Verheerender Wolfsangriff bei Bredenfelde: Schäfer berichtet von Massaker an Schafen und Lämmern
Ein brutaler Wolfsangriff hat bei Bredenfelde in der Nähe von Woldegk zu einem blutigen Massaker an einer Schafherde geführt. Nach ersten Angaben des Schafherdenbesitzers Jens-Peter Lüttig aus Ballin kamen sieben tragende Mutterschafe, vier Lämmer und eine Ziege ums Leben. Die endgültige Bilanz könnte noch schlimmer ausfallen, da mehrere verletzte Tiere gefunden wurden, die möglicherweise von ihren Leiden erlöst werden müssen.
Trotz umfassender Schutzmaßnahmen: Wölfe überwinden Zaun und lösen Panik aus
Die etwa 100 Schafe und zehn Ziegen waren auf einer Weide zwischen Bredenfelde und Rehberg untergebracht – vorschriftsmäßig eingezäunt, unter Strom gesetzt und mit einem Herdenschutzhund bewacht. Dennoch gelang es den Wölfen, den Zaun zu überwinden und eine Panik unter den Tieren auszulösen. In ihrer Angst rissen die Schafe den Zaun nieder und flohen um ihr Leben. Der Herdenschutzhund flüchtete ebenfalls vor den angreifenden Wölfen.
„Da kriegste das Heulen“, fasst Schäfer Lüttig die schrecklichen Ereignisse zusammen. Er und seine Helfer benötigten einen ganzen Tag, um die verstreute Herde wieder zusammenzutreiben. Ein Schaf hatte sich im Zaun verfangen und war so zur leichten Beute geworden.
Blutiges Schlachtfeld: Wölfe töten und verletzen zahlreiche Tiere
Die Wölfe hinterließen ein regelrechtes Schlachtfeld. Sie töteten, jagten und fraßen, was ihnen vor die Schnauze kam, und bissen sogar in noch lebende Tiere. Lüttig und seine Helfer mussten bis in die Dunkelheit hinein arbeiten, um die Herde zusammenzutreiben, verletzte Tiere zu finden und die Kadaver einzusammeln. „Ein angebissenes, noch lebendes Tier haben wir einen Kilometer von der Weide entfernt gefunden“, berichtet der Schäfer, der von allen nur Pfeffi genannt wird.
Dies ist nicht der erste Wolfsvorfall für Lüttig. Vor zwei Monaten riss ein Wolf bereits ein Schaf. Diesmal handelte es sich jedoch um ein regelrechtes Blutbad, vermutlich verursacht durch mehrere Wölfe. Die betroffene Herde ist jetzt im Stall in Sicherheit, doch die Tiere sind verängstigt und nervös. Lüttig kündigte an, alle Tiere noch einmal genau zu untersuchen, um eventuell übersehene Verletzungen zu entdecken.
DNA-Proben und Drohnensuche: Umfangreiche Untersuchungen nach dem Angriff
Der zuständige Rissgutachter wurde hinzugezogen, DNA-Proben genommen und sogar mit einer Drohne nach weiteren Schafen gesucht. Die Nachricht von dem Wolfsangriff verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Region, nachdem einige der panischen Schafe durch Bredenfelde irrten.
Lüttig bewirtschaftet eine weitere Herde am Woldegker See, die ebenfalls mit Elektrozäunen und Herdenschutzhunden gesichert ist. „Wir kontrollieren regelmäßig, schauen auch nach den Batterien, mehr können wir nicht machen“, erklärt der 54-Jährige. Der finanzielle Schaden ist erheblich: Die Lämmer wären im März zur Welt gekommen, und die Muttertiere waren noch jung. Geblieben sind dem Schäfer nur die Ohrmarken der toten Tiere.
Angst und Unverständnis in der Bevölkerung: Forderungen nach strengeren Regelungen
Der Vorfall hat in der Region zu großer Verunsicherung und Verärgerung geführt. Tony Hyna, Bürgermeister von Woldegk und erfahrener Jäger, äußert deutliche Kritik: „Der Wolfsbestand ufert aus, es ist nur eine Frage der Zeit, bis er in Nutztierbestände eindringt“. Hyna, der auch Leiter des Hegerings Woldegk ist, beobachtet seit Jahren die Auswirkungen der wachsenden Wolfspopulation.
Nach seinen Beobachtungen ist die Zahl der Wölfe weitaus höher als offiziell angegeben. Er selbst habe im Raum Hornshagen/Wolfshagen sieben ausgewachsene Tiere identifiziert. Grundstücksbesitzer mit Wildkameras hätten Aufnahmen von Wölfen gemacht, die auf privaten Grundstücken umherspazierten. „Meines Erachtens ist die Zahl der Wölfe auch weitaus höher, als offiziell angegeben wird“, so Hyna.
Forderung nach rechtssicherer Entnahme: Wolf soll ins Bundesjagdgesetz
Hyna fordert dringend Regelungen, um Massaker wie das bei Bredenfelde zu verhindern. Zwar soll der Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden, doch bislang ist nichts in Kraft getreten. Das geplante Gesetz sieht vor, dass Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet haben, rechtssicher entnommen, also getötet werden dürfen.
Der Jäger verweist auf die natürliche Nahrungsmenge eines ausgewachsenen Wolfs: etwa zwei Rehe oder ein Stück Damwild pro Woche. Wenn die Nahrungssuche im Wald schwierig wird, greifen Wölfe vermehrt auf Nutztiere zurück. Hyna beobachtet bereits einen Rückgang des Wildbestands in Gebieten wie dem Hinrichshagener Wald, was sich in der vergangenen Drückjagdsaison deutlich gezeigt habe.
Der Vorfall bei Bredenfelde unterstreicht die Dringlichkeit klarer gesetzlicher Regelungen zum Umgang mit Wölfen, die zunehmend in besiedelte Gebiete vordringen und eine ernsthafte Bedrohung für die Nutztierhaltung darstellen.



