Wolf dringt bis an Ortsrand vor und greift trächtiges Schaf an
In der Nähe von Stolpe hat ein Wolf ein tragendes Schaf angegriffen und schwer verletzt. Der Vorfall ereignete sich direkt am Ortsrand, wo der Wolf einen Weideschutzzaun überwand. Roland Stranz, der gemeinsam mit seiner Ehefrau und Tochter die Schäferei Stranz in Gramelow betreibt, entdeckte das blutende Tier am Morgen nach dem Angriff.
"So etwas zu finden, tut einem in der Seele weh, das Tier hatte Schmerzen. Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn einem als Tierhalter das passiert", schildert der erfahrene Schäfer die emotionale Belastung. Es handelt sich um den ersten Wolfsangriff auf die Tiere der Familienbetriebs.
Stromschlag könnte Schlimmeres verhindert haben
Die Auffindesituation deutet darauf hin, dass der Wolf beim Fressen einen Stromschlag vom Zaun erhalten haben könnte. Zahlreiche Blut- und Fellreste direkt neben dem elektrischen Zaun lassen diese Vermutung zu. Nur so sei zu erklären, dass der Räuber von dem Schaf abließ und keine weiteren Tiere der etwa 500-köpfigen Herde verletzte oder tötete.
Das schwer verletzte Mutterschaf hatte sich nach dem Angriff noch auf eine Anhöhe geschleppt, wo Vater und Tochter Stranz es fanden. Eine herbeigerufene Tierärztin musste das Tier von seinen Qualen erlösen. Auch die Polizei nahm den Vorfall auf.
Bedenkliche Nähe zu menschlicher Infrastruktur
Besonders beunruhigend für die Familie Stranz ist die unmittelbare Nähe des Angriffsorts zu einer Bushaltestelle, die auch von Schulkindern genutzt wird. "Der Wolf hat keine Scheu vor Menschen", stellt Roland Stranz fest und verweist auf die potenzielle Gefahr für die Bevölkerung.
Die etwa 500 Schafe wurden nach dem Vorfall auf eine andere Weidefläche gebracht. "Die Schafe waren ängstlich und haben den Kontakt zu uns Menschen gesucht", beschreibt Stranz das Verhalten der Herde. Nun fürchtet der Schäfer Folgeschäden: Die durch den Angriff gestressten tragenden Tiere könnten verlammen, was insbesondere mit Blick auf die bevorstehende zweite Lammzeit problematisch wäre.
Familienbetrieb mit Tradition und moderner Direktvermarktung
Roland Stranz betreibt die Schäferei seit 30 Jahren und hält etwa 800 Tiere der Rasse Merino-Landschaf. Seine Tochter Franziska ist vor fünf Jahren in den Betrieb eingestiegen und kümmert sich um die Direktvermarktung der Erzeugnisse. "Für uns sind das Lebewesen, keine Produkte", betont die junge Frau, die den Angriff auf die Familienherde zutiefst schockiert hat.
Die Familie betreibt eine Hüte- und Wanderschäferei mit entsprechenden Hütehunden. Auf den häufig geäußerten Rat, sich Herdenschutzhunde anzuschaffen, reagiert Roland Stranz ablehnend: Diese Tiere könnten sehr aggressiv werden, was insbesondere problematisch wäre, wenn die Herde in der Nähe von Geh- und Radwegen weidet.
Offizielle Bestätigung des Wolfsrisses steht noch aus
Eine Rissgutachterin hat den Vorfall bereits begutachtet, doch die offizielle Bestätigung, dass tatsächlich ein Wolf das Schaf angegriffen hat, steht der Familie Stranz noch aus. Der Fall zeigt erneut die Herausforderungen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung in der Region.
Die Schäferei Stranz steht exemplarisch für viele landwirtschaftliche Betriebe, die zwischen artgerechter Tierhaltung und notwendigem Schutz vor Wildtierangriffen abwägen müssen. Die Diskussion um angemessene Herdenschutzmaßnahmen und Wolfsmanagement wird durch diesen Vorfall neue Nahrung erhalten.



