Wolf dringt bis an Ortsrand vor und attackiert trächtiges Schaf
In der Nähe von Stolpe hat ein Wolf ein tragendes Schaf angegriffen und schwer verletzt. Der Vorfall ereignete sich direkt am Ortsrand, wo das Raubtier einen elektrischen Weideschutzzaun überwunden hatte. Roland Stranz, der gemeinsam mit seiner Ehefrau und Tochter Franziska die Schäferei Stranz in Gramelow betreibt, entdeckte das verletzte Tier am Morgen nach dem Angriff.
Schäferfamilie findet blutiges Drama an der Weide
„So etwas zu finden, tut einem in der Seele weh, das Tier hatte Schmerzen. Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn einem als Tierhalter das passiert“, beschreibt Roland Stranz die emotionale Belastung. Das Schaf wies einen tiefen Kehlbiss auf, eine hintere Keule war bereits angefressen worden. Erstaunlicherweise lebte das Tier noch, als es entdeckt wurde.
Vater und Tochter vermuten, dass der Wolf beim Fressvorgang einen Stromschlag vom Zaun erhalten haben könnte. Diese Annahme stützen sie auf die zahlreichen Blut- und Fellreste, die direkt neben dem elektrischen Zaun gefunden wurden. Nur dieser Umstand könnte erklären, warum der Wolf von seinem Opfer abließ und keine weiteren Tiere der etwa 500-köpfigen Herde attackierte.
Tragendes Mutterschaf musste erlöst werden
Das schwer verletzte, trächtige Mutterschaf hatte sich nach dem Angriff noch etwa 50 Meter vom Zaun entfernt auf eine Anhöhe geschleppt. Dort fanden es Roland und Franziska Stranz am nächsten Morgen. Umgehend alarmierten sie eine Tierärztin, die das leidende Tier von seinen Qualen erlöste. Auch die Polizei wurde informiert und nahm die Spuren auf.
Besonders beunruhigend für die Schäferfamilie ist die unmittelbare Nähe des Angriffsorts zu einer regelmäßig genutzten Bushaltestelle. „Der Wolf hat keine Scheu vor Menschen“, stellt Roland Stranz mit besorgtem Unterton fest. An dieser Haltestelle steigen täglich auch Schulkinder ein und aus, was die Situation zusätzlich dramatisch macht.
Folgeschäden für die gesamte Herde befürchtet
Die etwa 500 Schafe, die zum Zeitpunkt des Angriffs auf der Weide an der Landesstraße 331 grasten, wurden unverzüglich auf eine andere Fläche verbracht. Roland Stranz schildert das Verhalten der Tiere nach dem traumatischen Ereignis: „Die Schafe waren ängstlich und haben den Kontakt zu uns Menschen gesucht.“
Nun fürchtet der erfahrene Schäfer schwerwiegende Folgen für die gesamte Herde. Die zweite Lammzeit steht unmittelbar bevor, und durch den extremen Stress könnten zahlreiche tragende Tiere verlammen. Dies würde nicht nur emotional belasten, sondern auch existenzielle wirtschaftliche Konsequenzen für den Familienbetrieb nach sich ziehen.
Familienbetrieb mit langer Tradition betroffen
Roland Stranz betreibt seine Schäferei seit drei Jahrzehnten mit Leidenschaft und Hingabe. Insgesamt gehören etwa 800 Vierbeiner der Rasse Merino-Landschaf zum Betrieb. Vor fünf Jahren stieg Tochter Franziska in den Familienbetrieb ein und kümmert sich seither um die Direktvermarktung der hochwertigen Erzeugnisse.
„Für uns sind das Lebewesen, keine Produkte“, betont Franziska Stranz die emotionale Bindung zu ihren Tieren. Die Familie praktiziert eine traditionelle Hüte- und Wanderschäferei, bei der Hütehunde eingesetzt werden. Diese unterscheiden sich grundlegend von Herdenschutzhunden, wie Roland Stranz erklärt: Ein Hütehund „bestraft“ seine Schafe bei Fehlverhalten, während ein Herdenschutzhund die Herde bewacht und dabei durchaus aggressiv werden kann.
Diese Verantwortung möchte der Schäfer nicht übernehmen, besonders wenn seine Herden in unmittelbarer Nähe zu Geh- und Radwegen weiden, die von Spaziergängern und Radfahrern frequentiert werden. Eine Rissgutachterin hat den Vorfall inzwischen untersucht, und die Familie erwartet noch den offiziellen Bescheid, der den Wolf als Verursacher bestätigen soll.



