Frost und Forst in Mecklenburg: Wälder trotzen hartem Winter, aber Trockenheit droht
Der wohl härteste Winter der letzten zehn Jahre in Mecklenburgs Schweiz neigt sich dem Ende zu, doch die Förster der Region zeigen sich erstaunlich gelassen. Trotz knackiger Fröste und schneebedeckter Landschaften bleiben die Wälder robust und die meisten Waldbewohner ausreichend versorgt. Dennoch zeichnet sich ein ernstes Problem am Horizont ab: die anhaltende Trockenheit.
Gelassenheit trotz strengem Frost
In diesen Tagen bäumt sich der Winter noch ein letztes Mal auf, mit Nachttemperaturen im zweistelligen Minusbereich und vereinzelten Schneefällen. Die Meteorologen kündigen jedoch bereits für die kommende Woche Tauwetter an, pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März. Die Förster in Dargun und Stavenhagen betrachten die winterlichen Bedingungen mit Ruhe.
„Die Vegetation hat mit tiefen Temperaturen und Schnee keine Probleme. Die Bäume in unseren Wäldern sind 100 bis 150 Jahre alt. Die haben schon ganz andere Winter erlebt“, erklärt Tim Ofiara, Leiter des Darguner Forstamtes. Er sieht sogar Vorteile im gefrorenen Boden: „Wir sind derzeit in der Haupteinschlagsaison. Da ist es von Vorteil, wenn die Böden gefroren sind und wir mit der Technik den Waldboden nicht zu sehr aufwühlen.“
Waldtiere kommen zurecht – mit Einschränkungen
Auch die tierischen Waldbewohner kommen nach Einschätzung der Förster mit den winterlichen Bedingungen noch gut zurecht. „Die Schneelage ist nicht so, dass die Tiere kein Futter mehr finden würden“, so Ofiara. Eine Notzeit wie in anderen Landkreisen wurde in seinem Amtsbereich nicht ausgerufen. Bei nur zwei bis drei Zentimetern Schnee in der Mecklenburgischen Schweiz sei dies nicht notwendig.
Allerdings gibt es gewisse Einschränkungen:
- Wildschweine können nicht in den gefrorenen Böden wühlen und weichen auf abgeerntete Maisfelder aus.
- Der scharfkantige Schnee durch Eisschichten kann zu Verletzungen an den Schalen der Tiere führen.
- Förster appellieren an Waldbesucher, Lärm zu vermeiden, damit Rehe und Damwild Energie sparen können.
Sorge um fehlende Niederschläge
Ralf Hecker, Amtskollege im Forstamt Stavenhagen, teilt die grundsätzliche Gelassenheit: „Wir freuen uns, dass wir einen Winter gehabt haben. Das würde ich mir jedes Jahr wünschen“. Die Natur komme gut mit den Temperaturen klar, und von einer Notzeit sei man weit entfernt – anders als im extremen Winter 2010 mit 60 Zentimetern Schnee.
Doch eine Sorge beschäftigt Hecker zunehmend: „Seit Dezember ist viel zu wenig Niederschlag gefallen. Wir steuern auf ein trockenes Frühjahr hin“. Winterniederschläge seien entscheidend, um die tieferen Bodenschichten mit Wasser aufzufüllen. Aktuell deute sich jedoch ein großes Defizit an.
Um dieses auszugleichen, müsste es den gesamten März und April durchgehend stark regnen. Das anstehende Tauwetter in der nächsten Woche täusche dabei: Das scheinbar viele Wasser versickere nicht ausreichend, da der Boden noch gefroren sei.
Resilienz der Wälder und zukünftige Herausforderungen
Die aktuellen Beobachtungen zeigen die bemerkenswerte Resilienz der mecklenburgischen Wälder gegenüber winterlichem Stress. Die jahrhundertealten Bäume und angepassten Tierpopulationen kommen mit den frostigen Bedingungen zurecht. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch in der langfristigen Wasserversorgung.
Die Förster betonen, dass ein ausgeglichener Wasserhaushalt für die Waldgesundheit entscheidend ist. Sollte das prognostizierte trockene Frühjahr eintreten, könnte dies die Vegetationsperiode beeinträchtigen und die Wälder zusätzlich belasten. Die Winterruhe geht zu Ende, doch die Sorge um ausreichende Niederschläge bleibt.



