Nur 8% gesunde Bäume in Templiner Stadtforst: Revierförster setzt auf Vielfalt und Bürgerhilfe
Nur 8% gesunde Bäume in Templiner Stadtforst

Nur noch acht Prozent der Bäume ohne Schäden: Stadtförster fördert Vielfalt in Templin

Templin als PEFC-Waldhauptstadt 2024 steht vor enormen Herausforderungen. Der 3600 Hektar große Stadtforst ist trotz jahrzehntelangem erfolgreichen Waldumbau massiv von Waldschäden betroffen. Aktuelle Erhebungen zeigen ein alarmierendes Bild: Nur noch acht Prozent der Bäume sollen ohne Schäden sein.

Revierförster im Erholungswald unter Beobachtung

Hans-Lennard Vöcks hat vor gut einem Jahr als Stadtförster das 1500 Hektar große Revier Buchheide übernommen. Der 35-jährige Forstwirtschaftler und Forstinspektoranwärter hat sich intensiv in sein neues Aufgabengebiet eingearbeitet. Die Buchheide dient nicht nur forstwirtschaftlichen Zwecken, sondern ist als Bürgerwald ein wichtiges Erholungsgebiet. Damit steht der Stadtförster mit seinem Wirken unter besonderer Beobachtung der Templiner Bevölkerung.

Bei seinen Streifzügen entdeckte Vöcks faszinierende Naturphänomene wie miteinander verwachsene Buchenäste, aber auch besorgniserregende Schadbilder. Vor allem an den Südrändern der Buchheide sind Flächen durch Sturmereignisse angegriffen, ausgelichtet und dann durch anhaltende Trockenheit sowie Schädlingsbefall zusehends geschwächt worden.

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Kampf gegen Trockenheit und Schädlinge

Besonders alte Buchen leiden unter dem gesunkenen Grundwasserspiegel. „Die Wurzeln der Altbäume wachsen nicht mehr dem Wasser hinterher“, erklärt Revierförster Vöcks. Während absterbende Bäume zurückbleiben, kommt die Naturverjüngung nach. Der Stadtförster hofft, dass die junge Buchengeneration lernt, tiefer zu wurzeln und sich besser an die veränderten Bedingungen anpasst.

Im Frühling und Sommer muss sich Vöcks besonders sputen, um den Schadinsekten nachzuspüren. „Ab 10 Grad Celsius werden die Käfer aktiv“, berichtet er. Zu den gefährlichsten Schädlingen gehören:

  • Fichtenborkenkäfer und Kupferstecher in Fichten
  • Buchenprachtkäfer an vorgeschädigten Rotbuchen
  • Verschiedene Pilze unter Kiefernrinden

Schnelles Handeln und Bürgerbeteiligung

Wo der Revierförster Kalamitäten entdeckt, muss schnell gehandelt werden. Zur Schädlingsabwehr setzt er auf die Zusammenarbeit mit Brennholzwerbern aus der Bevölkerung. „Wenn befallene Bäume vorzeitig gefällt werden, muss das Holz möglichst innerhalb von sechs Wochen aus dem Wald sein. Dann fährt der Käfer mit und Nachbarbestände werden geschützt“, erläutert Vöcks sein Konzept.

Gleichzeitig arbeitet der Stadtförster am Aufbau eines mehrschichtigen Dauerwaldes. „Als Revierförster bin ich darauf bedacht, möglichst viele verschiedene Baumarten einzubringen“, betont Vöcks. In diesem Wald sollen mit gezieltem Spiel von Licht und Schatten verschiedene Baumarten so gefördert werden, dass sie sich gegenseitig stützen und schützen.

Jeder Baum zählt: Aufruf zur Mitarbeit

Für die Umsetzung seiner Pläne setzt Hans-Lennard Vöcks verstärkt auf die Mitarbeit der Bürger. Ob Schülergruppen, Teams aus Betrieben oder Vereine – alle sind zu Pflanzaktionen willkommen. „Jeder Baum ist hilfreich“, sagt der engagierte Förster. Diese Bürgerbeteiligung ist besonders wichtig, da der Stadtforst Templin trotz seines Rufs als Waldumbau-Vorzeigeregion die dramatischen Waldschäden nicht verhindern konnte.

Derzeit finden im Stadtforst hinter der Ringstraße, Richtung Schwarzer Weg, Holzeinschlagarbeiten statt. Diese Maßnahmen sind Teil der notwendigen Waldpflege, um geschädigte Bestände zu entfernen und Platz für eine gesunde Waldentwicklung zu schaffen. Der Kampf um den Templiner Stadtforst ist in vollem Gange – und jeder gepflanzte Baum bringt die Forstverwaltung ihrem Ziel eines widerstandsfähigen Mischwaldes einen Schritt näher.

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