In deutschen Großstädten ist ein trauriges Bild alltäglich: Tauben, die humpeln, deren Zehen fehlen oder die kaum noch auftreten können. Mitten im städtischen Trubel kämpfen viele dieser Vögel mit schweren Verletzungen. Hinter den verstümmelten Füßen steckt oft menschliches Verhalten, wie PETBOOK berichtet. Das Taubenhaus Südkreuz e.V. erklärt die Ursachen und mögliche Hilfe.
Wenn Müll zur tödlichen Falle wird
Zahlreiche Stadttauben haben verletzte oder fehlende Zehen. Der Grund ist meist erschreckend banal: Fäden aus Jacken, lange Kopfhaare oder Verpackungsfäden. „Die Verschnürungen kommen von allem, was fadenähnlich ist“, erklärt Lara-Salina Küchler vom Taubenhaus Südkreuz e.V. Diese Fäden wickeln sich um die Füße der Tiere und schneiden mit jedem Schritt tiefer ins Gewebe, unterbrechen die Blutzufuhr. Im schlimmsten Fall sterben Zehen oder ganze Füße ab. Bakterien in den Wunden führen zu Entzündungen, Schmerzen und Schwellungen.
Hunger treibt Tauben in die Gefahr
Nicht in jeder Stadt sind gleich viele Tiere betroffen. Der Grund liegt im Verhalten der Tauben. „Ursache ist, dass die Tauben hungrig sind und auf der Straße herumlaufen“, so Küchler. In Städten mit strengen Fütterungsverboten suchen die Tiere am Boden nach Essensresten und geraten dabei in Kontakt mit gefährlichem Müll. In Paris ist das Problem besonders stark, in Berlin weniger ausgeprägt, da Vereine dort für lokale Fütterung sorgen, sodass die Tiere weniger auf Müllnahrung angewiesen sind.
Gefährliche Abwehr an Gebäuden
Auch an Hausfassaden lauert Gefahr: Spikes zur Taubenabwehr können zur tödlichen Falle werden. Die Tiere brüten zwischen den Metallspitzen und verletzen sich oder bleiben hängen. Besonders Jungtiere spießen sich auf oder erleiden schwere Wunden. Unbehandelt führen diese Verletzungen zu Entzündungen und dauerhaften Schäden wie verstümmelten Füßen.
Schmerzen, die den Alltag bestimmen
„Für die Tiere bedeutet das in erster Linie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen“, sagt Küchler. Manche Tauben können kaum noch laufen, andere sind an beiden Füßen eingeschnürt. Die Nahrungssuche wird noch schwieriger, ein Teufelskreis entsteht, der für viele Tiere tödlich endet. Leichte Fälle lassen sich behandeln: „Manchmal kann man die Fäden einfach abschneiden, wenn sie nicht zu tief sitzen. Es kommt aber vor, dass Zehenglieder oder ganze Füße bereits abgestorben sind und eine Amputation mit Antibiotika nötig ist.“ Solche Eingriffe sind aufwendig und müssen oft von den Helfern selbst bezahlt werden.
Ein Problem, das der Mensch schafft
Verletzte Füße sind nur ein Teil des Leids. Viele Stadttauben kämpfen zusätzlich mit Hunger, Krankheiten oder Kollisionen mit Gebäuden. Besonders Jungtiere haben kaum Chancen. Am Ende bleibt eine unbequeme Wahrheit: Die meisten dieser Probleme entstehen durch die vom Menschen geprägte Umwelt. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass das Leid direkt vor unseren Füßen liegt.



