallhaltung kommt für den Schäfer nicht infrage. Der Zwischenfall zeigt die prekäre Balance zwischen dem Schutz wildlebender Tiere und der Sicherheit von Nutztieren sowie der lokalen Bevölkerung.



