Kanus gegen den Müll: Freiwillige säubern die Warnow im Sternberger Seenland
Kanus gegen Müll: Freiwillige säubern die Warnow

Kanus gegen den Müll: Freiwillige säubern die Warnow im Sternberger Seenland

Mit Gummistiefeln, Müllgreifern und großer Entschlossenheit traten 32 Erwachsene und drei Kinder zur traditionellen Anpaddel- und Müllsammelaktion im Naturpark Sternberger Seenland an. Ausgerüstet mit Kanus des verbliebenen Anbieters Yves Piehl (58) aus Weitendorf machten sich die Naturfreunde daran, die Ufer der Warnow von Abfällen zu befreien.

Eine Tradition mit langer Geschichte

Die Müllsammelaktion blickt auf eine über zwanzigjährige Geschichte zurück. Ursprünglich von mehreren Kanuverleihern der Region ins Leben gerufen, übernahm der Naturpark Sternberger Seenland Warin im Jahr 2006 die Organisation. Heute beteiligen sich noch drei verbliebene Anbieter: das Feriencamp Yves Piehl in Weitendorf, das KanuCamp Andi und Sabine Henning in Sternberger Burg sowie „Wanderer-Kanu, Rad & Reisen“ von Sven Muskulus im Naturdorf Eickhof.

Fortschritte und anhaltende Probleme

Jan Lippke, stellvertretender Leiter des Naturparks, zieht eine gemischte Bilanz: „Als wir anfingen, füllten wir zwei bis drei Pkw-Anhänger mit Müll. Das ist eindeutig rückläufig, aber immer noch zu viel.“ Förster Torsten Doer (62) aus Rosenow, der bereits zum zehnten Mal teilnahm, bestätigt: „Die Müllentwicklung ist seit der Einführung des Flaschenpfands für Plastikflaschen rückläufig. Allerdings finden wir ab Herrentag besonders viele Bierdosen im Gelände.“

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Engagierte Teilnehmer im Einsatz

Unter den Freiwilligen befanden sich die Brüder Jakob (27) und Martin Manzei (41), die aus Schwerin und Rostock angereist waren. „Vom Kanu aus hätten wir wohl nur einen halben Sack voll gehabt“, erklärte Jakob Manzei. „Deshalb sind wir zwischendurch immer wieder ausgestiegen, um mehr zu sammeln.“

Familie Steinke aus Raduhn – Julia (41), Peter (43) und die zwölfjährige Tochter Anika – freute sich besonders auf diesen bereits vierten gemeinsamen Einsatz. Peter Steinke, passionierter Angler, meinte: „Meist komme ich mit mehr Müll nach Hause als mit Fisch.“

Erschreckende Fundstücke

Die gesammelten Abfälle reichten von alltäglichen Gegenständen bis zu kuriosen Entdeckungen. Henry Richter (37) und Martin Tokarz (40) vom Kulturausschuss Brüel fanden bereits nach 500 Metern die ersten Bierdosen und einen einzelnen Badelatschen. Martin Bouvier (64) von der Tourist-Info Sternberg und Maik Klinger (55) entdeckten am Ufer den passenden zweiten Schuh und vermuteten eine Kenterpanne.

Johanna Hermann aus Schlowe sammelte zu Fuß zwischen Sülten und der Sagsdorfer Brücke besonders besorgniserregende Funde: „Vier Autoreifen mit Felgen, diverses Plastik-Badzubehör, Zellstoff, Folienreste und Hundekottüten. Das ist doch beängstigend!“

Ein Abend der Reflexion

Im KanuCamp Henning in Sternberger Burg fand der Tag mit einem gemütlichen Beisammensein bei Bratwurst und Getränken seinen Abschluss. Naturparkleiter Volker Brandt und sein Stellvertreter Jan Lippke dankten den Teilnehmern und zogen Bilanz. Bürgermeister Ingo Sander aus Tarnow, der zu Fuß entlang der Warnow unterwegs war, fasste den Trend zusammen: „Flaschen, Dosen, Taschentücher, Latschen, Zigarettenkippen und -schachteln – das war so der Trend.“

Johanna Hermann ergänzte mit einer bedenklichen Erkenntnis: „Ich habe recherchiert: Allein Papiertaschentücher brauchen drei Monate bis fünf Jahre, um zu verrotten! Wann lernen die Menschen endlich, die Natur zu schätzen?“

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