In Boitzenburg in der Uckermark lebt eine besondere Rinderrasse: Zwergzebus. Diese kleinen Rinder stammen ursprünglich aus Madagaskar und sind für ihre Genügsamkeit bekannt. Norbert Sitte, ein 68-jähriger Züchter, hält die Tiere auf einer ehemaligen Deponie. Er erzählt, wie er sie gegen Wolfsangriffe trainiert und warum sie selbst giftige Pflanzen fressen.
Vom Zufall zur Zucht
Norbert Sitte kam durch einen Zufall zu den Zwergzebus. 2008 durfte der Kaninchenzüchter auf der ehemaligen Deponie Heu ernten. Nachdem Fachleute den Boden auf Giftstoffe geprüft hatten, erlaubten sie auch die Beweidung. Zunächst versuchte er es mit Schafen, doch die fanden nicht genug Futter. Dann entschied er sich für Kleinrinder.
Giftpflanzen als Delikatesse
Die Zwergzebus fressen nicht nur Gras, sondern auch giftige Pflanzen wie den Riesenbärenklau, der in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ein Problem darstellt. Sie mögen auch nadelige und stachlige Pflanzen. Seit 2013 grasen die ersten drei Tiere auf der eingezäunten Weide. Sie sind robust und können das ganze Jahr draußen bleiben. „Jetzt habe ich hier eine schöne Wiese, die sie sauber halten“, freut sich Sitte.
Herausforderungen mit Kolkraben
Vor acht Jahren kam der erste Nachwuchs, doch Kolkraben töteten das Kalb. Insgesamt verlor Sitte drei Kälber an die Vögel. „Bambi“, ein kleiner Bulle, war das erste überlebende Kalb. Heute kommen jährlich ein bis zwei Kälber zur Welt. Eine Färbe, die im November geboren wurde, erwies sich als Ausreißerin und wurde im Stall aufgepäppelt.
Besonderheiten der Zwergzebus
Zwergzebus haben einen Höcker, der jedes Jahr wächst. Ein Muttertier wiegt etwa 350 Kilogramm, ein Bulle bis zu 500 Kilogramm. Sie können bis zu 20 Jahre alt werden und gibt es in verschiedenen Farben wie Schwarz, Braun und Beige. Sitte betreibt Mutterkuhhaltung, da Milchwirtschaft zu aufwendig wäre.
Schutz vor Wölfen
Neben Kolkraben bedroht der Wolf die Tiere. Vier bis sechs Wölfe ziehen durch die Gegend. Sitte trainiert mit seinen Zwergzebus die Abwehr: Die Mutter schützt ihr Kalb, und die anderen Rinder bilden einen Kreis. Ein schwarzer Schäferhund hilft dabei. „Bisher hat das zuverlässig funktioniert. Gegen die Kolkraben ist man hingegen machtlos“, sagt Sitte.



