Wolgazander breitet sich in Norddeutschland aus: Neue Raubfischart erobert Gewässer
Wolgazander: Neuer Raubfisch in Norddeutschland

Neuer Raubfisch erobert norddeutsche Gewässer: Der Wolgazander breitet sich aus

In den Gewässern Norddeutschlands macht sich eine neue Raubfischart breit: der Wolgazander. Dieser aus Osteuropa stammende Fisch wurde erstmals bei Braunschweig gesichtet und hat innerhalb der letzten 15 Jahre sein Verbreitungsgebiet deutlich vergrößert. Experten des Anglerverbands Niedersachsen (AVN) bestätigen mittlerweile Nachweise aus elf Gewässern in sechs Bundesländern.

Unterscheidungsmerkmale und Herkunft des Wolgazanders

Der Wolgazander unterscheidet sich deutlich vom heimischen Zander. Charakteristisch sind seine sehr dunklen und kräftigen Streifen, die bis zum Bauch reichen, sowie eine hohe erste Rückenflosse. Anders als der Zander besitzt er keine sichtbaren spitzen Fangzähne. Mit einer maximalen Länge von 65 Zentimetern bleibt er zudem deutlich kleiner als sein heimischer Verwandter, der in Flüssen wie Elbe und Weser über einen Meter lang werden kann.

Wie der Name bereits vermuten lässt, stammt der Wolgazander ursprünglich aus dem Osten Europas. Seine natürliche Verbreitung erstreckt sich vom Ural über das Schwarze Meer bis nach Ungarn und entlang der Donau bis nach Österreich. Die neuen Erkenntnisse zum Fisch wurden vom Raubfisch-Experten Matthias Emmrich vom AVN in der „Zeitschrift für Fischerei“ zusammengefasst.

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Rasante Ausbreitung in Norddeutschland

Nach dem ersten Nachweis bei Braunschweig hat der Wolgazander sein Verbreitungsgebiet in Norddeutschland erheblich erweitert. „Uns liegen mittlerweile bestätigte Nachweise des Wolgazanders aus elf Gewässern in sechs Bundesländern vor“, erklärt Emmrich. Zu den betroffenen Bundesländern zählen:

  • Niedersachsen
  • Hamburg
  • Sachsen-Anhalt
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Nordrhein-Westfalen

Einige Funde in der Elbe in Niedersachsen liegen sogar in unmittelbarer Nähe zur Grenze von Mecklenburg-Vorpommern. Wasserstraßen wie der Mittellandkanal spielen bei dieser Ausbreitung eine entscheidende Rolle, da sie ehemals isolierte Flusssysteme miteinander verbinden. Emmrich hält es für sehr wahrscheinlich, dass der Wolgazander in naher Zukunft auch das westdeutsche Kanalnetz und das Rheinsystem besiedeln wird.

Keine Bedrohung für heimische Arten

Biologe Matthias Emmrich gibt Entwarnung: Der Wolgazander stellt keine ernsthafte Gefahr für heimische Raubfische dar. In den ersten Lebenswochen ernähren sich Raubfische hauptsächlich von Wasserflöhen, später werden kleinere Grundeln zur bevorzugten Beute. Da der Wolgazander oft kleiner bleibt als der heimische Zander, geht Emmrich nicht von einer Verdrängung aus. Schon nach den ersten Funden waren Experten zu dem Schluss gekommen, dass der Fisch langfristig in deutschen Gewässern bleiben wird, aber keine ökologische Bedrohung darstellt.

Unter Anglern erfreut sich der Wolgazander bereits großer Beliebtheit, da er als Delikatesse gilt und ähnlich gut schmecken soll wie der heimische Zander. Der Anglerverband Niedersachsen konnte bislang über tausend Fangdaten und mehr als 200 Exemplare des Wolgazanders untersuchen, um Rückschlüsse auf seine Verbreitung und Lebensweise zu ziehen.

Die Anwesenheit dieser neuen Fischart unterstreicht die dynamische Entwicklung unserer Gewässerökosysteme und zeigt, wie sich Arten durch veränderte Umweltbedingungen und menschgemachte Wasserstraßen neue Lebensräume erschließen können.

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